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„Die gefährlichste Weltanschauung, ist die der Menschen, die die Welt nicht angeschaut haben.“ Alexander von Humboldt

„A travelling fool is better than a sitting wise man.“ Nomadische Weisheit

„Wandern ist besser als hinterm Ofen sitzen.“ Paracelsus

„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite.“ Augustinus Aurelius

Zitate übers Reisen, die eines gemeinsam haben: Man lernt etwas auf Reisen. Und mit jeder Reise nimmt man etwas mit nach Hause. Auch Ladakh lehrt uns vieles. Die (für mich persönlich) fünf wichtigsten Lehren, habe ich hier zusammengefasst. Von Daniela Luschin-Wangail

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5 Dinge, die man von Ladakh lernen kann/soll

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1 || Wasser ist wertvoll

(c) Kalyan

Die Menschen in Ladakh können nur mit Hilfe des Wassers der Gletscherbäche überleben.

Ladakh ist eine Hochgebirgswüste mit zu wenigen Niederschlägen und wäre bis auf wenige Meter links und rechts von seinen Bächen und Flüssen fast komplett trocken, ohne kaum ein Grün. Also mussten sich die Menschen etwas einfallen lassen und haben kilometerlange Bewässerungskanäle von den Gletscherbächen bis hin zu ihren Dörfern gebaut, um ihre Felder zu bewässern. Wer wann wie viel Wasser auf seine Felder leiten darf, ist streng regelmentiert. Auch trinken die Menschen das Wasser vorrangig aus den Bächen. Im Winter, wenn die Bäche kaum Wasser führen oder gänzlich versiegen, muss man oft lange Wege in Kauf nehmen, um Trinkwasser von einer Quelle oder aus einem nicht versiegtem Bach zu bringen.

Aufgrund der Klimaerwärmung schmelzen jedoch die Gletscher und zusätzlich bereiten in Leh (der einzigen großen Stadt!) die Wasserverschmutzung und der erhöhte Wasserverbrauch in den Sommermonaten ziemliche Sorgen. Deshalb gehört die Wasseraufbereitung und -speicherung auch zu den wichtigsten Agenden für die Zukunft. Ein geniales Beispiel ist das Eis-Stupa-Projekt – künstliche Gletscher sorgen für eine alternative Wasserquelle.

Wenn ich in Österreich (oder auch anderen wasserreichen Ländern) dann sehe, wie Wasser geradezu verschwendet wird (exzessive Autowäschen mit Trinkwasser usw.), dann komme ich nicht umhin an das wasserarme Ladakh zu denken und mir wieder vor Augen zu führen, wie wichtig Wasser eigentlich ist. Gibt es überhaupt ein höheres Gut auf unserer Erde? Nicht umsonst bitten wir daher unsere Gäste sorgsam mit dem Wasser des Gastgeberlandes umzugehen.

 

2 || Füreinander da sein

familie

Die Familie steht in Ladakh über allem.

Die für mich eindrücklichste Lehre, die ich von Ladakh gelernt habe, ist die, dass nicht das Individuum, sondern die Gemeinschaft oder die Familie im Vordergrund steht. Eine ziemliche Lektion für Menschen aus dem Westen, die vor allem sich selbst am wichtigsten nehmen. ICH, MEIN statt WIR, UNSER. Das ICH hat alle Freiheiten der Welt und kann sich selbstverwirklichen. ICH tue nur, was MIR gefällt und genieße MEIN Leben. Ist ja auch schön, aber was, wenn es MIR nicht mehr gut geht? Wer ist dann da?

Viele Menschen sind so sehr auf sich selbst konzentriert, dass es ihnen schwer fällt mit anderen zusammen zu sein. Das Ego spielt in Ladakh keine große Rolle – das Handeln der Menschen ist (so gut wie) immer auf ihre Familie ausgelegt. Sicher manchmal kann das auch heißen, dass man dadurch weniger Freiheiten hat (arrangierte Ehen, man studiert, was die Eltern am besten finden und nicht das, was einem wirklich interessiert), aber darüber klagt in Ladakh kaum jemand. Man ist nicht für sich selbst da, sondern füreinander. Und das ist schön.

Was ich am meisten genieße, wenn ich nach Ladakh komme? Dass immer jemand da ist, der einem hilft – beim Kochen, mit den Kindern, beim Haushalt führen, wenn man krank ist … es ist immer jemand an deiner Seite.

 

 

3 || Weniger ist mehr

(c) Josef Reifenauer

In Ladakh lernt man die Schönheit des Einfachen schätzen. (c) Josef Reifenauer

Wer in Ladakh lebt, muss lernen mit dem Wenigen, das die Erde einem gibt, auszukommen. Beispielsweise braucht ein Baum viele Jahre mehr als in niedrigeren Höhen zu wachsen. Schon allein deswegen sind die Bäume viel geschätzter Reichtum einer Familie.

Zwar ist das Leben durch den Straßenbau und die Verbindung nach Srinagar und Manali annehmlicher geworden, aber gerade im Winter hat sich nicht allzu viel verändert. Die Winter sind lange und man muss mit wenigen und einfachen Lebensmitteln auszukommen: alles das, was im Sommer getrocknet werden konnte oder lange haltbar ist. Und wenn man die Menschen am Land besucht, wird einem wieder bewusst, mit wie wenig man auskommen und trotzdem glücklich sein kann. Auch ohne fließendes Wasser, 24-Stunden-Strom-Versorgung und exotischen Früchtem selbst im Winter aus anderen Kontinenten kann man ein zufriedenes Auskommen finden.

 

4|| Die Natur ist stärker als wir

Unterwegs in Zanskar

Wir sind nur Gäste auf dieser Erde und sollten uns auch so verhalten.

Das Leben im Himalaya lehrt auch zu erkennen, dass man selbst nichts gegen die Mächte der Natur ist. Gerade wer zu Fuß durch Ladakh wandert und/oder mit den Bauern und Hirten spricht, erkennt, dass man hier nur leben kann, wenn man sich nicht gegen die Natur stellt. Man muss sich fügen und den Regeln von Mutter Erde folgen, mit ihr und nicht gegen sie leben. Sonst verliert man in jedem Fall.

 

5|| Geduld

geduld

Immer mit der Ruhe. Geduld ist eine Tugend, die in Ladakh aber auf die Mehrheit der Menschen zutrifft.

Was für eine Lektion! Geduld! In den ersten Jahren in Ladakh bin ich oft verzweifelt: Wie lange man auf alles warten muss! Wie gemütlich die Menschen die Dinge angehen, wenngleich man es viel effizienter gestalten könnte! Für eine, die schon immer in allem schnell war und gleichzeitig zwei oder drei Dinge erledigt, war das eine schwer erlernbare Lektion.

Die (meisten) Ladakhi machen ihre Dinge in Ruhe und genießen das Tun. Hurtiges Kochen, damit die hungrigen Mäuler gestopft werden können, gibt es nicht. Gekocht wird gemeinsam, mit ganz viel Tratsch und Spass. Die Erbsen werden gemütlich geschält, der Teig ewig geknetet, die Zwiebel in Ruhe sorgfältig geschnipselt. Zwei oder drei Stunden für ein Abendessen sind nicht besonderes, sondern Alltag! Dafür aber schmeckt es! Immerhin fließen auf diese Weise auch ganz viel positive Energie mit ins Essen.

Und so ist es mit fast allen Dingen in Ladakh – die Felder werden nicht möglichst flott geernteet – es gibt ausgiebige Teepausen, Geschichten und Lieder während der Arbeit. Kein Wunder also, dass es bislang noch keine Fälle von Burn-Out in Ladakh gibt 😉

 

[tg_promo_box title=“Keine Sorge! Anmerkung zum letzten Punkt „Geduld“:“ border=““ shadow=“0″ button_text=““ button_url=““]Nur weil die Menschen in Ladakh die Dinge ruhiger angehen und geduldiger sind, heisst es nicht, dass unsere Guides deswegen nicht pünktlich sind oder dich irgendwo stehen lassen 😉 Aber lass dich ruhig ein wenig von der uns abgekommenen Gelassenheit anstecken. Die tut uns überarbeiteten Geistern echt gut![/tg_promo_box]

 

Im Übrigen: Ich will nicht einen falschen Eindruck erwecken – ich bin noch immer weit davon entfernt ein Meister besonders in den Lektionen Geduld erhöhen und Ego verringern zu sein. Da brauch ich noch ein paar Jahre Ladakh mehr 😉 Und darauf freu ich mich auch.