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Das Leben schreibt die schönsten Geschichten. So hat es sich auch im Leben von Tashi Wangail, dem Gründer von Gesar Travel, einige sehr spannende Geschichten ausgedacht. Wie er es vom Hirtenjungen geschafft hat ein erfolgreicher Reiseveranstalter zu werden, erzählen wir dir hier.

 

Die Kindheit als Hirte

 

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Die Eltern von Tashi

Tashi wurde 1969 als viertes von fünf Kindern – alles Jungen – im 4.000m hohen Dorf Khardong in Nubra geboren. Seine Eltern waren und sind bis heute Bauern. Tashis Kindheit war bestimmt vom Wechsel der Jahreszeiten und von den Arbeiten rund um die Tiere und die Felder. Schon früh hat der kleine Tashi die Ziegen und Schafe während der Sommermonate dort hinauf getrieben, wo es in der kargen Hochgebirgswüste, Essbares für die genügsamen Tiere gibt. Meist allein mit Hunderten Tieren war es seine Aufgabe sie vor Wölfen, Wildhunden, Adlern und anderen Bedrohungen zu bewahren. Ausgestattet mit einer Steinschleuder, und mit seinem Hund Tommy an der Seite verbrachte er unzählige Stunden fernab eines Erwachsenen. In einem Alter in dem die meisten Kinder im Westen kaum aus den Augen gelassen werden, war er ein verantwortungsvoller Junge, der seine Aufgabe als Hirte nicht nur gut sondern auch gerne wahrnahm. Bis heute erinnert er sich in bunten Bildern an die Zeiten zurück, die er zu den schönsten seines Lebens zählt. Und doch wollte er in die Schule … doch in seinem Dorf gab es die damals noch nicht. Erst viel später sollte sein Wunsch in Erfüllung.

 

Der Riese aus der Schweiz

Eine der lustigsten Geschichten aus der Kindheit von Tashi ist die von der Begegnung mit dem ersten Ausländer. Die Geschichte muss sich irgendwann Mitte der 70er Jahre zugetragen haben, da die Einreise nach Ladakh für Ausländer vor 1974 nicht möglich war. Noch bevor er den ersten angres (moderne Ladakhi-Bezeichnung für Ausländer) sah, hatte seine Mutter ihm von „Hippies“ (ein älteres Synonym für Ausländer) erzählt, die sie auf dem Hemis-Festival gesehen hatte. Sie hätten Haare aus Gold, waren weich wie Samt und rochen nach Blumen. Und ihre Augen waren so blau wie das Wasser des Shyok-Flusses im Winter. Kein Wunder also, dass er den ersten Ausländer, den er und andere Kinder aus seinem Dorf sahen, erst als Sringpo – ein riesenhaftes Ungeheuer – verkannte: Er war ein großer Mann, größer als die größten Männer des Dorfes, und er war plötzlich in ihrem Dorf und die Kinder fürchteten sich vor ihm. Wundersamerweise schlief er in einem Ballon, der sich später als Zelt herausstellte. Ausserdem zeichnete er und schaute sich ringsum Dinge und Menschen durch eine merkwürdige Maschine (=Fotoapparat) an. Tashi und die anderen Kinder brachten ihm Essen, weil sie meinten, den Riesen so zu besänftigen und er ihnen folglich nichts Böses anhaben wollen würde. Auch die anderen Dorfbewohner brachten ihm Milch und andere Leckereien. Doch irgendwann stellte sich raus, dass er doch auch nur ein Mensch war und der Spuk des Riesen nahm allzu schnell ein Ende, da ihn Soldaten abholten und mitnahmen. Nachdem sie schon bald erkannt hatten, dass der „Hippie“ eigentlich ein netter war, baten sie die Soldaten ihn nicht zu töten. (Die Einreise nach Nubra war damals noch nicht erlaubt – erst viel später in den 90er Jahren wurde Nubra für Ausländer geöffnet. Folglich haben Soldaten ihn aus Nubra verwiesen und hatten auch keine Absicht ihn zu töten 😉). Viele Jahre später konnten wir eruieren, dass der besagte Sringpo ein Schweizer Geologe war, der mittlerweile wohl verstorben ist.

 

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Leider gibt es keine Fotos aus der Kindheit von Tashi – doch so ähnlich wie der Junge in der Mitte (auch aus Khardong) könnte er ausgehen haben 😉

 

Von der Hochgebirgswüste in die feuchte Hitze des Südens

Doch irgendwann war die Kindheit in seinem Dorf Khardong vorbei. Sein Wunsch eine Schule zu besuchen, sollte in Erfüllung gehen. Von den Weidegründen seiner Schafe und Ziegen trat er ein lange Reise an. Rund 2.500 km Luftlinie trennten ihn mit 11 Jahren plötzlich von allem, was er bislang kannte. Er wurde nach Bangalore, in die Hauptstadt des südindischen Staates Karnataka, geschickt, und alles war nun so anders und fremd: das Klima, die Menschen, das Essen, die Sprache, die Gesellschaft, die Regeln. Ein 11 Jahre alter Junge, der nur Ladakhi sprach, kein Wort lesen oder schreiben und auch nicht rechnen konnte, der keinen Strom kannte und dessen weiteste Reise nicht einmal über die Grenzen Nubras, dem nördlichsten Distrikt in Ladakh, ging, hatte eine ziemliche Aufgabe zu bewältigen.

Er war einer von vielen auserwählten ladakhischen Kindern, denen es von der Mahabodhi Society – einer wohltätigen buddhistischen Gemeinschaft – ermöglicht wurde zur Schule zu gehen. Es war eine strenge, aber gute Ausbildung und Tashi ist bis heute für diese Möglichkeit dankbar.

Zwischenzeitlich ging er für einige Zeit in die Buddhistischen Schule in Ladakh, kehrte aber schließlich wieder zurück nach Bangalore, wo er im Krankenhaus der Mahabodhi Gesellschaft arbeitete und vor allem Patienten mit Kinderlähmung massierte, während er weiter die Schulbank drückte und schließlich den Abschluss der 10. Klasse schaffte. Erst dann folgte die richtige Rückkehr zurück in die Heimat.

 

Die Begegnung mit dem Tourismus

Nach einigen anderen Arbeiten ist Tashi schließlich im Tourismus gelandet. Und hat seinen Weg gemacht. Erst hat er sich als Helfer verdingt, dann auch mal als Koch – was nur deshalb gut ausgegangen ist, weil er trotz seiner nicht vorhandenen Kochkenntnisse, jemand anders hat überreden können an seiner statt zu kochen. Und schließlich fand er Arbeit als Guide.

 

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Tashi mit dem berühmten britischen Bergsteiger Sir Chris Bonnington

 

Die Jahre als Hirte in den Bergen und die anschließende schulische Ausbildung in buddhistischem Setting waren rückblickend eine gute Basis für die Arbeit als Guide. Doch die größte Schule war die Arbeit mit den Touristen selbst, von denen er viel gelernt hat – bspw. über die Tiere und besonders die Vögel Ladakhs von britischen Wildlife-Fans und seine technischen Kenntnisse in den Bergen vor allem auch in der Arbeit mit führenden Bergführern aus aller Welt.

Und mit seinen Gästen ist er herumgekommen: Tashi durfte in fast allen Ecken Indiens als Guide arbeiten und war einer der wenigen in dem Bereich tätigen Ladakhis, die ganzjährig gearbeitet haben – in Rajasthan, in Uttarakhand, in Bhutan, in Sikkim und Darjeeling, in Himachal Pradesh … Er hat Gäste aus der ganzen Welt betreut und hat bis heute mit vielen von ihnen noch Kontakt.

Er liebte es Guide zu sein und spricht auch heute noch von dieser Zeit als einer der unbeschwertesten in seinem Leben: kein Zuhause zu haben, im Freien, auf Dächern von Hotels oder bei Freunden zu schlafen, immer bereit für neue Abenteuer, den Wind der Freiheit im Gesicht. Doch irgendwann verliebte er sich, erkannte, dass das Dasein als Guide schwer mit dem als Lebenspartner oder gar Ehemann vereinbar ist, entschloss sich aber zumindest ein Stück weit, dem treu zu bleiben, was er so sehr liebte: Gesar Travel, das Kind seiner Liebe zum Tourismus, war geboren.

 

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Was nicht viele wissen: Tashi stand als einer der beiden Hauptdarsteller im australischen Kurzfilm Tau Seru auch vor der Kamera

 

Der Trailer zum Film Tau Seru von Rodd Rathjen

Tau Seru Trailer from Rodd rathjen on Vimeo.

 

[tg_promo_box title=“Mehr Privates? Die Geschichte von Daniela & Tashi“ border=““ shadow=“0″ button_text=““ button_url=““]Es macht Spass hinter die Kulissen zu blicken, oder? Dann lies auch die Geschichte von Tashi & Daniela, der Frau, für die er schließlich den geliebten Job als Guide an den Nagel hängte. [/tg_promo_box]