Warum der Osten Bhutans ein wahrer Geheimtipp ist


Originaltext auf englisch von Ulrike Čokl / Übersetzt von Daniela Luschin-Wangail
Ulli hat alles in allem mehrere Jahre in Bhutan gelebt. Sie hat dort als Ethnologin über traditionelle Praktiken der Gastfreundschaft geforscht. Daher ist sie eine Expertin für das Leben in dörflichen Strukturen in ganz Bhutan. Mit und für Gesar Travel arbeitet sie individuelle und spezielle Reiseprogramme aus, in denen ganz besondere Einblicke in die reiche Kultur Bhutans gewährt werden.

 

Warum Ost-Bhutan?

Warst du schon einmal in Bhutan und möchtest das Königreich nun von seiner weniger bekannten Seite kennenlernen? Oder ist es dein erster geplanter Besuch und du möchtest mehr als nur die üblichen Sehenswürdigkeiten auf der To-Do-Liste abhaken? Wenn du eine der Fragen mit Ja beantworten kannst, ist Ost-Bhutan genau das Richtige für dich. Mit den richtigen Plätzen im Reiseplan ist es ein wahrer Insider-Tipp. Der Osten Bhutans hat einiges zu bieten: atemberaubende Tageswanderungen in einmaliger Natur, traditionelle Homestays, Einblicke ins tägliche Dorfleben und herzliche Begegnungen mit Einheimischen. Für die AbenteuererInnen kann eine Reise in den Osten auch noch richtigen Pioniercharakter haben. Wenn beispielsweise lokale Feste in abgelegenen Dörfern am Programm stehen, kann es gut sein, dass man der erste Ausländer ist, der daran teilnimmt. Und noch einen durchaus triftigen Grund den Osten zu besuchen gibt es: 2018 hat die bhutanische Regierung die Tagessätze für den Osten reduziert, um die Dorfgemeinschaften in Ostbhutan zu fördern, die von den klassischen Bhutanreisenden wenig profitieren. Das doch recht teure Bhutan wird im Osten dadurch um einiges erschwinglicher. Ganz besonders in der Nebensaison, im relativ milden Winter, wo es zwar abends und morgens recht kühl ist, doch tagsüber sehr angenehm warm und sonnig sein kann.

 

 

Welche Bezirke zählen zu Ostbhutan?

Zu Ostbhutan zählen die Bezirke Samdrup Jongkhar, Pemagatshel, Trashigang, Trashiyangtse, Mongar und Lhuentse. Über den Landweg reist man über Samdrup Jongkhar ein und aus. Von dort fährt man durch subtropisches Klima – mit Bambus-, Bananen- und Laubbäumen – in die höheren Regionen von Trashigang, man lässt die indische Ebene und das bhutanische Vorgebirge mit unglaublichen Blicken hinter sich. Unterwegs lohnen sich Stopps bei Dzongs, Klöstern und Tempeln, vor allem Gom Khora, Chorten Kora, Drametse und Mukazor. Der wahre Charme des Ostens eröffnet sich jedoch insbesondere in der Schönheit der Landschaft, den abgelegenen Dörfern, der herzlichen Gastfreundschaft, den kleinen, wenig besuchten Dorffesten und den einzigartigen Begegnungen mit Ostbhutanern.

 

Mit Reisen lokale Gemeinschaften unterstützen

Es gibt eine interessante traditonelle Handwerksschule in Yangtse, die einen Stopp in jedem Fall wert ist. Daneben empfiehlt es sich auch einen oder mehrere Tage bei einem Handwerker zu verbringen und an einem Workshop teilzunehmen. In Ost-Bhutan gibt es eine Reihe traditioneller bhutanischer Handwerke (zorig chusum), bspw. Papierherstellung (dezo) und das Holzdrehen (shagzo) in Trashiyangtse; Weberei (thagzo), Töpferei (jinzo) und Holzschniterzei (parzo) in Pemagatsel, Trashigang und Lhuentse; und Zimmerei (shingzo) in der gesamten Region.

Eines der absoluten Highlights, wenn man in Homestays nächtigt: hausgemachte Mahlzeiten, natürlich organisch. Wenn du abenteuerlustig genug bist, kann ein tshogchang arrangiert werden – ein wahrlich authentisches Willkommensritual bei dem die Dorfbewohner Gäste mit Alkohol und Snacks, Liedern und Tänzen begrüßen und vom Besucher im Gegenzug ein Gegengeschenk in Form von Geld (soerat) erwarten. Wenn du den Osten Bhutans besuchst, unterstützt du Dorfbewohner direkt und wirkst der Abwanderung entgegen, das ein gegenwärtiges Problem darstellt. Durch nachhaltigen und ethischen Tourismus werden gute Gründe geschaffen auch in ländlichen Gebieten zu bleiben.

 

Foto: Marina Beck Photography

 Was wo tun?

Lass mich dich mit ein paar Einblicken in Ost-Bhutan inspirieren: In Pemagatshel verarbeiten die Frauen des Dorfes Chimoon Baumwolle zu wunderschönen Textilien. Weiter oben im Norden, in Kangpara, eine abgelegene Region in Trashigang, findest du verschlafene Dörfer inmitten von Reisfeldern. Hier werden bangchung (gewebte Schüsseln) und Körbe von höchster Qualität hergestellt und du kannst – wenn du magst – sogar an einem Bambus-Web-Workshop teilnehmen. Im Anschluss kannst du dann bei einer Tasse ara (einheimischer Schnaps) und lecker Hausmannskost den Tag bei deiner Gastfamilie ausklingen lassen. In Trashigang musst du unbedingt durch märchenhafte Wälder zu abgelegenen Einsiedeleien wandern. Ganz speziell ist auch das Eintauchen in das Leben der Brokpa, halbnomadische Yak-Hirten von Merak und Sakteng. Bei ihnen erfährst du mehr übers Melken, die Herstellung von Butter, die Wollfabrikation, das Spinnen und Weben. Die schöne Lingkhar Lodge ist das perfekte „Basislager“ für die, die ihre Zeit lieber abenteuerlicher verbringen. Von hier aus sind Ausflüge in die Stadt Trashigang mit dem Trashigang Dzong (Festung), ins Dorf Rhadi, in die ‘Reisschüssel des Ostens’ mit seinen Roh-Seide-Webern (bura), ins Kloster Rangjung und nach Rangshikhar, einem zauberhaften Dorf mit großartigem Heritage-Homestay und einer kleinen gonpa (Kloster) auf der Spitze eines Berges möglich. Das Bumdeling Wildlife Sanctuary in Trashiyangtse bietet reichlich Möglichkeiten für NaturliebhaberInnen Tageswanderungen und Kurztreks zu unternehmen. Im Winter kannst du hier auch den Schwarzhalskranichen begegnen, die auf den Feldern nur darauf warten von dir fotografiert zu werden.

Mein ganz persönlicher Favorit ist das Lhuentse Tal. Vielleicht hast du schon von Khoma gehört, dem Dorf der berühmten kishutara-Weber. Pilger können zu versteckten Einsiedeleien wandern und neben den Meditationshütten der Mönche selbst ein wenig zur Ruhe zu finden oder mit dem Hauptlama etwas Konversation betreiben. Die Guru Rinpoche Statue bei Takila ist eindrucksvoll und Tangmachu bietet malerische Wanderungen in der Umgebung. Einen Tagestrip entfernt, im Dorf Ney, kannst du auf Frauen treffen, die Nesseln in mühevoller Kleinstarbeit zu Fäden verarbeiten und anschließend herrliche Nesselwebereien herstellen. Die kleine Töpferei in Gangzur ist eine der letzten, wo noch traditionelle Erdtöpfe hergestellt werden. Das berühmte Nationalgericht, ema datshi (Chili und Käse), schmeckt in so einem Topf zubereitet angeblich am besten. In Lhuentse kannst du auch an Weberei- und Schnitzerei-Workshops teilnehmen. Und wenn du gerne in Homestays nächtigst, ist Lhuentse ein wunderbarer Platz für mehrere Tage.

 

Mach dich bereit

Hab ich dich inspirieren können? Dabei habe ich nur an der Oberfläche gekratzt! Wenn du mehr Geheimtipps von Ost-Bhutan wissen willst, setz dich mit uns in Verbindung. Und schau dir auch unsere ganz besondere Ost-Bhutan-Reise an.