Verdammt! Der Blick aus dem Fenster nach dem Aufstehen hat dem Himmel entsprechend trübe gestimmt. Es regnet! Und das genau an dem Tag an dem wir dringend, wirklich dringend, gutes Wetter brauchen würden. Denn am Programm steht der Vashlovani Nationalpark in Kachetien, dessen Jeeppisten bei Regen nicht nur schnell verschlammt sondern richtiggehend unter Wasser stehen. Dabei hatte ich gestern noch insbrünstig gen Himmel geschrien und den Wettergott angefleht der eh schon schlechten Wettervorhersage einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Die miese Wetterlaune steigt beim Frühstück zum Glück. Bei dem Anblick absolut verständlich. Nicht wahr? (Das Foto entstand bevor noch weitere Köstlichkeiten serviert wurden.)

Vashlovani Nationalpark und Sowjet-Militärflughafen

Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

 

… und was ist passiert? Beim Losfahren ist der Regen versiegt und bis wir im Nationalpark ankommen, sind so gut wie alle Wege wieder halbwegs trocken und damit gut befahrbar. High Five gen Himmel! Danke, werter Wettergott! Schon am Weg zum Vashlovani Nationalpark ändern sich die Landschaften rasant. Anfangs toskanaähnlich, dann wieder weit und steppengleich, es folgen Hügel und schließlich mehr oder weniger bare Felslandschaften, mal Sandgestein, mal andere Steinformationen, die einer Geologie-Laiin wie mir nichts sagen. Mit von der Partie sind nicht nur unser Geschäftspartner für Georgien, Zviad, sondern auch ein lokaler Guide namens Giorgi, ein immer-fröhlicher junger Mann, der ganz offensichtlich nicht nur alle Wege des überaus verwirrenden Jeep-Pisten-Netzes, sondern auch alle Pflanzen und Tiere des Nationalparks zu kennen scheint. Menschen treffen wir hier kaum, nur einige Ranger. Dafür aber unzählige Landschildkröten, die wir wiederholt von der Straße an den Rand heben müssen, damit wir sie mit unserem schweren SUV nicht zerquetschen.

Neben den langsamen Reptilien gibts aber auch flottere: Echsen und Schlangen. Die Levanteotter und die Sandboa sind die bekanntesten. Größere einheimische Tiere sind Gazellen, Goldschakale, Wölfe, Rohrkatzen und Braunbären. Es gibt sogar Sichtungen von Leoparden, aber sehr sehr wenige. Die Gazellen wurden während der Sowjetzeit so erfolgreich gejagt, dass sie bis vor der Wiedereinführung vor ein paar Jahren hier gänzlich ausgestorben waren.

Ich mag die Eintönigkeit von weiten Ebenen. Doch schon bald ändert sich die Landschaft gravierend.

Man erinnert sich zeitenweise in die Kulisse von Winnetou-Filmen versetzt.

Über Jahrhunderte waren georgische Wachleute an den Bergketten stationiert, um durchziehende Karawanen zu erkennen und Zölle für ihre Waren abzukassieren.

… und schon wieder eine komplett andere Landschaft. Sanft geschwungene Hügel mit wilden Pistazien-, Wacholder- und Granatapfelbäumen.

Die Russen haben im Vashlovani-Nationalpark Yuccapalmen im großen Stil angebaut. Heute wachsen sie noch immer, genutzt werden sie aber nicht mehr.

Und hinten am Horizont liegt schon Aserbaidschan.

Faltiges Minigebirge übersät von kleinen Baumtupfen.

Hier muss man einfach Panorama-Bilder schießen.

Wir haben die Schildkröte beim Trinken über Minuten beobachtet und festgestellt, dass die Tiere nicht nur beim Gehen sondern auch beim Wassernehmen überaus langsam sind. Ich könnte dem Leser jetzt auch erzählen, dass das oben kein Foto sondern ein Video ist. Ein Unterschied wäre nicht zu erkennen.

… und dann ein Kontrast, der größer nicht sein könnte

Am Weg zurück halten wir auf der Ebene von Shiraki. Was ich aus der Ferne als großes Dorf wahrgenommen habe, stellt sich beim Näherkommen als riesiger Militärflughafen raus. Seit der Unabhängigkeit Georgiens ist er nicht mehr in Betrieb, soll aber einst der größte Militärflughafen der Sowjetunion gewesen sein. Eine riesige brach liegende Landebahn wird von zig, wenn nicht Hunderten Hangars gesäumt, die von oben nicht wahrgenommen werden, weil sie mit Erde bedeckt wurden und somit von Gras überwachsen sind.

Ich hab mir das natürlich gleich auf Google Maps anschauen müssen, aber die Russen haben wohl extra eine Wolkendecke vorgeschoben, damit man nicht zuviel davon zu sehen bekommt! Die Landebahn und das Straßennetz mit Verbindungen zu den einzelnen Hangars kann man trotzdem gut erkennen.

Bis auf ein Flugzeug haben die Russen alles mitgenommen als sie abziehen mussten. Die Bewohner der umliegenden Dörfer haben nicht nur das Flugzeug gründlich geplündert, sondern auch die unzähligen Gebäude auf dem Areal, von denen kein einziges mehr Fenster oder Türen, geschweige denn irgendein Interior hat. Sie nutzen sie dafür gelegentlich als Stallungen für ihre Tiere.

Die Hangars (ja, das ist tatsächlich die Mehrzahl von Hangar, ich habe es geprüft) werden von den Dorfbewohnern heute als Lager für ihre Ernte genutzt.

Giorgi erzählt uns noch, dass unter dem Flughafen unterirdische Bürogebäude angelegt und angeblich radioaktive Materialien eingelagert wurden. Der Zutritt ist deswegen verboten und der Zugang verbarrikadiert.

 

Hangar von vorne

Am Ende des Tages weiß ich gar nicht, was ich spannender finde: den wirklich wunderbaren Nationalpark Vashlovani oder die derbe Schönheit der Überreste aus einer vergangenen Ära. In jedem Fall ist der Kontrast zwischen diesen beiden Höhepunkten kaum zu übertreffen und eine Kombination für sich, die ich jederzeit wieder machen würde.

Der Regen hat übrigens erst kurz vor Eintreffen beim Hotel wieder eingesetzt. Das hab ich also ziemlich gut ausgehandelt.




 Angekommen in Georgien. Der erste Blick aus dem Flugzeug fällt auf eine riesige Werbetafel für ein Casino: Shangri La. Verheißungsvoller Name mit wohl eher geringen Chancen für SpielerInnen das wirklich große Geld darin zu machen. Trotzdem kommen Hunderttausende Gäste jährlich aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Georgien, um hier ihr Glück am Spieltisch oder -automaten zu versuchen. Gewinner sind aber vor allem die Casinos selbst und der Staat. Mein Shangri La aber suche ich nicht im Casino, sondern gleich am ersten Tag beim Eintauchen in die spannende Welt der Hauptstadt Georgiens: Tbilisi oder Tiflis, wie man es im deutschen Sprachraum nennt.

Das Casino ist nicht mein Shangri La. Die Stadt Tbilisi kommt dem schon viel näher.

Traumstadt Tbilisi

Ein Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

Der im Deutschen gebräuchliche Name Tiflis kommt entweder aus dem Türkischem oder Persischem, ganz klar ist es nicht. Tatsächlich hieß Tbilisi von 1845 bis 1936 sogar offiziell Tiflis. So falsch liegt man damit also nicht. Im Georgischen bedeutet tbili „warm“ und tbilisi soviel wie „warme Quelle“, was uns direkt zur Legende rund um die Gründung der Stadt führt, in der rund ein Drittel der gesamten georgischen Bevölkerung lebt (ca. 3,7 Mio in ganz Georgien, in Tiflis 1,11 Mio).

Die Legende: König, Falke & Fasan

Der Gründungslegende von Tbilisi zufolge soll der König Wachtang Gorgassali (446-502) dort wo heute die Hauptstadt Georgiens liegt mit seinem Falken nach einem Fasan gejagt haben. Sein Falke als auch der anvisierte Fasan verschwanden jedoch in einer Schlucht. Der König hat sich mit seinem Gefolge auf die Suche nach den beiden begeben und sie schließlich an einer heißen Quelle gefunden. Der beeindruckte König ließ die Quelle untersuchen, erkannte in ihnen eine heilende Kraft und beschloss hier seine Hauptstadt zu bauen.

Tatsächlich sprudeln in Tbilisi schwefelhaltige heiße Quellen, deren Kraft man bis heute in architektonisch eindrucksvollen Badehäusern zu schätzen und nutzen weiß.

Pulsierender Schmelztiegel

Das Bild der Stadt ist unglaublich bunt. Einflüsse verschiedenster Kulturen, Religionen, politischer Strömungen, geschichtlicher Ereignisse und moderner Entwicklungen haben ein unfassbar vielfältiges und doch stimmiges Kunstwerk geschaffen. Tbilisi ist soviel, so vielschichtig, dass es mir schwerfällt es mit mir anderen bekannten Städten zu vergleichen. Es ist Paris, Prag, Delhi, Teheran, Moskau, Istanbul und Berlin gleichermaßen und doch einfach nur Tbilisi. Es braucht keine Vergleiche. Es ist was es ist. Eine unsäglich schöne, vibrierende, heterogene, historische und unglaublich moderne Stadt, ein Schmelztiegel verschiedenster Einflüsse, ein Beispiel dafür wie schön Vielfalt sein kann.

Durch dieses Wunder fließt der Mtkwari, den die Russen Kura nennen, von West nach Ost. Nördlich des Flusses befinden sich die am meisten fotografierten Motive der Stadt. Rechts bzw. südlich des Flusses liegen der Heilige Berg Mtazminda (720m), die alles überblickende Mutter Georgiens Kartlis Deda, eine 20m hohe Statue, die in der rechten Hand ein Schwert gegen Feinde und in der linken eine Trinkschale mit Wein für Gäste hält, die eindrucksvolle omnipräsente Festung Narikala, die für Fußfaule auch per Seilbahn erreichbar ist, und die wirklich unvergesslich schöne Altstadt. Verbunden sind beide Flussseiten unter anderem durch die Friedensbrücke, die augenscheinlich auffällt. Die ultramoderne erst 2009/10 errichtete Brücke steht symbolisch für das für Tiflis typische und so harmonische Hand in Hand des Alten und Neuen. Enge mit Kopfsteinpflaster durchzogene Gassen, die von alten georgischen Häusern mit aufwändigen Holzbalkonen gesäumt sind, jahrhundertealte orthodoxe Kirchen nebst Sowjetbauten und dem neuen kultur- und kunstliebenden modernen Georgien.

Ein Must ist ein Eintauchen in die Kaffeehäuser und Restaurants der Stadt, die eine bunte Kollage aus Graffiti, orientalischem Flair und Vintage-Style sind. Ein überaus sättigender und erfüllender, aber gar nicht notwendiger Augenschaus, ist doch die georgische Küche schon Befriedigung genug. Bei Khachapuri, Chinkali, Lobio, Pchali und Co würde ich auch im düsteren Keller glücklich und froh speisen.

Was ich noch gaaaanz toll an Tbilisi finde: es gibt hier unheimlich viele Katzen. Nach den ganzen hundevollen Städten und Dörfern der vergangenen Jahre ist das wahrer Balsam für die katzenliebende Seele.

Nicht so toll, sondern eher traurig, finde ich, dass es hier eine ziemliches Problem mit Altersarmut gibt und alte bettelnde Menschen leider auch Teil des Stadtbildes sind. Gar nicht aufdringlich. Einfach nur herzzerbrechend.


Interessanteste Info des Tages für mich persönlich

 

Die Frau am 50 Lari-Schein (Lari [GEL] ist die georgische Währung) nennt sich interessanterweise König Tamar. Nein, nicht KönigIN Tamar. Die Georgier sprechen bewusst mit männlichem Monarchstitel von ihr, weil sie ihrer Meinung nach einem König in nichts nachsteht. König Tamar wird von den Georgiern bis heute hoch gepriesen. Ich persönlich finde den Grund für ihre „Vermännlichung“ eine schräge Argumentation und kann dem nicht beipflichten und werde definitiv nicht als König von ihr sprechen, denn auch als Königin kann sie sich sehen lassen: Königin Tamar (geb. 1160, gestorben 1213) war Herrscherin über das mittelalterliche Georgien und führte es im Goldenen Zeitalter auf den Höhepunkt seiner Macht. Tamar modernisierte Politik, Wirtschaft und Kultur. Staatliche Proklamationen wurden nur noch nach Absprache mit dem Adelsparlament Darbasi verkündet. Auf lokaler Ebene schuf sie Gerichte, gegen deren Entscheidungen Widerspruch bei einem Obersten Gerichtshof eingelegt werden konnte. Sie schaffte die Todesstrafe und die Verstümmelung von Straftätern ab, ließ Kirchen und Klöster errichten, unterstützte Wissenschaftler, Dichter und Künstler. Alles in allem definitiv eine tolle und bewundernswerte Frau. (das lass ich jetzt mal fett stehen)

Es gäbe noch so viel zu schreiben. Soviele Eindrücke, so viel dazugelernt. Doch nichts kann den Charme einer Stadt besser vermitteln als Bilder von dort. Also: Scroll dich. Tauch ein. Sei kurz da. Und wenn das nicht reicht. Dann komm!

Altes georgisches Haus mit mediterranen Pflanzen

Der eigenwillige Uhrenturm, der vom hiesigen Marionettenspieler erbaut wurde.

Die Berikaoba-Skulptur ist ein beliebtes Fotomotiv

Graffiti, Graffiti, wohin das Auge blickt. Wunderbar!

 

Der Falke des Königs Wachtang mit erlegtem Fasan aus der Gründungslegende vor den Badehäusern der Stadt.

Auch die ganz kleinen Graffitis haben es mir angetan.

Die engen Gassen der Altstadt sind ein absolutes Must See.

Beliebte Unterkunft junger Backpacker: Fabrika. Gar nicht so billig, aber hipp.

Am Flohmarkt

Nicht Intimissimi-Unterwäsche, nein, die georgische Schrift hat es mir angetan.

Badehaus im iranischen Stil nebst georgischem Haus.

Khachapurito – ähnlich der bekannteren Khachapuri – georgische Flade mit Käse und Gemüse gefüllt.

Georgisch-Orthodoxe Kirche mit prachtvollen Blüten

Das alte Tbilisi – vermutlich um 1900

Ein bissl Georgisch sollte man sich schon merken

Ich mag das Neue auf Altem

Same here

La Opera

Bettelnde Gruppen von Roma sind ebenfalls Teil des Alltags

König Wachtang mit Blick auf die Festung Nakila

Georgier lieben ihren Wein.

Café Leila. Sehr leckeres vegetarisches Restaurant.

Sogar Toiletten sind in Tbilisi einfach nur schön (manche 😉 )

Ich kenne den Piros-Man nicht – vielleicht ist er der georgische Supermann – aber ich mag ihn.

Radfahren in Tbilisi? Warum nicht?

Die alten Badehäuser in der Altstadt sind unbedingt einen Besuch wert.

Kann man von solchen Häusern je genug bekommen?

Phkali. Schwer auszusprechen. Dafür sehr gut auf der Zunge.

Nettes Restaurant in der Altstadt. Café Linville.




Tibetischer Buddhismus einfach erklärt – eigentlich kaum möglich, denn der tibetische Buddhismus ist in vielerlei Hinsicht sehr komplex. Trotzdem wagen wir den Versuch einer einfachen Erklärung. So wie es in den anderen Hauptreligionen unterschiedliche Schulen/Richtungen gibt, gibt es diese auch im Buddhismus – wir kennen den Zen-Buddhismus, der sich vom Buddhismus wie er in Thailand oder Sri Lanka praktiziert wird unterscheidet, und der tibetische Buddhismus ist uns gerade im Westen durch prominente Anhänger wie Richard Gere und natürlich der wichtigsten Leitfigur im tibetischen Buddhismus, SH dem 14. Dalai Lama, bekannt.

Der tibetische Buddhismus: Geschichte, Hintergründe, Schulen

Die Anfänge

Padmasambhava

Padmasambhava

Die Geschichte des tibetischen Buddhismus geht zurück ins 7. Jhdt. in die Zeit des tibetischen Königs Songtsen Gampo, der Tibet vereint und zwei buddhistische Frauen geheiratet hatte – Prinzessin Bhrikuti aus Nepal und die Prinzessin Wen Cheng aus China. Unter ihm begann der Buddhismus in Tibet Fuß zu fassen, auch wenn es zu dieser Zeit nur wenige Buddhisten gab und ihre Tempel schlichten Kapellen ähnelten. Zu dieser Zeit waren die meisten Tibeter Anhänger einer animitisch-schamanistischen Religion bzw. der Bon-Tradition.

Nach Songtsen Gampo hat der König Trisong Detsen den buddhistischen Mönch Shantarakshita und den Yogi Padmasambhava eingeladen, um den Buddhismus zu stärken. Doch es war schwer die Menschen in Tibet davon zu überzeugen der Bon-Religion den Rücken zuzukehren. Auch konnte er aufgrund von spirituellen Hindernissen keine Klöster bauen. Hier kam Padmasambhava ins Spiel, der diese Hindernisse ausgeräumt hat, indem er lokale Dämonen zerstört bzw. sie zum Buddhismus bekehrt hat (so die Legende). Damit legte er auch den Grundstein für die tantrische Tradition im tibetischen Buddhismus: Auch Faktoren unseres Lebens, die scheinbar negativ sind, können uns auf unserer spirituellen Reise vorwärts bringen – sie müssen nicht unterjocht oder zerstört, sondern können in unseren Weg integriert werden.

Praktiken und Glaubensansätze

Obwohl der Buddhismus gemeinhin als Religion bezeichnet wird, wird Buddha weder als Gott noch als übernatürliches Wesen angesehen. Er ist vielmehr eine Person, die es geschafft hat die Wahrheit zu erkennen und damit die Erleuchtung zu erlangen. Unter Erleuchtung versteht man auch kein transzendentes Konzept außerhalb unserer Welt, sondern die Erkenntnis, dass unterhalb unserer Unwissenheit Glückseligkeit zu finden ist.

Die 4 Hauptschulen des tibetischen Buddhismus (mehr dazu weiter unten) betonen die Bedeutung der drei Drehungen des Rades der Lehre. Das Dharma (=die Lehre) bezieht sich auf die Lehre des Buddha, die er nach seiner Erleuchtung weitergegeben hat, während die drei Drehungen sich auf die Phasen der buddhistischen Traditionen im Lauf der Geschichte beziehen. Die erste Drehung bezeichnet man meist als „Hinayana“ oder „kleines Fahrzeug“: In dieser Tradition legt man das Hauptaugenmerk auf die Zähmung des eingenen Geistes. Gerne wird diese Schule auch Theravada genannt und wird vor allem in Burma und Thailand praktiziert. Später hat sich die „Mahayana“-Tradition bzw. das „große Fahrzeug“ entwickelt, die sich mehr auf die Praxis des Mitgefühls, um allen Wesen Nutzen zu bringen, konzentriert. Zen und der tibetische Buddhismus stehen in dieser Tradition.

Das besondere aber am tibetischen Buddhismus ist die dritte Drehung des Rads der Lehre: das “Vajrayana” oder „unzerstörbare Fahrzeug“. Die Lehren des Vajrayana werden nur von einem speziellen Lehrer gelehrt, denn diese Praktiken sind geheim und werden nur jenen Menschen weitergegeben, die entsprechend darauf vorbereitet wurden. Die Vajrayana-Praktiken sind tantrische Lehren und beginnen mit sogenannten „ngondro“-Praktiken, die Niederwerfungen, Mantra-Rezitationen, Mandala-Formationen und Visualisierungen umfassen. Danach folgt „Sadhana“, eine längere Praxis, die noch tiefer in die tantrische Lehre geht. Der tantrische Pfad wird oft als zweckmäßig bezeichnet, weil man in seinen Meditationen auf den herausfordernden Aspekten des Lebens meditiert und sie damit zu einem wichtigen Bestandteil seines spirituellen Wegs zur Erleuchtung macht.

Die 4 Schulen des tibetischen Buddhismus

Nyingma
Natürlich führen alle tibetischen Schulen ihre Wurzeln auf Buddha selbst zurück, trotzdem aber haben alle ihre spezielle Geschichte. Die Schule der Nyingma ist die erste Schule des tibetischen Buddhismus, die von Anhängern von Padmasambhava gegründet wurde. „Nyingma“ kann mit „alt“ übersetzt werden.
Die Nyingma-Schule ist eine Yogi-ähnliche Tradition, die aus losen Strukturen von Lehrern und Anhängern besteht – ganz im Gegensatz zu den monastischen Systemen, die erst später aufgekommen sind. Eine Besonderheit der Nyingma sind die „verborgenen Schätze“ oder „Terma“. Padmasambhava und seine engsten Schüler und Schülerinnen versteckten hunderte von Texten, Ritualgegenständen und Reliquien an geheimen Orten, um die Lehren des Buddhismus vor der Zerstörung durch dem Buddhismus feindlich Gesinnte zu bewahren.

Kagyu
Die Kagyu Schule führt ihren Ursprung zurück auf den indischen Yogi Tilopa (988-1069). Wie viele andere bedeutende Figuren der Kagyu hatte er ein schwieriges Leben, tagsüber stampfte er Sesam zu Öl und abends führte er Freier zur Prositutierten Dharima, die als wichtige Wegbereiterin in seinem Leben gilt. Er war ein glühender Praktizierender, der den Weg zur Erleuchtung fand. Tilopa entwickelte ein Meditationssystem, das als „Mahamudra“ oder „großes Siegel“ bekannt wurde und an seinen Schüler Naropa weitergegeben hat. Marpa, ein schwerer Trinker aus Tibet, kam, um mit Naropa zu studieren und hat die Lehren mit nach Tibet gebracht. Marpa wurde als Großer Übersetzer bekannt, weil er diese Lehren ins Tibetische übersetzt hat. Milarepa, einer der größten Weisen Tibets, war Marpas Schüler.

Sakya
Oft wird der indische Lehrer Virupa als Gründer der Sakya-Schule angeführt, dessen Lehren an den Tibeter Drokmi Lotsawa Shakya Yeshe (992-1072) weitergegeben wurde, als dieser nach Indien reiste. Drokmi Lotsawa gab seine Aufgaben an Khon Konchok Gyalpo weiter, der ein Kloster aus grauer Erde baute. Daher auch der Name der Schule „Sakya“ = „graue Erde“.

Tsongkhapa

Tsongkhapa

Gelug
Die heute bedeutendste Schule ist die neueste Tradition: Die Gelugpas, dessen bedeutendste Persönlichkeit SH der Dalai Lama. Als Gründer der Schule gilt Tsongkhapa, der im 14. Jhdt. das Kloster Ganden in Tibet gegründet hat. Einer der Schüler von Tsongkhapa wurde später der 1. Dalai Lama. Die Gelug-Schule wird auch als „Schule der Tugendhaften“ bezeichnet, weil sie sehr strenge Regeln haben und die Mönchsdisziplin und das Zölibat hervorheben. Tsongkhapa fasste die Mahayana-Lehren der Philosophen Nagarjuna, Asanga und Dignaga in seinem Werk Lam-rin chen-mo („Große Darlegung des Stufenwegs“) zusammen. Der „Lamrim-Stufenweg zur Erleuchtung“ ist bis auf den heutigen Tag die Grundlage des von den Gelugpa gelehrten Erleuchtungsweges.

 

Verbreitung

Der tibetische Buddhismus wird heute in Indien in Ladakh, Sikkim, Himachal Pradesh, Arunachal Pradesh und in Regionen der Exilgemeinschaften in Indien (bspw. Karnataka, Bihar, Orissa, Asssam), Bhutan, Nepal und Tibet praktiziert. Bis auf Nepal und Tibet führen wir überallhin auch Reisen durch, gerne auch mit Fokus auf tibetischen Buddhismus.




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Firmen haben keine Gesichter, kein Leben. Sie haben ein Logo, Produkte/Dienstleistungen und Geschäftsbedingungen. Kurzum: Sie erscheinen leblos und künstlich. Doch was sich dahinter abspielt ist durchaus menschlich. Ich will euch die Geschichte hinter Gesar Travel erzählen. Zwei Menschen stehen dabei am Beginn: Daniela & Tashi.

Von Daniela Luschin-Wangail

 

Es war einmal, vor langer langer Zeit ein Mädchen aus Österreich, das auszog, um für seine Diplomarbeit zu forschen. Das Mädchen war ich mit 24 Jahren, Studentin der Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien. Ich habe mir vorgenommen eine Diplomarbeit über die jungen Menschen in Ladakh zu schreiben. Darüber was sie von der Ehe halten, was sich im Vergleich zu ihrer Elterngeneration geändert hat. Dass das Thema Liebe und Ehe mich ganz plötzlich auch persönlich sehr beschäftigen würde, war mir zu Beginn nicht bewusst.

Doch schon während des ersten Flugs nach Ladakh und dem Blick hinunter in die karge Hochgebirgswüste Ladakhs mit nur einigen, wenigen grünen Flecken, die Zeugen dafür waren, dass hier doch Menschen leben konnten, befiel mich das seltsame Gefühl, dass dies meine zweite Heimat werden würde. Erklären konnte ich es mir damals nicht.

Das Schicksal hieß mich Postbotin spielen, denn ich sollte für jemanden aus Österreich ein Paket überbringen. Empfänger war der Mann, der mein Leben von Grund auf ändern sollte. Er war nicht groß, aber gut aussehend. Tashi gefiel mir vom ersten Moment an, doch die Alarmglocken läuteten wie verrückt, denn er war nicht nur gut aussehend, sondern auch Guide. Und wie die Schilehrer in Österreich, haben viele Guides in Ladakh den Ruf Gigolos und Herzensbrecher zu sein. Und darauf hatte ich nun wirklich keine Lust. Also Abstand halten, auch wenn er sehr charmant war und mir mit jedem Lächeln ein klein wenig mehr von meinem Herzen stahl.

Langsam aber begann die Mauer zu bröckeln und irgendwann und – wo wurde daraus Liebe.

 

Erst Hürden, dann die Hochzeitsglocken

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Die Hochzeit in England

Jeder, der schon einmal in einer Beziehung war, weiß, dass nach der ersten großen Phase der Verliebtheit, die Beziehungsarbeit beginnt. Auch Tashi und ich hatten einige Hürden zu bewältigen. Die größte für uns beide war die der unterschiedlichen Herkunft. Was für Paare mit dem selben kulturellen Hintergrund meist selbstverständlich ist, mussten wir uns erkämpfen und ausdiskutieren. Aber irgendwann war das meiste nach mehreren Kompromissen und dem beiderseitigem Erhöhen der Toleranzgrenze auch erledigt.

Es folgten Jahre in denen ich die Sommermonate in Ladakh und Tashi die Winter in Österreich verbrachte. Erst vier Jahre nach unserem Kennenlernen fand die Hochzeit statt. Wir wollten nichts überstürzen. Wir heirateten 2005 in England. Die Versuche in Österreich und Indien – beide Länder hervorragende Bürokraten mit einem Hang dazu, Dokumente zu verlangen, die im jeweils anderem Land nicht existent sind – sind kläglich gescheitert.

Und ich hatte den Entschluss gefasst mit ihm nach Ladakh zu ziehen. Meinen Job gekündigt, meine Wohnung aufgegeben, alles verkauft und verschenkt, mein Konto aufgelöst.

Unsere erste gemeinsame Wohnung in Ladakh hatte ganz traditionell die Toilette draussen, kein fließendes Wasser – das mussten wir immer morgens an der Straße bei einer öffentlichen Wasserleitung holen – und kaum Strom. In kalten Winternächten war jeder Toilettengang und tagsüber jede (Eimer-)Dusche in den unbeheizten Räumen sehr gut überlegt und unabwendbar. Auch das Wäschewaschen (per Hand selbstverständlich) war eine Herausforderung für sich 😉

Seine Familie nahm mich übrigens von Anfang an mit offenen Herzen und Armen auf. Ich musste mir keine Anerkennung, eher das Gegenteil davon, erkämpfen. Denn ich wurde wie eine Prinzessin behandelt. Immer einen Polster griffbereit, dass ich gut sitze. Und sitzen sollte ich, denn arbeiten wollte mich anfangs auch niemand lassen.

 

Die Geburt von Gesar Travel und 1, 2, 3 kleinen Tashis

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Tashi und Daniela vor dem Gesar Travel Büro im Jahr 2005

Schon 2004 hatte Tashi seinen Job als Guide an den Nägel gehängt und sich seinen Traum vom eigenen Reisebüro erfüllt. Von Beginn an hatte ich ihn dabei unterstützt und mit dem Umzug nach Ladakh 2005 auch aktiv mitgearbeitet. Ahnung vom Reisegeschäft hatte ich damals keines. Doch dank Tashis jahrelanger Erfahrungen im Feld als Reiseleiter und meinen Basiskenntnissen im Büromanagment (Handelsakademie sei Dank!) haben wir es geschaft aus dem Nichts eine erfolgreiche Agentur zu schaffen. Damals wie heute ist uns der enge Kontakt zu unseren Gästen sehr wichtig. Mit einigen von damals haben wir noch heute Kontakt.

 

Zum Namen Gesar
Der Name Gesar erinnert an Tashis Großvater, der gerne die großen Geschichten rund um den mythischen Helden Gesar erzählt und gesungen hat. König Gesar ist ein in ganz Zentralasien bis in die Mongolei weit verbreiteter Mythos. Bis heute erzählt man sich besonders an kalten Winterabenden die abenteuerlichen Geschichten rund um Riesen, Götter und Dämonen (meist in gesungener Form).

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Die Wangails: Luis, Tashi, Emil, Daniela & Elvis

2007 erblickte unser erster Sohn Elvis – Ladakhi-Name Konchok Gyaltsen – in Delhi das Licht der Welt. Und mit dem Gedeihen von Tashi Junior wuchs in mir die Sehnsucht nach meiner Heimat. Nach der Saison 2007 zog ich mit Elvis zurück nach Österreich, während Tashi hin und her pendelte. 2011 dann der nächste Sohn: Luis Thayas, geboren mit einem kleinen Extra-Chromosom (Down-Syndrom). Und 2015 der jüngste Nachwuchs, der unsere ladakhi-österreichische Familie komplettierte. Emil Khenrab. Weiterhin verbringen wir die Sommermonate in Ladakh und so wie zu Beginn kümmern wir uns während der Sommermonate um unsere Ladakh-Gäste persönlich.

 

… und nach den Jahren in Österreich ist die Sehnsucht nach Ladakh gestiegen und wer weiß, vielleicht wagen wir auch wieder den Schritt ganz zurück nach Indien 🙂

Ein Blick in unsere private Galerie aus den Anfangsjahren

(die Qualität ist von einigen Bildern allerdings nicht so toll)