Ayurveda und die Jahreszeitenuhr: Was dir wann gut tut!

Wenn der Schnee schmilzt und die Tage wieder länger und wärmer werden, haben viele das Gefühl, dass es an der Zeit ist den Winterspeck loszuwerden. Im Christentum beginnt man ab Aschermittwoch bis zu Ostern zu fasten – kein Fleisch, nichts Süßes, kein Alkohol. Und auch in anderen Kulturen spielt das Fasten nach dem Winter immer wieder eine Rolle. Warum auch nicht? Denn im Winter ernähren wir uns schwer und führen uns wärmende Speisen zu. Was auch richtig ist!

Im Ayurveda ordnet man die Jahreszeiten den 3 Doshas zu (lies dazu unseren Beitrag: Ayurveda: Kapha, Pitta, Vata und mehr). Februar bis Juni (Frühling) wird Kapha – den Elementen Erde und Wasser zugeordnet. Juni bis Oktober (Sommer und Frühherbst) Pitta – den Elementen Feuer und Wasser – und Oktober bis Februar (Spätherbst und Winter) dem Vata – den Elementen Wind und Äther. Das heißt: Unabhängig von unserer Konstitution spielen Kapha, Pitta und Vata in den jeweiligen ihnen zugeordneten Jahreszeiten eine wichtigere Rolle.

 

Später Herbst – Winter & Vata

Im Winter, wenn Vata hoch steht, das viel Wärme, Stabilität und Stärke braucht, machen wir instinktiv genau das Richtige: Wir essen eher wärmende und energiereichere Nahrung – Eintöpfe, Kartoffeln, Fleisch, Kekse (ja, auch das Süße tut Vata gut – aber bitte in Maßen, besonders wenn man generell viel Kapha hat, das wiederum wenig Süße auch im Winter verträgt!) – anstatt Eis zu schlecken und frische Salate zu essen, die unseren Körper kühlen (Schnupfen!) und uns gerade dann Probleme mit der Verdauung bescheren. Wir schlafen viel mehr und gönnen uns mehr Ruhe. Wenn wir nicht verlernt haben auf unseren Körper zu hören.

Leider macht es uns die moderne Lebensmittelindustrie nicht leicht uns auf unseren Körper zu konzentrieren und darauf zu hören, was er wirklich braucht. Er redet uns ein, das Erdbeeren, Ananas und Bananen auch im Winter gut sind. Ach so viele Vitamine! Das tut gut und beugt Erkältungen vor. Ayurveda widerspricht dem – tropische Früchte haben eine stark kühlende Komponente. Während wir also besonders im Winter Zitrusfrüchte in uns stopfen, weil wir glauben damit unseren Vitaminhaushalt sinnvollerweise gegen die Schnupfenfront aufzubauen, kühlen wir damit eigentlich unseren Körper und machen uns damit eher anfälliger für Erkältungskrankheiten. Wenn du deinen Körper im Winter stärken willst, iss das was dir die Region genau in dieser Jahreszeit gibt: Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Karotten, Äpfel, Birnen, Teigwaren etc. Eigentlich ist es gar nicht schwer: Schau einfach, dass du dir Lebensmittel kaufst, die aus der Region sind. Damit gibst du deinem Körper genau das, was er im Winter braucht. Das gilt im Übrigen auch für die anderen Jahreszeiten!


Frühling & Kapha

Wenn sich der Frühling nähert, beginnen wir wieder zu leben. Der Winter hat uns träge gemacht, das Kapha ist angestiegen, haben wir es doch mit energiereicher und süßer Nahrung voran getrieben. Nun heißt es dieses Dosha in Zaum zu halten. Doch wie machen wir das? Kapha braucht besonders bittere, herbe und scharfe Speisen UND von allem viel weniger als Vata. Nun heißt es etwas Verzicht zu üben und uns leichter zu ernähren. Auch neigt Kapha dazu besonders träge und faul zu sein, dh den Hintern hochbekommen und raus in die frische Luft: Bewegung, Bewegung, Bewegung!

Wenn wir auf unseren Körper hören, machen wir genau das im Frühling. Wir gehen hinaus, bewegen uns viel an der frischen Luft, packen unsere Räder aus den Kellern und haben gar nicht mehr so die Lust auf schwere, fettige oder süße Speisen. Der Frühling ist die ideale Zeit für Entschlackungs- und Fastenkuren. Warum also – selbst als Nicht-Christ – einfach 40 Tage lang von Faschingsende bis Ostern fasten und etwas Verzicht üben?


Sommer – früher Herbst & Pitta

Je heißer es wird, desto mehr steigt das Pitta – das vor allem im Zeichen des Feuer steht – in uns. Wir brennen innerlich und brauchen nun vor allem eines: Kühlendes! Im Sommer scharfe und erhitzende Speisen zu essen, verursacht schnell Beschwerden. Wir dürfen nun auch mehr Rohes essen, weil wir es besser verbrennen können (Pitta = Feuer!). Und auch ein Eis hin und wieder tut unserem erhitzten Körpern gut – nur nicht viel davon, denn wenn wir nur noch Kühlschrankkaltes und Gefrorenes essen, laufen wir Gefahr unser Verdauungsfeuer zu sehr abzukühlen. Ideal sind jetzt süße Früchte, Salate, Reise, Milchprodukte, bittere Gemüsen.

Auch ein Sprung ins kühlende Wasser und ein paar Runden zu schwimmen sind gut. Weniger gut allerdings sind Sonnenbäder, die bringen das Pitta aus dem Gleichgewicht – eher ab in den Schatten und dort sich gemütlich hinliegen als in der prallen Sonne zu liegen.


Bitte beachte

Auch wenn der Jahreszeitenzyklus und die Dohas allgemeine Gültigkeit im Ayurveda haben, so musst du dennoch immer deine individuelle Konstitution mit in Betracht ziehen. Jemand der generell zu Übergewicht neigt und schon von Haus aus sehr viel Kapha und wenig Vata hat, sollte auch im Winter eher auf Süßes und Schweres verzichten. Pitta-Konstitutionen müssen sich im Sommer viel mehr vor Überhitzung als die stets frierenden Vata-Typen hüten. Es geht immer Ayurveda immer darum zu lernen, auf den Körper zu hören und die eigenen Bedürfnisse zu erkennen, da ein gesunder Körper die Doshas normalerweise gut im Gleichgewicht halten kann.