Bevor ich erzähle warum ich Kirgistan empfehlen kann, liste ich hier mal Gründe für all jene auf, die lieber nicht in dieses Land in Zentralasien reisen sollten.

 

Du solltest lieber nicht nach Kirgistan reisen:

1) wenn du den Komfort eines protzigen 5*-Hotels mit allem Pipapo einer einfachen Jurte ohne fließend Wasser und Plumpsklo vorziehst

Jurten im Aufbau mit Freilicht-Badezimmer

2) wenn du vegan oder vegetarisch lebst, dir bei der Vorstellung Fleisch vom Pferd angefangen bis zum Hammel vorgesetzt zu bekommen übel wird und du kulinarischem Neuland gegenüber generell abgeneigt bist

Fleisch und Wurst von allen möglichen Tieren, am liebsten 3x am Tag, ja, das lieben die Kirgisen.

3) wenn dir jedes Risiko Kopfschmerzen vorursacht und Abenteuerlust ein Fremdwort für dich ist

Passieren kann schnell mal etwas in einem Land, in dem die Infrastruktur – wie zB Straßen – nur streckenweise gut ausgebaut ist. Da muss man schon eine Portion Abenteuerlust mitbringen.

4) wenn du von holprigen Straßen Rückenschmerzen bekommst und/oder dir bei Autofahrten übel wird

5) wenn du für ein striktes Alkoholverbot bist

Obwohl die meisten Kirgisen Muslime sind, ist Alkohol, insbesondere Wodka und die leicht alkoholhältige fermentierte Stutenmilch (Kymyz), ihr erklärtes Lieblingsgetränk.

6) wenn du historische Prunkbauten aus dem 19. Jahrhundert über alles liebst und die oft sehr kühle Einfachheit kommunistischer Architektur absolut häßlich findest

Nicht jedem liegt die oft etwas trist anmutende kommunistische Architektur, die nur langsam durch modernere Gebäude ersetzt wird (die man auch nicht unbedingt schön finden muss)

7) wenn du Angst vor menschenleeren Naturlandschaften hast

… und immer wieder komplett leere Landschaften

8) wenn du eine Pferdehaarallergie hast oder dir die Vierbeiner Angst machen. Sie sind überall.

Selbst auf der Straße ist man immer wieder von Pferden umgeben.

9) wenn du ein Hygiene-Freak bist. Das heißt jetzt nicht, dass die Kirgisen nicht Wert auf Sauberkeit legen, aber teilweise liegt der Standard bspw. in öffentlichen Toiletten oder auch in Restaurant-Toiletten weit unter dem was man im Westen kennt.

10) wenn du es immer schön tropisch warm magst und dir abrupte Temperaturwechsel gar nicht gefallen

Während es in niedrigeren Tälern im Sommer sehr heiß werden kann, kann es bspw. am Song Kul (See) auf 3.000m Höhe auch im Juli und August empfindlich kalt sein.

Treffen hier mehrere Punkte für dich absolut zu, lass es sein. Konntest du mehr oder fast alle Bedingungen verneinen, dann wird auch Kirgistan für dich ein Traumland sein.

 

Warum ich Kirgistan als Reiseland empfehlen kann

Jetzt könnte ich die Punkte, die ich oben angeführt habe, einfach umkehren, mach ich aber nicht ganz und verrat dir einfach und frei von der Leber was Kirgistian für mich so besonders macht:

1. Die nomadische Kultur

Wenngleich die meisten Kirgisten inzwischen mehr Halbnomaden oder Hirten mit nur zweimaljährlichen Ortswechseln sind, so sind sie in ihrem Herzen doch größtenteils richtige Nomaden geblieben: sie sind überaus gastfreundlich und hilfsbereit, sie lieben ihre Freiheit über alles, sie haben kein Problem mit der Einfachheit, die das Nomadenleben mit sich bringt (wer in Jurten oder Waggons lebt, muss mit weniger auskommen), sie spüren eine tiefe Verbundheit mit der Natur und reiten ihre Pferde wie es einst wohl der stolze Dschingis Khan getan hat.

Die Kirgisen sind wie alle nomadischen Kulturen überaus gastfreundlich

2. Die Landschaften

Kirgistan hat nur eine geringe Bevölkerungsdichte, ist es doch zu weiten Teilen einfach nur gebirgig. Somit ergeben sich weite Landstriche, die kaum bewohnt sind. Hier fällt es einem besonders leicht wieder eine Verbindung zur Natur zu finden und sich wieder an seiner Wurzel zu spüren, besonders wenn man die restliche Zeit in großen Städten leben muss. Gleichzeitig kann Kirgistans Natur so ziemlich alles, es gibt schweizerisch anmutende Alpinlandschaften, trocken-karge Hochgebirgswüsten, schneebedeckte Bergriesen, mediterrane Gegenden, die an die italienische Toskana erinnern, an denen man aber die Weinanbauflächen vermisst und Seen und Flußlandschaften, mal klein, mal groß, mal eisig kalt, mal badefreundlich warm.

Surreal schöne Flußlandschaft am aufgestauten Naryn-Fluß

3. Wanderbares Kirgistan

Klar, wenn eine Landschaft größtenteils aus Gebirge besteht, liegt es nahe, dass man dort auch auf seine Kosten kommt, wenn man gerne zu Fuß unterwegs ist. Das Wunderbare an Kirgistan ist aber auch die Tatsache, dass das Wandern abseits der zwei größeren Trekkingrouten auch noch ganz wenige TouristInnen für sich entdeckt haben und damit ist man oft tagelang alleine unterwegs und trifft maximal auf Hirten, ihre Herden und die Tiere der Bergwelt Kirgistans.

Auch wenn es hier ganz nach Österreich oder der Schweiz aussieht, das ist auch Kirgistan.

4. Kommunistisches Flair und Ruinenatmosphäre

Ja, es liegt nicht jedem, aber ich persönlich interessiere mich sehr für die Geschichte der Sowjetunion. Nicht, weil ich kommunistisch bin, einfach weil ich das Leben in der Sowjetunion, deren Visionen, Pläne und alle Konsequenzen, die die Menschen daraus ziehen mussten, total spannend finde. Nicht weniger spannend natürlich auch, wie dieser Wechsel vom Kommunismus zur freien Marktwirtschaft die Menschen und ihre Kultur verändert hat. Ich mag auch das Nebeneinander der alten kommunistischen Bauten und modernen meist schnell hochgezogenen Betongebäude. Und als Fan von Ruinen komme ich in Kirgistan auch ganz gut auf meine Kosten, denn nicht mehr genutzte Bauten findet man allerorts. Meist sind diese auch nicht abgesperrt und man kann diese ganz gut erkunden.

Am alten Hafengelände von Balyktschy am Issy Kul rosten Kräne und Boote aus der Sowjetzeit langsam vor sich hin.

5. Tourismus als Hoffnung

Kirgistan ist eines der ärmsten Stan-Länder (neben Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan), weil es kaum über eine nennenswerte Industrie oder große Rohstoffvorkommen verfügt. Der Großteil der Bevölkerung lebt von der Viehwirtschaft. Als Kirgistan noch Teil der Sowjetunion war, wurden große Mengen an Fleisch und Milchprodukte exportiert, doch mit dem Fall der Sowjetunion ist die Nachfrage danach gesunken und Kirgistan setzt seitdem verstärkt auf den Tourismus als große Chance. Bei aller Kritik am Tourismus, ist es gerade für ein wirtschaftlich schwaches Land wie Kirgistan eine großartige Möglichkeit sich hier aus der wirtschaftlichen Misere zu befreien, besonders wenn man sich auf nachhaltigen und fairen Tourismus konzentriert. Damit darf man auch guten Gewissens in dieses tolle Land reisen.

Die Viehwirtschaft ist der wichtigste Pfeiler der kirgisischen Wirtschaft. Noch.

6. Es gibt viel zu tun: Reiten, Wandern, Bergsteigen, Rafting, Schwimmen … Kökbörü

Langweilig wird einem nicht so schnell in Kirgistan. Es gibt nämlich viel zu tun. Wo Berge sind, kann gewandert werden, den einen oder anderen kann man auch besteigen, viele Flüße eignen sich zum Raften oder Kanu fahren, der angenehm warme und größte See Kirgistans, der Issyk Kul, ist ein wunderbarer Badesee und die unzähligen Pferde laden ein auf ihrem Rücken das Land zu erkunden. Wem das alles noch zu langweilig ist, der kann auch mit toten Ziegen den Nationalsport Kökbörü spielen. Lies hierzu einen eigenen Blogbeitrag.

Beim Kökbörü, einer Pferdesportart bei der man mit einer toten Ziege spielt

7. Ein Land großer Geschichten und starker Frauen und Männer

Die Kirgisen sind große Geschichtenerzähler, sie lieben ihre Legenden und kaum ein Ort, der nicht von Helden und HeldInnen erzählt, die auf mehr oder minder mystische Weise Kirgistan und seine Menschen geformt haben. Der Nationalheld Mannas ist omnipräsent, kaum ein Ort der keine Statue des historisch nicht belegten Mannes hat, der die kirgisischen Stämme einst geeint haben soll. Ihm zu Ehren ist das weltweit längste Epos entstanden, das über Jahrhunderte mündich überliefert und erst kürzlich verschriftlich wurde. Dein Guide kann dir aber nicht nur Geschichten aus dem Leben des Nationalhelden, sondern auch viele andere – oft verbunden mit dem vorislamischen animistischem Naturglauben – erzählen. Frag ihn einfach danach.

Kotschumgul ist ein weiterer Held der Kirgisen, er soll über 2m groß gewesen sein und war imstande sogar sein eigenes Pferd zu tragen.

Diese und viele andere Gründe sind es, warum ich Kirgistan zu den größten Reiseerlebnissen unserer Zeit zähle. Wenn du nun Lust darauf bekommen hast es zu entdecken, schreib mir einfach, ich verrate dir gerne mehr oder bastle mit dir an deinem Reiseplan für Kirgistan: daniela@gesar-travel.com




Jahrelang bin ich im festen Glauben aufgewachsen, man dürfte nicht mit Essen spielen. Das ziemt sich nicht. „Mit Essen spielt man nicht!“, hallt es echogleich von Ohr zu Ohr in meinem Kopf, wenn ich an diese Unart aus Kindertagen denke. Dabei kann Spielen mit Essen durchaus sinnvoll, und ein richtig brutaler Umgang damit sogar notwendig sein, durfte ich auf meiner Reise durch Kirgistan lernen und mein Weltbild hat sich nach mehr als 40 Lebensjahren nochmals um 180 Grad gewendet.  

 

Träumerisch verfolge ich das schimmernde Türkis des Naryn-Flusses und weiß noch nicht, wie bald ich aus dieser Idylle gerissen werde.

In Kirgistan spielt man mit Essen

Eigentlich bin ich ganz in die vorbeifliegenden Landschaftsbilder – den türkisen Naryn, die rosa und lila blühenden Tamarisken, die Schafherden, die mähend über die Berghänge ziehen – versunken als mich eine gröhlende Männerschar auf Staub aufwirbelnden Pferden mit kirgisischer Gewalt aus meinen baumwollbauschigen Träumen reißt.

Kökbörü wird mit einer toten Ziege gespielt, die der Kirgise vorne rechts im Bild bei sich hat

Was die da treiben mitten am helllichten Tag im Nichts?, will ich natürlich neugierig wissen. Sie spielen Kökbörü. Davon hatte ich schon gehört und auf meiner letzten Kirgistanreise eifrig die Aussprache des Zungenbrechers geübt, nur zu sehen bekommen hatte ich damals leider kein einziges Spiel. Hurra! Endlich war es soweit und ich darf endlich grunzenden testosteronschwangeren Männern dabei zusehen wie sie eine tote Ziege kämpften. Auf einem Pferd sitzend natürlich. Denn nur da fühlt sich ein Kirgise wirklich wohl. Was dem feinen Briten Polo ist, ist dem wilden Kirgisen das Kökbörü. So ähnlich sieht das Spiel auch für mich aus. Die Ziege ersetzt den Ball und zwei Teams spielen darum es ins gegnerische Tor zu bringen. Das Tor besteht aus einem Haufen, meist befestigt mit Autoreifen und da drauf hat man den angekohlten Ziegenkadaver zu werfen. Das erfordert einiges an Reitkünsten und auch Kraft, denn so ein totes Ziegentier kann schon mal 50kg auf die Waage bringen. Für einen Kirgisen ist das allerdings ein Klacks.

Das stolze Siegerteam des heutigen Turniers

Wie kommt man nur auf die Idee mit einer toten Ziege Polo zu spielen?, frage ich erneut neugierig die rein männliche Zuschauerschar. Tja, Ziegenfleisch ist zäh und die Kirgisen mögen es aber lieber weich. Also muss es geklopft werden. Und das ziemlich lange. Weil das aber anstrengend ist, haben die Männer einfach beschlossen damit zu spielen, es durch die Gegend zu werfen, ziehen und zerren und ein Spiel daraus zu machen. Das ist Spiel, Spaß und Überraschung in einem. Kökbörü ist das kirgisische Überraschungsei. Ahhh! Nur gewinnen muss man sie auch, denn nur das Gewinnerteam darf die perfekt weichgeschlagene Ziege mit nach Hause nehmen und verspeisen.

Ein stolzer Kirgise im Kirgistan-T-Shirt beim kirgisischen Nationalsport

Angeblich gibt es Bemühungen internationaler Organisation, das Spiel in dieser Form verbieten zu lassen, weil es wohl pietätslos wäre mit einer Tierleiche zu spielen. Trotzdem ich tierlieb bin und dem Umgang mit Tieren gerne zeigefingerhochhaltend beklage entzieht sich mir dieser etwas scheinheilige Moralausstoß. Die Kökbörü-Ziege wird nicht in Massentierhaltung großgezogen, kilometerweit in engen LKWs transportiert und in automatisierten Tötungsfabriken geschlachtet bevor man sie ins Spiel wirft. Das Schnitzel, das bei den meisten auf europäischen Tellern liegt, schon.

So wirklich international ist das Spiel nicht. ;-)

Am Ende des Spieles bitten die Spieler, die Gewinner als auch die Verlierer, darum abgelichtet zu werden. Sehr gerne! Stolz wird posiert und Bizeps präsentiert. Es folgt ein Gebet und die Gewinner ziehen stolz mit einer Geldsumme, gesponsert von einem studiertem Dorfbewohner und der perfekt geklopften Ziege von dannen, um sie zu Hause – vermutlich mit ein paar Gläschen Wodka – zu verzehren.

Nach dem Spiel gibt es selbstverständlich auch eine Ansprache. Darin sind die Kirgisen gut.

Und ich versinke wieder im Landschaftskino und freu mich endlich die stolzen Kirgisen bei ihrem seltsam anmutendem Spiel mit dem Essen beobachtet haben zu dürfen.

PS: Sobald es eine bessere Internetverbindung gibt – vermutlich erst wieder zurück in Österreich, wird an dieser Stelle auch ein Video vom Spiel gepostet.

… und auch ein Gebet




Kirgistan ist unbestritten ein Land mit vielen Gesichtern, mit unterschiedlichsten Klimazonen von schweißtreibend heiß bis bibbernd kalt, weiten grünen Ebenen mit weißen Schafpunkten und Bergen so hoch, dass man die Stratosphäre fast berühren kann, doch Paris und Tibet hätte ich hier trotz allem nicht erwartet. Ich wurde eines Besseren belehrt. Aber so soll es ja auf Reisen auch sein.

An einer Weggabelung im Suusamyr-Tal – links geht es zum Song-Kul, rechts nach Paris und weiter nach Osh. Wir entscheiden uns für den rechten Weg. Bald aber geht es auch nach links.

 

Von Bishkek über Paris bis nach Tibet

Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

Genug Großstadt. Wer Kirgistan entdecken will, muss hinaus aufs Land. Bishkek ist ein schönes Beispiel dafür, dass eine Großstadt nahezu heimelig sein kann, doch dafür reist man nicht in den zentralasiatischen Staat, der zum Großteil aus Bergen besteht. Neun Uhr Abfahrt, es gilt zwei Pässe zu bewältigen, um schließlich über das Suusamyr-Tal nach Toktogul zu kommen. Schon kurz nach Bishkek kommen wir auf die Passstraße nach Osh, auf der sogar Maut kassiert wird, was überraschend ist, da man auf einer Mautstraße nicht unzählige Pferdeherden vermutet, die ebenfalls nach oben ziehen. Nachdem ich mich gefragt habe, ob Pferde hier auch Maut zahlen müssen, diese Frage jedoch nur mit einem kurzen Auflacher beantwortet wurde, hab ich zumindest eine essentielle Regel des kirgisischen Verkehrsrechts erfahren:

Pferde haben Vorfahrt

So stellt man sich den Verkehr auf Mautstraßen eher nicht vor. In Kirgistan ist das keine Besonderheit.

So tuckert man minder schnell bis auf 3.200m hinter äpfelproduzierenden Rössern her und kommt schließlich an einen Tunnel, der unterhalb des eigentlichen Too-Ashu-Pass auf 3.800m durch den Berg auf die andere Seite führt. Der Tunnel ist so eng, dass man bei entgegenkommenden Lastkraftwägen kurzfristig letzte Stoßgebete gen Himmel schickt, weil man nicht sicher ist, dass man das Licht am Ende des Tunnels je zu Gesicht bekommen wird. Die Pferde, die wir zwischenzeitlich, trotz aller Prioritätsregeln überholt haben, haben übrigens auch im Tunnelverkehr Vorrang. Wenn Pferde durchtraben wollen, wird der Autoverkehr auf beiden Seiten gestoppt.

Unterwegs halten wir bei einer netten kirgisischen Frau, die einen ausrangierten Waggon zur Gaststätte umfunktioniert hat und müde Fahrer verköstigt.

Paris liegt am Suusamyr

Auf der anderen Seite des knapp drei Kilometer langen Tunnels blickt man bereits hinab ins breite Tal des Suusamyr-Flusses und genau dort unten liegt Paris, erklärt Rakhat, unser Partner für Reisen nach Kirgistan, und dort werden wir zu Mittag essen. Ja, wo sonst würde man kulinarisch voll auf seine Kosten kommen als in Paris? Fein. Ich freue mich hungrig auf die damit in Aussicht gestellten Delikatessen. Anstatt des Eiffelturms und den Überresten des Notre Dame erwarten mich jedoch Jurten, ausrangierte Waggons, die zu Restaurants umfunktioniert wurden und mehr oder minder schäbige Raststätten. Fernfahrer, die anno dazumal über Stunden durch leere Landschaften gefahren sind, haben diesen unwirtlichen Rastplatz tatsächlich Paris genannt, weil er ihnen nach elendslangen Fahrten und knurrenden Mägen erhoffter zivilisierter Lichtblick war. Das Essen in einem der minder schäbigen Restaurants ist tatsächlich schmackhaft, die Toiletten dahinter eher weniger. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Das ist Paris. Und selbstverständlich gibt es hier auch Käse. Keinen französischen. Kirgisischen Hartkäse.

Nach einem weiteren Pass und einer teilweise verschlafenen Fahrt durch ein enges Tal, in dem auch Rafting betrieben wird, kommen wir schließlich nach Toktogul, nach dem auch der dahinterliegende Stausee benannt ist, der pittoresk inmitten kleinerer Berge liegt. Die Wasserkraftwerke am Naryn produzieren nahezu den gesamten Strombedarf des Landes und man exportiert sogar noch Strom in benachbarte Länder. Ob der Strombedarf in Kirgistan generell sehr niedrig oder die Leistung des Wasserkraftwerks einfach gigantisch ist, konnte nicht vollends geklärt werden. Vermutlich ist es eine Kombination aus beiden Faktoren.

Am Eingang zum Vergnügungspark von Toktogul.

In Toktogul gibt es neben einem in die Jahre gekommenen Vergnügungspark mit einem verrosteten Riesenrad und einem Stadium, das zu Ehren der Olympischen Spiele 1980 erbaut wurde, nicht viel Spannendes, aber Tibet. Tibet liegt mitten in Toktogul, gut zu erreichen an einer großzügig ausgebauten Straße, gleich neben dem Taxistand: Ein prachtvolles Restaurant mit bunten Kindermetallschaukeln im Vorgarten, einer Halle mit einem Billardtisch, der zu einem Esstisch umfunktioniert wurde und einer leeren Tanzfläche auf der man zur Panflötenmusik tanzen könnte, wenn man denn nur wollte. Passend zum Namen finden sich auch noch Bilder mit Pyramiden, Pharaonen und Alpakas aus Cusco an den Wänden. Das Essen liegt schwer im Magen, weil sich das bestellte Gericht mit Rindfleisch – ohne Fleisch gab es außer Salat natürlich nichts – als triefend fette Hammelfleischspezialität entpuppt. Aber eines weiß ich schon seit meiner ersten Kirgistan-Reise: Wodka heilt alles. Und schon kippe ich prophylaktisch ein Stamperl des Gesöffs, dass die Russen mit dem Kommunismus gebracht haben und als Allheilmittel für alles gilt, damit mein Magen desinfiziert und die Reise morgen ungehindert weiter gehen kann.

Das eigenwillige Ethno-Restaurant Tibet ist beliebter Veranstaltungsort für Hochzeiten und andere Familienfeste.

Und noch ein paar Impressionen vom gestrigen Tag




Zu Besuch bei einer Familie in Bhutan

Von Ulrike Čokl

Originaltext auf englisch von Ulrike Čokl / Übersetzt von Daniela Luschin-Wangail
Ulli hat alles in allem mehrere Jahre in Bhutan gelebt. Sie hat dort als Ethnologin über traditionelle Praktiken der Gastfreundschaft geforscht. Daher ist sie eine Expertin für das Leben in dörflichen Strukturen in ganz Bhutan. Mit und für Gesar Travel arbeitet sie individuelle und spezielle Reiseprogramme aus, in denen ganz besondere Einblicke in die reiche Kultur Bhutans gewährt werden.

Foto: Marina Beck Photography

Das Gewicht des Verdienstes, der sich aus dem Zufriedenstellen eines Gastes ergbit, kann nicht von einem Pferd getragen werden. 
(Sprichwort aus Bhutan)

“Komm rein, komm rein!” So ruft man mich normal in ein Haus am Land in Bhutan. Je nach dem, wo ich gerade bin, bekomme ich als Willkommenstrunk einen ara (lokales alkoholisches Getränk) oder einen Tee mit ein paar Snacks. Meistens wird dann auch gleich eine Mahlzeit zubereitet, oder sie zumindest angeboten. Der Empfang, donglen, und die Art wie man mit Gästen umgeht, goemgi shongzhag, hängen davon ab welcher Typ von Gast man ist. Es gibt offizielle Besuche und Gäste von hohem Rang, als auch spontane Besuche von Nachbarn. In allen Fällen müssen die Gastgeber großzügig und mitfühlend sein. Die Etikette betreffend gibt es aber Unterschiede, je nachdem wie nah man dem Gast ist. Lamas und Beamte hohen Rangs beispielsweise werden oft zum am Weg mit dem Willkommenstrunk ara und Snacks begrüßt. Manchmal wird diese Empfangszeremonie sogar von Trompetenklängen begleitet. Man bringt sie dann direkt in den choesham (Altarraum) und heißt die hohen Gäste auf weichen Matten Platz zu nehmen.

Aber eigentlich möchte ich davon erzählen, wie du als ausländischer Gast empfangen und behandelt wirst, damit du einen Einblick in die bhutanische Gastfreundschaft bekommst.

Ara – der Willkommenstrunk. Foto: Wulff Hoerbe

Essen in einem bhutanischen Zuhause

Wenn du zu einem bhutanischen Haus am Land kommst, wird dein Guide an der Haustür nach der nangi aum (Hausfrau) rufen, oder, falls er die Familie bereits im Vorfeld kontaktiert hat, werden sie dich bereits draußen empfangen. Normalerweise bitten wir die Gastgeber unsere Gäste in der Küche zu bewirten, weil es dort viel spannender ist zu sehen, was in einer bhutanischen Familie passiert. Außerdem ist es üblicherweise der wärmste Raum im Haus, weil dort ja auch meistens am Lehm- oder Metallofen gekocht wird. In traditionellen Häusern gibt es weder Sessel noch Tische. Du sitzt also auf Teppichen oder dünnen Pölstern. Reichere Familien haben häufig eigene Räume mit Sofas und niedrigen Tischen, um ihre Gäste unterzubringen. Wir finden aber, dass es viel netter und interessanter für unsere Gäste ist in der Küche zu sitzen, wo immer etwas los ist, wo das Essen zubereitet wird und anderes passiert. Unsere Guides sind angehalten die Familienmitglieder mit Namen vorzustellen, weil das sonst in Bhutan nicht üblich ist. Sollte dein Gast vergessen dir die Familie vorzustellen, erinnere ihn ruhig daran. Beim Sitzen musst du dir keine Sorgen machen, wenn du nicht mit überkreuzten Beinen sitzen kannst. Frag deinen Guide in dem Fall in welche Richtung du die Beine ausstrecken kannst ohne jemanden zu beleidigen. Das Ausstrecken der Beine in Richtung von Menschen oder religiösen Räumen/Statuen ist nämlich verpönt. Die Bhutaner sind aber auch sehr verständnisvoll und wissen, dass es für Ausländer oft schwierig ist in der ihnen üblichen Position am Boden zu sitzen. Es ist ihnen vor allem wichtig, dass du dich wohl fühlst und Mitgefühl geht immer vor. Wann immer du nicht sicher bist, wie du dich verhalten sollst, frag deinen Guide!

Vor deiner Ankunft in einem bhutanischen Zuhause hat dein Guide bereits ein Gastgeschenk, chom, besorgt. Das ist Teil der Tradition in Bhutan und hängt von der Jahreszeit und der besuchten Region ab und kann Öl, Zucker, Salz, Kekse, Gemüse, Kerzen, Fleisch, Räucherstäbchen oder Öl für Butterlampen sein. Natürlich kannst auch du ein Geschenk aus deinem Heimatland mitbringen. Darüber freuen sich die Gastgeber besonders. Aber Achtung: Gastgeschenke dürfen nicht an der Türschwelle übergeben werden. Das würde als schlechtes Omen gesehen werden. Warte bis du sitzt und ara oder Tee bekommen hast, bevor du dein Geschenk übergibst. Meistens wird die Familie das Geschenk ungeöffnet weglegen und nicht viel Interesse zeigen, weil ein anderes Verhalten als unbescheiden gewertet werden würde. Wer auf ein Geschenk zu aufgeregt reagiert gilt als gierig. Allerdings ändern sich diese Regeln auch langsam. Wenn deine Gastgeber aber nicht auf den ersten Blick über das Geschenk glücklich scheinen, mach dir keine Gedanken. Sobald du weg bist, werden sie sich mit viel Neugierde an deinem Geschenk freuen.

Wenn das Essen serviert wird, wirst du vermutlich überrascht sein. Es wird dir eine Vielzahl an verschiedenen Gerichten und von allen sehr viel serviert. Die Gastgeber aber werden nicht mit dir essen. Das hat aber nichts damit zu tun, dass sich die Gastgeber dir unterwerfen oder sich minderwertig fühlen, wie es vielen ausländischen Gästen erscheint. Vielmehr ist es ein Bestandteil der bhutanischen Etikette und eine Vorstellung von Höflichkeit. Also fühl dich deswegen nicht schlecht oder komisch. Du kannst ja vorschlagen, dass sie am nächsten Tag mit dir gemeinsam essen, solltest du über Nacht bleiben. In Bhutan isst man mit den Händen. Also darfst du ruhig auch das Besteck weglassen und dich in bhutanischem Essverhalten versuchen.

Es ist ein wichtiger Bestandteil der bhutanischen Gastfreundschaft den Gast anzuhalten mehr zu essen. Allerdings haben inzwischen viele Homestays gemerkt, dass die meisten Ausländer nicht so viel wie Einheimische essen können, besonders wenn es um Reis und Chilli geht.  Trotzdem kann es sein, dass sie dir wiederholt anbieten deinen Teller und deine Tasse nachzufüllen. Je mehr du isst, desto glücklicher werden deine Gastgeber sein. Sie werden es aber auch verstehen, wenn du nicht so viel schaffst. Meine persönliche Empfehlung: Beim ersten Mal weniger nehmen und dafür das Nachreichen akzeptieren. Das macht die Gastgeber glücklich.  Bei den Getränken sind 1-2 Nachfüllungen ein Muss. Falls dir das zuviel ist, trink einfach nicht alles aus. Man wird dir schon nach ein wenig sippen die Tasse nachfüllen.

Nach der Beendigung der Mahlzeit haben viele den Drang aufzustehen und beim Abwasch zu helfen. Tu es nicht! Die Familie würde sich seltsam fühlen und es ist unangebracht, dass sich Gäste, nachdem sie gerade erst angekommen sind, bei der Hausarbeit einbringen. Beim Guide und Fahrer ist das etwas anderes. Sie sind der Familie üblicherweise nicht unbekannt. Wenn du ein oder zwei Nächte bei der Familie verbracht hast wird alles etwas lockerer gesehen. Nur beim ersten Essen einfach mal locker lassen!

Während man in Europa nach dem Essen meist entspannt und weiter trinkt und miteinander plaudert, ist das keine Tradition in Bhutan. In Bhutan trinkt und plaudert vor dem Essen und nach dem Essen verabschiedet man sich üblicherweise recht schnell. Aber auch das ändert sich langsam. 

Das traditionelle Abschiedsgeschenk, soera, ist meist ein Trinkgeld für die Gastfreundschaft an die Gastfamilie. Wenn du zu Besuch bist wird dein Guide das übernehmen, aber natürlich darfst du beim Verabschieden der Hausfrau auch eine Geldnote per Händedruck übergeben. Sie wird es aus Höflichkeit ablehnen und du musst darauf bestehen, dass sie es nimmt, denn so ist das „Spiel“. Im Gegenzug werden sie dir vielleicht ein kleines Abschiedsgeschenk in Form von Käse, Butter oder Früchten überreichen. 




Fremde Länder, fremde Sitten. Wo auch immer du auf Reisen gehst, erkundige dich vorab über lokale Gebräuche. Damit vermeidet man unangenehme Situationen und macht sich so schnell Freunde. Auch für Kirgistan gibt es ein paar Regeln, die es wert sind sie zu kennen. Kleine Faux-Pas passieren schnell, werden aber von den gastfreundlichen Kirgisen schnell verziehen. Also mach dir nicht zu viele Gedanken.

1o Regeln für Kirgistan

1 Geschenke machen Freunde

Wenn du in ein kirgisisches Haus eingeladen wirst, ist es eine nette Geste auch ein kleines Gastgeschenk mitzubringen. Gern gesehen sind Früchte, oder Süßes aus deinem Heimatland.

2 Richtiger Umgang mit Brot

Das Brot ist das wichtigste Nahrungsmittel der Nomaden. Lege es nie verkehrt auf den Tisch, das wird nicht gerne gesehen. Brot wird bevorzugt gerissen, nicht mit dem Messer geschnitten. Es liegt meist zentral und wird unter den Essenden geteilt. Und vor allem: Wirf Brot nicht weg! Wenn es für dich nicht mehr genießbar ist, gib es zumindest Tieren. Wenn Brot weggeworfen wird, sagt man „Kesir bolot“, was soviel wie „Hungersnot kommt“.

3 Annehmen und kosten

Wenn du bei einer kirgisischen Familie zum Essen eingeladen bist, versuch von allem ein wenig zu kosten. Das zeigt, dass du ihre Gastfreundschaft zu schätzen weißt. Neben dem Brot ist die Butter besonders wichtig. Also koste sie (wenn es dir irgendwie möglich ist). Oft bietet dir ein Familienmitglied etwas von seinem Teller an. Nimm es an. Es wäre unhöflich, es abzulehnen. Besonders, wenn es von Älteren kommt, denn es ist ein Zeichen von Zuneigung.

4 Essen mit der rechten Hand

Trotzdem Besteck inzwischen weit verbreitet ist, essen noch viele Kirgisen mit der Hand. Wichtig ist es dabei nur mit der rechten Hand zu essen.

5 Leere Teller werden wieder gefüllt

Wenn du deinen Teller leer isst, wird dir dein kirgisischer Gastgeber mehr Essen geben. Wenn du also gesättigt bist und nicht mehr willst, ist es gut ein wenig am Teller zu lassen.

6 Schuhe aus!

In Kirgistan zieht man sich die Schuhe aus bevor man ein Haus betritt. Zieh sie aus, stelle sie schön nebeneinander und nicht mit der Sohle nach oben. Abergläubische Kirgisten gehen davon aus, dass diese Unart Unglück ins Haus bringt.

7 Spucke

Manchmal begrüßt dich eine ältere Frau mit einer Schüssel mit Wasser und bittet dich darum in die Schüssel zu spucken. Sie bewegt die Schüssel dann über deinem Kopf und entleert sie vor dem Haus bzw. stellt sie dort ab. Wasser hat eine reinigende Wirkung und es heißt, wenn man in das Wasser spuckt, dass damit böse Geister und seine negative Aura verjagt werden. Das macht man in Kirgistan mit Menschen, die von einer langen Reise kommen.

8 Alkohol

Die Kirgisen trinken gerne. Und viel. Das wird auch von dir als Gast erwartet. Vor allem Wodka und Kymyz (fermentierte Stutenmilch) wird eingeschenkt. Wenn du nicht trinken willst, ist es besser von Anfang an nein zu sagen und nicht nur einen Drink zu akzeptieren. Sobald du ein Glas Alkohol akzeptierst, wird es schwerer folgende abzulehnen. Von Frauen wird ein Nein leichter akzeptiert als von Männern.  Wenn du Alkohol ausschenkst, gib immer zuerst anderen, bevor du dir selbst etwas einschenkst.

9 Trinksprüche

Wenn Kirgisen zum Trinken beisammen sitzen, wird auch getoasted. Je länger ein Trinkspruch, desto angesehener ist der Aussprechende. Es zeugt von Intelligenz ausgiebige Wünsche auszusprechen. Also lass dir ruhig eine längere Rede einfallen.

10 Anbieten und insistieren

Wenn du Kirgisen Essen anbietest, werden sie meist vorerst höflich ablehnen, auch wenn sie total Lust darauf haben das Angebotene zu kosten. Wenn dem so ist, insistiere etwas. Erst dann wird man nachgeben und annehmen.



Reisen geht durch den Magen. Wenn schon nicht vorrangig, dann zumindest auch. Die ladakhische Küche ist der tibetischen sehr ähnlich: wie das Land sind auch die Speisen eher einfach, sättigend und energiespendend. Eintöpfe, Suppen, Teigwaren, alles eher erdig und bodenständig. Die moderne Ladakhi-Cuisine hat viele Speisen aus Indien übernommen – inzwischen stehen auch in Ladakh Dal, Reis und Curries fast täglich am Speiseplan, Masalas (Gewürzmischungen), exotische Gewürze wie Kardamom, Koriander und Chilli verfeinern traditionelle Gerichte. In den meisten Restaurants in Ladakh bekommt man daher auch eher indische, chinesische und kontinentale Kost als authentisch ladakhische. Wer aber den Geschmack des alten Ladakh auf der Zunge spüren möchte, muss schon zu einer einheimischen Familie und sich dort verköstigen lassen. Schmeckt auch besser als in jedem Restaurant! Also Don-ley – Mahlzeit, oder Greif zu! auf Ladakhi!

 

Was du in Ladakh unbedingt essen solltest

Unsere Must Eats der Ladakhi Küche

Momo

Momo sind gefüllte und gedämpfte Teigtaschen, die sich auch in Tibet, Nepal, Bhutan und anderen Regionen im Himalaya größter Beliebtheit erfreuen. Die Füllungen variieren, können vegetarisch oder auch richtig fleischig sein. Traditionell kommt richtig deftiges Hammelfleisch hinein, in vielen Restaurants gibt es sie aber auch mit Hühnerfleisch und sogar mit Fisch (was jedoch gar nicht typisch ist und man gar als kulinarische Sünde bezeichnen kann). Im Sommer isst man meist vegetarische Momos, weil der Garten auch mehr hergibt. Da darf sich die Köchin/der Koch austoben. Fein gehacktes Kraut ist aber bei fast allen mit dabei. Das Schließen der Momo ist übrigens eine besondere Kunstfertigkeit, die man sich erst aneignen muss. Die Ladakhi drehen sie rund oder seitlich. Beides lernt man am besten von Kindheit an.

 

Chu-Tagi

Übersetzt heisst Chu-Tagi soviel wie Wasser-Brot. Der Inhalt sind speziell geformte Teigwaren, die über den Finger gedreht und in der Mitte zusammengeklappt werden. Diese werden dann in einem Eintopf aus Kartoffeln und Karotten, und meist auch mit (Hammel-)Fleisch gekocht. Traditionell werden Chu-Tagi nur wenig gewürzt. In Zanskar kennt man sie auch als Chubtse.

Skyu

Skyu unterscheidet sich nicht wesentlich von Chu-Tagi – die Teigwaren sind simpler, werden aus einer gerollten Teigschnur abgerissen, zwischen Daumen und Zeigefinger geformt und ebenfalls in einer „Suppe“ aus Gemüse (und Fleisch) gekocht.

 

Tsampa Kholak

Tsampa Kholak ist eines der einfachsten und wichtigsten Gerichte Ladakhs: geröstetes Gerstenmehl mit Buttertee. Ein schneller Snack, der in Ladakh sowohl am Morgen, zu Mittag oder auch unterwegs gegessen wird. Tsampa ist ein spezielles Mehl, das aus gerösteter Gerste gemahlen wird und damit auch ungekocht für den Magen gut verdaulich ist. Für Tsampa Kholak wird Tsampa mit Buttertee vermischt und daraus mit den Fingern Teigbällchen geformt, die man sich dann genüßlich in den Mund schiebt. Je nach Geschmack kann man Tsampa Kholak auch in Joghurt oder Tee tauchen.

 

Paba & Tangtur

Paba ist eine Art „Brot“: Hierfür wird Tsampa und/oder auch Mehl aus schwarzen Erbsen in Wasser mit Salz gekocht und gerührt bis es eine teigig-feste Konsistenz hat. Es wird am liebsten mit Tangtur konsumiert – Tangtur ist Buttermilch mit fein gehackten Gemüsen/Kräutern.

 

Thukpa / Thenkthuk

Thukpa und Thenthuk unterscheiden sich nur durch die Stärke/Breite der Nudeln und sind beides Suppen mit Gemüse (und Fleisch), die sehr kräftigend sind. Hinein kommt, was der Garten/Markt gerade so hergibt – im Sommer hauptsächlich frisches Gemüse, im Winter getrocknetes Gemüse (Erbsen, Spinat etc), Churpe (getrocknetem Käse) und/oder Fleisch.

 

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Urlaub heisst auch gut essen und trinken, sich Zeit nehmen, zwischendurch einen Kaffee mit Kuchen genießen. Leh im Sommer hat viele Restaurants und Cafés, man trifft Menschen aus aller Herren Länder und kann in vielen auch wirklich gut essen. Wir raten daher dringend davon ab nur im Hotel zu essen.

Bevor wir euch unsere Auswahl an guten Restaurants und Cafés verraten, vorab noch ein paar generelle Infos.
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Ladakhisches Essen in Restaurants?

Man findet ja fast alles in den Restaurants in Leh: indisches, thailändisches, chinesisches, tibetisches, mexikanisches, nepalesisches und kontinentales Essen. Aber wer auf der Suche nach einem authentisch ladakhischen Essen ist, muss schon wirklich gut suchen. Dort wo Skyu oder Chhu Tagi auf der Menükarte steht, kommt nur selten das auf den Tisch, was man auch in einem ladakhischen Haushalt serviert bekommen würde. Das hat zum einen damit zutun, dass die meisten Köche aus Nepal oder anderen Teilen Indiens kommen und gar nicht wissen, wie man ladakhisch kocht. Daher empfehlen wir einfach im Gästehaus (nicht im Hotel – dort ist das Problem ähnlich gelagert wie in den Restaurants) zu essen oder sich nach einer Möglichkeit umzusehen, bei einer Familie zu Hause essen.
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Achtung! Worauf du am Anfang Rücksicht nehmen solltest

Die Regel „Wash it, peel it, cook it or forget it!“ ist bekannt – also (zumindest am Anfang) auf ungewaschenes, ungeschältes und ungekochtes Essen verzichten. Darüber hinaus empfehlen wir für Ladakh: Achtung bei Milchprodukten, insbesondere Käse! Durch die vielen Stromausfälle in Leh, kommt es immer wieder zu Unterbrechungen der Kühlketten. Besonders beim Yakkäse ist zu Vorsicht geraten – denn, der kommt – bis auf einige Ausnahmen – meist aus Nepal und wird von dort meist ungekühlt nach Leh gebracht. Bis er dort angekommen ist, ist er oft nicht mehr genießbar. Auch das beliebte Mango-Lassi ist gerade am Beginn der Reise für den europäischen Magen nicht so zuträglich. Für die Fleischesser: Hier verhält sich die Sache ähnlich – Fleisch wird kaum gekühlt und ist damit auch gerne Auslöser lästiger Durchfallerkrankungen. Wer länger in Leh ist, gewöhnt sich schnell.
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German Bakery so gar nicht deutsch

Es gibt zig German Bakeries, auch englische und französische, doch was dort verkauft wird, ist einfach nur nepalesisch. Nicht, dass das Gebäck, die Kuchen und Kekse dort nicht genießbar wären! Nein, sie sind nur nicht das, was sie vorgeben zu sein, also nicht enttäuscht sein. (Für mich als Süßspeisen- und Backwarenverwöhnte Österreicherin kommen die angepriesenen Leckereien nie und nimmer an das Original heran 😉 )
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Unsere Top 10 Lieblingsrestaurants und Cafés

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1. Penguin Bar & Restaurant

Unser absoluter Liebling für Mittag- und Abendessen. Im typischen Nepali-Style mit Plastikstühlen und -tischen und gewöhnungsbedürftiger Deko, aber dafür ein wirklich ruhiger Platz inmitten der lauten Stadt. Unter Schatten spendenden Aprikosen- und Äpfelbäumen kann man hier bei der wirklich super-netten Staff zwischen tibetischer, indischer und kontinentaler Küche wählen. Unser Tipp: Momos, Smoothies, Schnitzel (für die Mägen der Kinder, die nach Gewohntem schreien 😉 )
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2. Bon Appetit

Bon Appetit

Das „Schicki-Micki-Restaurant“ von Leh

Das definitiv schickste Restaurant, das Leh gesehen hat. Hier gibt es Stühle und Tische aus Holz! Und in schönem Design. Der Ausblick ist hervorragend und ruhig ist es auch. Das Lokal ist versteckt gelegen, hat einen schöne Terrasse und einen genialen Innenbereich. Das Essen zählt zu Ladakhs Haute Cuisine, hat aber wenig mit lokaler ladakhischer und indischer Küche zu tun. Hier wird gerne etwas experimentiert – kontinental mit einem Hauch von Asien. Achtung: Die Preise sind etwas höher und die Portionen auch verhältnismäßig klein. Eher etwas für Leute, die schon länger in Leh sind und sich etwas Besonderes gönnen wollen.
Unser Tipp: Pizza, Pasta, den leckeren Auberginenturm, Huhn in Cashewkruste
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3. Chopsticks

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Thai-Essen in Leh

Auch eines der schöneren Restaurants ohne Plastikbestuhlung, meist saubere Toilette. Wie es der Name bereits verrät, gibt es hier vorwiegend Essen, das man mit Stäbchen essen kann. Folgedessen ist auch insbesondere das Thaiessen zu empfehlen. Wir raten von den ladakhischen Gerichten auf dem Speiseplan ab – die halten nicht, was sie versprechen.
Unser Tipp: Thailändische Nudelgerichte, Pommes (wirklich lecker)
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4. Tibetan Kitchen

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Tingmo im Tibetan Kitchen

Eines der besten Restaurants in Leh, wenn es um tibetische Küche geht. Sehr beliebt, abends ist es oft schwierig einen Tisch zu bekommen, daher werden Reservierungen empfohlen. Der Style des Restaurants kommt nicht an die Küche ran – die ist auch hier „nepalesisch-plastisch“.
Unser Tipp: Momo, Tingmo, Thukpa – alles tibetische!
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5. Neha Snacks

Direkt am Main Basar gelegen ein kleines Restaurant für jene, die die authentisch indische Küche suchen. Damit nichts für jene, die auf europäische Milde stehen, denn Chilli ist Bestandteil so gut wie aller Speisen.
Unser Tipp: Thali
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6. Tashi’s Tea Place

Unser Geheimtipp, denn in Tashis Restaurant verirrt man sich kaum zufällig. Unauffällig, noch nicht mal mit einem richtigen Namen versehen, bietet der Raum gerade mal Platz für vier Tische (aus Holz ;-)) Tashi, die tibetische Chefin des Hauses, ist ausgesprochen freundlich und serviert das Essen, das ihr Mann im Raum dahinter kocht. Die Küche ist simple, vegetarisch und günstig. Die Auswahl ist nicht groß, dafür das Essen immer frisch und wirklich lecker.
Unser Tipp: Kawa-Tee und gebratener Reis
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7. Open Hand

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Hier gibt es richtig leckeren Kaffee!

Für die, die auf der Suche nach richtigem Kaffee sind. Das Open Hand ist recht modern und verkauft auch fair produzierte Waren aus Ladakh und anderen Teilen Indiens. Es wird vor allem von jüngeren Travellern gerne besucht. Wir empfehlen es eher als Kaffeehaus, denn als Restaurant.
Unser Tipp: Kaffee, Frühstück
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8. Wonderland

Das wohl beliebteste Restaurant in Chanspa mit Rooftop-Terrasse: große Auswahl an Essen, von tibetisch bis indisch, chinesisch und kontinental. Besonders das Frühstück ist hier zu empfehlen. Auch der Kaffee dazu mundet.
Unser Tipp: Frühstück
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9. Yama Coffee House

Ein sehr gemütliches und nett eingerichtetes kleines Kaffeehaus im Ortsteil Chanspa. Es eignet sich hervorragend zum Kaffeeschlürfen und Kuchen essen, während man die Passanten beobachtet.
Unser Tipp: Kaffee und Kuchen
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10. Ladakh Fine Foods

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Frühstücksempfehlung von Ivonne Röthig

Unser letzter Tipp ist ein Insidertipp von Ivonne Röthig, die vier Jahre in Leh gelebt hat und es damit sehr, sehr gut kennt: Eines der ganz wenigen Restaurants, die auch Ladakhi Food servieren. Auch in Chanspa gelegen, bietet das kleine Restaurant ein hervorragendes Frühstück inklusive Kapern (die in Ladakh wachsen, aber von den Ladakhi kaum genutzt werden) und eine hausgemachte Aprikosenmarmelade.

Die meisten, der hier genannten Restaurants findest du auch auf unserer selbstgezeichneten Karte von Leh.

Für weitere Tipps bezüglich Restaurants und Cafés kannst du selbstverständlich auch unter Tripadvisor nachsehen. Kleiner Tipp: Immer schauen, von wem die Bewertungen sind – häufig sind die Vorlieben je nach Herkunft sehr unterschiedlich – ein Restaurant, das bei indischen Gästen sehr gut ankommt, muss nicht unbedingt den Geschmack der WestlerInnen treffen.

Mahlzeit!




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Fremde Länder, fremde Sitten. Umso wichtiger ist es, sich vorab über die ortsüblichen Regeln zu erkundigen. Nur wer die Sitten eines Gastlandes auch beachtet wird mit Einheimischen gut Kontakte knüpfen können und vielleicht Freundschaften fürs Leben mit nach Hause nehmen.

Von Daniela Luschin-Wangail

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10 Dinge, die man in Ladakh nicht machen sollte

Eins vorab. Ladakh ist kein kompliziertes Reiseland und faux-pas werden schnell vergeben. Meist wird über sie hinweg gesehen. Trotzdem ist es einfach ein schönes Zeichen sich zu bemühen und im Sinne eines generellen besseren Miteinanders ist es zu empfehlen sich vor Reisen über lokale Regeln zu informieren.

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1. Tische sind Tische und keine Sitzbänke

Die ladakhischen Tische (choktse) verführen darauf zu sitzen, wird doch in Ladakh auf dem Boden gesessen und die Tische dafür sind meist noch niedriger als unsere Stühle. Gerade Menschen, die Schwierigkeiten mit den Knien haben, setzen sich daher gerne auf die Tischchen und begehen damit aber – meist unwissend – einen ziemlichen faux-pas. Auf den Tischen darf nicht gesessen werden. Wer gelenksbedingt nicht am Boden sitzen kann, sollte sich daher bei den Gastgebern erkundigen, ob sie nicht eine andere Sitzmöglichkeit haben (oft ist irgendwo ein „westlicher“ Stuhl zu finden).

Und noch etwas: Es wird als sehr unhöflich betrachtet, wenn man über die kleinen ladakhischen Tische zum Sitzplatz steigt. Bitte unterlassen!

(c) Roland Amon

Die kleinen Tische laden zum Sitzen ein. Aber dafür sind sie nicht gedacht. Foto: Roland Amon.

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2. Hierarchien beachten

Gerade im Kloster ist zu beachten, dass man sich nicht auf die Plätze (und Tische – siehe oben!) der Mönche setzt. Laien haben der örtlichen Hierarchie entsprechend immer niedriger (bzw. anderswo) als die Mönche zu sitzen. Ausnahme: Wenn einem ein Mönch einen Platz anbietet (gerne machen das Mönche bei Pujas).

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3. Nicht über Beine steigen

Man steigt nicht über Tische, aber auch nicht über (ausgestreckte) Beine, um irgendwohin zu gelangen. Korrekt ist es, immer hinter einer Person an den gewünschten Platz zu kommen.

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4. Beine richtig ausstrecken

Die meisten Ladakhi sitzen im Schneidersitz, da erübrigt sich das Problem von alleine. Wir „Westler“ tun sich oft in dieser Position schwer und müssen die Beine ausstrecken. In dem Fall bitte darauf achten, die Beine nicht in Richtung einer Person und schon gar nicht in Richtung einer Buddhastatue auszustrecken.

Maitreya-Statue (c) Roland Amon

Seine Beine in Richtung einer Buddha-Statue auszustrecken wird nicht gern gesehen. Foto: Roland Amon

 

5. Nicht über Bücher steigen

Man sollte nie über Bücher (am Boden) steigen, ganz besonders nicht, wenn es sich um religiöse Schriften handelt!

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6. Dein Löffel in Deinen Teller

Die Ladakhi sind, was das Essen angeht, sehr darauf bedacht, dass das Besteck mit dem eine Person ihr Essen isst, nicht in Berührung mit dem Essen anderer kommt. Dh das bei uns übliche „Darf ich mal von Dir kosten?“ geht in Ladakh gar nicht. Auch gibt es extra Besteck, um Essen aus den auszuteilenden Schüsseln auf seinen Teller zu geben. Mach das nie mit dem Besteck, dass Du schon im Mund hattest! Wer für andere kocht, kostet auch nie mit dem Kochlöffel, sondern nimmt mit dem Kochlöffel einen Teil des Essens in eine extra Schüssel und kostet davon mit einem separaten Löffel! Wenn Dir Tsampa (geröstetet Gerstenmehl) aus einer Schüssel angeboten wird, bitte nimm es nicht mit dem abgeschleckten Zeigefinger auf oder mit dem Löffel in der Schale, um es zu kosten. Nimm den Löffel, gib das Tsampa auf Deine Handfläche und iss es von ihr. Oder: Sehr Geübte werfen Tsampa mit dem Löffel so in den Mund, dass nichts vom Besteck mit ihnen in Berührung kommt. Wer Ladakhi beobachtet, sieht auch, dass sie, wenn sie aus der selben Flasche trinken, nie die Flaschenöffnung in den Mund nehmen. Ein Ladakhi wird daher auch nie aus der Wasserflasche eines Touristen trinken, wenn er bereits daraus getrunken hat.

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Achte darauf, dass dein Mund nicht mit dem Essen der Allgemeinheit oder anderer in Berührung kommt. Foto: Martina Scherer/Simon Kraus

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7. Kleide Dich korrekt

Das gilt besonders bei Besuchen ins Kloster. Auch wenn kaum ein Mönch mal etwas sagen würde, aber das Tragen von kurzen Hosen und Trägerleibchen ist wirklich nicht angebracht. Generell wäre es schön, wenn man in Ladakh seine Schultern bedeckt lassen würde und Frauen nicht tief-dekolletiert durch die Gegend laufen. Kurze Hosen sind ausserhalb des Klosters inzwischen ok – nur sollten sie zumindest Knielänge haben.

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8. Bück Dich bei Eingängen

Beim Betreten von Räumen sollte man darauf achten sich seinen Kopf nicht zu stoßen. Was bei den oft sehr niedrigen Räumen gerade in Klöstern gar nicht so einfach ist. Es wird jedoch als schlechtes Omen angesehen, wenn jemand beim Betreten eines Raumes sich seinen Kopf anstößt. Deswegen sieht man sehr häufig bei Eingängen zu Klösterräumen den Hinweis „Mind your head“ – was aber weniger mit einer allgemeinen Sorge um das Wohl der Besucher zu tun hat.

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9. Küssen verboten

Öffentliche Zuneigungsbekunden sind in Ladakh nicht gerne gesehen. Wenn Pärchen nach Ladakh reisen, sollten sie sich in der Privatsphäre ihres Hotelzimmers küssen. Ladakhische Paare halten selbst Händchen nicht öffentlich. Wenn man seinem Partner mal eine Strähne aus dem Gesicht streicht, wird das schon als zärtliche Geste gesehen, ist aber noch erlaubt. (Privates am Rande: Selbst wenn ich meinen Mann nach mehrwöchiger Trennung am Flughafen in Leh treffe, gibt es kein Küsschen – maximal eine Umarmung. Das mit den Umarmungen zwischen ausländischen Gästen und Ladakhi ist auch eher neu und wird von vielen Ladakhi noch immer mit ziemlicher Zurückhaltung und Scheu gemacht). Ein Händeschütteln tut es auch!

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10. Beim Pinkeln von Wasser fernhalten

Die Ladakhi glauben an lhu (Schlangengeister), die im Wasser leben. Ins oder neben ein Wasser zu pinkeln – was manche Männer nur zu gerne machen –  wird als Verunreinigung gesehen, die mit Wunden und Krankheiten des Pinkelnden und der Menschen in seiner Umgebung bestraft wird. Auch wenn Du nicht an so etwas glauben magst, sei so nett und achte den lokalen Glauben. Im Übrigen trinken viele Menschen direkt von den Bächen, schon allein deswegen wäre es von Vorteil sich an diese Regel  zu halten.

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Pangong-See – auch ein Wasser in das man nicht pinkeln sollte!