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Viele Reisende reisen mit schlechtem Gewissen und sind der Meinung, dass Reisen mehr Schaden als Nutzen bringen. Reisen zerstört die Umwelt und die Traditionen und Kultur der Gastgeber. Und trotzdem reisen sie. In der Hoffnung eine Ausnahme zu sein.

Wer reist hinterlässt Spuren. Jeder Schritt tut das, auch zu Hause. Das haben Schritte so an sich, dass sie Spuren hinterlassen. Doch es liegt an uns zu entscheiden, welche Schuhe wir anziehen und wie wir auftreten. Nehmen wir die Schuhe mit Spikes und trampeln wir wild durch die Gegend, wird das ganz andere Spuren hinterlassen, als mit Lederpatschen sanft und vorsichtig einen Schritt vor den anderen zu setzen. Du hast die Wahl!

Es gibt verschiedene Argumente, die dafür plädieren zu Hause zu bleiben. Nehmen wir sie doch mal genauer unter die Lupe:

Argument 1: Touristen zerstören Traditionen

Allzugerne wird behauptet, dass der Tourismus daran schuld ist, wenn an einst so idyllischen Plätzen der Erde plötzlich Handys, Fernseher & Co Einzug halten und das Alte damit nicht mehr so wichtig erscheint. Nehmen wir Ladakh her. Wie gerne wird doch behauptet, es liegt an den Touristen, dass nun die Mädchen und Burschen lieber mit Jeans als mit ihren Gonchas durch die Gegend laufen, und Mönche auf Mopeds mit Handys telefonieren und die Welt lieber durch ihre Ray Ban als aus buddhistischer Sicht betrachten. Es ist durchaus so, dass sich die Dinge ändern, und dass das Ladakh von heute anders als das von 1970 ist. Doch wo ist die Welt von heute noch so wie 1970? Ganz ohne das Zutun von Touristen haben sich andere Kulturen auch geändert. Auch in Österreich laufen die Menschen heute ganz ohne touristischer Einflussnahme nicht mehr mit Lederhosen und Dirndl herum und chatten anstatt zu jodeln. Deshalb behaupten wir hier, dass sich Ladakh auch ohne den Tourismus geändert hätte, denn keine Region dieser Welt ist komplett abgeschlossen vom Rest. Selbst vor Jahrhunderten, wo es zum interkulturellen Austausch bspw. auf der Seidenstraße kam, war es schon unmöglich sich vollkommen isoliert vom Rest der Welt zu entwickeln, und so ist es natürlich auch heute in Zeiten der Globalsisierung ein Unding.

Ganz im Gegenteil behaupten wir: Der Tourismus erhält Traditionen, da dieser starkes Interesse an alten Bräuchen und Ritualen hat und damit eine gewisse Brauchtumspflege fördert.

Gochak – ein buddhistisches Ritual

 

Argument 2: Tourismus zerstört die Umwelt

Ja, es gibt sie, die Touristen, die Müll hinterlassen und mehr Schaden als Gutes anrichten. Das ist nicht zu leugnen. Nehmen wir wieder das Beispiel Ladakh her. Leh ist aufgrund des Tourismus zu einer großen Stadt geworden, Hotels und Gästehäuser schießen wie Schwammerl aus dem Boden, doch an Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit denkt beim Bauen kaum einer. Ja, die Solar-Warmwasseranlagen setzen sich langsam durch, Plastikbeutel sind verboten und auch am Kanalsystem wird gearbeitet, trotzdem es gibt gröbste Mängel was den Umweltschutz angeht. Doch schauen wir mal genauer hin! Wer wirft achtlos seinen Dreck weg? Der meiste Müll wird von den Ladakhi selbst und den indischen Gästen verursacht, dh um das Problem zu bekämpfen müsste man ganz wo anders als beim Tourismus ansetzen. In Gesellschaften, wie der indischen, die vor wenigen Jahren noch gar keinen Müll kannte, die plötzlich mit einem Überangebot von plastikverpackten Waren konfrontiert ist, muss man – wie auch in den 80er Jahren bei uns – in der Schule ansetzen. Thema: Umweltbewusstsein. Wer die Problematik nicht sieht, wird weiterhin Plastikflaschen achtlos aus dem Autofenster werfen oder Chipspackungen einfach mit dem Wind durch die Gegend tragen lassen. Auch auf den Trekkingrouten sind es selten die europäischen/amerikanischen Touristen, die den Müll zurücklassen – vielmehr sind es die sie begleitenden Trekkingcrews, die sich nur ungern die Mühe machen, den Müll wieder einzusammeln und zurück nach Leh zu bringen.

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Trekking in Ladakh (c) Roland Amon

Und wieder ist es hier ähnlich wie beim 1. Argument: Der (westliche) Tourismus fordert einen ökologisch sanfteren Weg ein und somit sehen sich viele lokale Agenturen und auch Administrationen gezwungen etwas zu ändern.

Argument 3: Touristen haben keinen Respekt vor den Gastgebern ihres Reiselandes

Sie klicken mit monströsen Objektiven in die Gesichter ihrer Fotomotive, setzen sich auf die Tische der betenden Mönche, reden abfällig über ihre Gastgeber, respektieren die Werte des Reiselandes nicht: Die Touristen der 3. Vorurteils-Kategorie. Wir haben vieles gesehen und vieles verurteilt. Und oft haben wir Menschen in ihre Schranken gewiesen, weil sie den Bogen überspannt haben. Oft ist es aber so, dass es dem „Fehltretenden“ gar nicht bewusst ist, was er eigentlich anrichtet. Deshalb ist es auch so wichtig, dass man sich vorab informiert bzw. informiert wird. Wir empfehlen immer sich in die Situation der Bereisten zu versetzen. Was würde ich bei mir zu Hause nicht wollen? Würde ich es toll finden, wenn jemand meinen Garten betritt und mich von ganz nah fotografiert? Würden es Pfarrer oder auch die betenden Andächtigen im Westen toll finden, würde eine Horde fotoklickender Menschen in die Messe stürmen und dabei laut von einer in die andere Ecke huschen?

Zu diesem Thema könnte dich auch unser Beitrag „10 Regeln für Ladakh“ interessieren!

Leh (c) Roland Amon

Es gibt viele Argumente gegen den Tourismus, doch wie so vieles im Leben hat auch der Tourismus zwei Seiten. Wichtig ist es, dass wir als Reisende und auch als Reiseveranstalter eine Mitte finden, die tragbar und für alle Seiten möglichst nutzbringend ist. Es gilt die goldene Mitte im Dreieck Gast-Gastgeber-Veranstalter zu finden und das ist eigentlich gar nicht so schwer, wenn sich alle drei dabei etwas bemühen und miteinander im Austausch bleiben.

Also zieht eure leichten Schuhe an und schaut wohin ihr tretet – wir machen es auch so!