Tours to Ladakh, India & Bhutan: Trekking, Expeditions & more https://www.gesar-travel.com Trekking, Expeditions & Cultural Trips: Individual and in groups Fri, 19 Apr 2019 17:46:55 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.1.1 https://www.gesar-travel.com/wp-content/uploads/2016/03/ico.png Tours to Ladakh, India & Bhutan: Trekking, Expeditions & more https://www.gesar-travel.com 32 32 Warum ich als Mädchen Ruine heißen wollte und was das mit Georgien zu tun hat https://www.gesar-travel.com/warum-ich-als-maedchen-ruine-heissen-wollte-und-was-das-mit-georgien-zu-tun-hat/ Fri, 19 Apr 2019 16:01:53 +0000 https://www.gesar-travel.com/?p=12572 Schon als kleines Mädchen haben mich Ruinen fasziniert. So sehr, dass ich selbst das Wort Ruine so schön fand, dass ich am liebsten Ruine geheissen hätte. Meine Eltern waren gegen eine Umbenennung und fanden auch das Erkunden von verfallenen Gebäuden zu gefährlich. Als rechtschaffende Erwachsene respektiere ich die in Europa an alten unbewohnten Gebäuden so oft angebrachten Schildern mit den Hinweisen „Betreten verboten“, „Privatgrund“, „Eltern haften für ihre Kinder“ oder „Zutritt für Unbefugte verboten“. Somit konnte ich meine kindlichen Entdeckungsfantasien nie wirklich befriedigen. Bis heute. Denn in der ehemaligen Sowjet-Kur-Stadt Tskaltubo konnte ich mich endlich ausleben.

In Tskaltubo stehen unzählige dem Verfall preisgegebene alte Sowjet-Gebäude, die von der Natur nach und nach zurückerobert werden.

Warum ich als Mädchen Ruine heißen wollte und was das alles mit Georgien zu tun hat

Reisebericht aus Georgien von Daniela Luschin-Wangail

Als wir gestern am Abend nach Tskaltubo kamen war es bereits dunkel und das Besondere der Stadt in der westgeorgischen Region Imeretien blieb uns noch verborgen. Wir durften in einem der rund 20 Sanatorien nächtigen, die vorwiegend zwischen 1933 und 1955 im Stil des sozialistischen Klassizismus mit aufwändigen Kapitellen und opulenten Ornamenten errichtet wurden. Ganz nach dem Geschmack von Josef Stalin, der hier zumindest einmal selbst zur Kur gewesen sein soll. Jedes Sanatorium war einer gewissen Berufsgruppe zugeordnet und jene, die sich besonders am Aufbau der Sowjetunion beteiligt hatten, durften hier in den Heil- und Thermalbädern wieder zu Kräften kommen. Es gab Sanatorien für brave Beamte, angesehene Politiker, fleissige Minenarbeiter, Ärzte und eines sogar für Mitarbeiter des KGB. Von Moskau aus gab es eine direkte Zugverbindung in die Kurstadt Tskaltubo, deren Thermalwasser leicht radioaktiv und gerade deswegen heilsam sein sollen. Heute es gibt es diese nicht mehr. Und auch die meisten Sanatorien sind seit dem Zerfall der Sowjetunion am Bröckeln und einige vollkommen ungenutzt. Das ist dem wir nächtigen durften ist eines der wenigen, die in ein Hotel umfunktioniert wurde.

Noch nicht restaurierter Teil des Hotels, in dem wir genächtigt haben

Beschilderung aus alten Sowjet-Tagen. Sogar auf englisch!

Der schönere restaurierte Teil des Hotels

 

Nach dem Frühstück im großzügig angelegten Restaurant mit noch immer sehr an russischen Essenswünschen angelegtem Menüplan ging es los die Stadt zu entdecken und endlich, endlich meine Mädchenträume vollends auszuleben. Denn im Gegensatz zum brav geordneten Mitteleuropa darf hier alles betreten werden, was nicht privat ist. Und die meisten der ehemaligen Kurgebäude sind noch immer in staatlichem Besitz. Wir besuchen drei alte verfallene Sanatorien – das ehemalige Sanatorium für Minenarbeiter, das für Mitarbeiter des KGB und eines dessen ursprüngliche Zuordnung wir nicht kennen – als auch eine Bäderanstalt mit Thermalquellen.

Während die von uns besuchten Gebäude nur noch aus ihrer Fassade bestehen, dessen Fenster und Türen größtenteils brutal ausgestemmt wurden, deren Parkettböden, Fliesen und natürlich sämtliches Interieur verschwunden sind, fungieren die meisten einstigen Santorien noch heute als Zufluchtsstätten von Flüchtlingen aus Abchasien, die 1993 während des Kriegs zwischen der abtrünnigen Region Abchasien und Georgien flüchten mussen. Insgesamt sahen sich 200.000 ethnische Georgier gezwungen ihre Heimat zu verlassen. 18.000 fanden eine neue Heimat in den anno dazumals luxuriösen Erholungsheimen in Tskaltubo, die es heute ganz und gar nicht mehr sind. Die meisten Fenster sind zerbrochen, große Risse ziehen sich über die Mauern, die Lebensqualität ist offensichtlich niedrigst und es bröckelt gehörig am einstigen Glanz. Rund 6.000 Georgier aus Abchasien leben noch heute in den Sanatorien und anderen Gebäuden der Stadt, die anderen sind in andere Regionen, vorwiegend in die Städte Batumi, Poti und Tbilisi abgewandert.

In den leerstehenden Kurhotels und Badeanstalten lösen sich ornamentreiche und bunte Tapeten von den Wänden, Stuckarbeiten rieseln von den Decken, Böden reissen auf, die letzten verbliebenen Fliesen hängen nur noch müde und hoffnungslos rum und die Natur hat ihre Soldaten – Moos, Efeu und andere Pflanzen – logeschickt sich den Raum wieder zurückzuerobern. Nur Graffitis und leere Bierflaschen sind Zeugen dafür, dass sich doch noch hie und da Menschen hierher verirren.

 

Was mich so an alten dahinsiechenden und langsam in sich zusammenfallenden Gebäuden fasziniert

Ich mag die uns Westeuropäern in unserem Ordnungswahn so verloren gegangene Akzeptanz, dass Dinge entstehen, werden und auch wieder vergehen. Wir wischen alles weg, was dem Verfall preisgegeben ist, weil es uns unangenehm an unsere eigene Vergänglichkeit erinnert. Was alt ist, muss repariert werden und wenn es nicht repariert werden kann, machen wir es dem Erdboben gleich. Der sich modern rufende Mensch wehrt sich gegen den natürlichsten Zyklus der Natur. Alles vergeht und nur wenn etwas vergeht, kann auch wieder Neues entstehen. Es ist der Kreislauf jeden Lebens, ein Festklammern und Betrauern oder Wegwischen und Negieren macht da nicht wirklich Sinn. Und so finde ich sollte auch das Alte, nicht mehr Schöne, das Vergehende nebem dem Jungen, Progressiven, in vollem Glanz Stehende sein und eine Berechtigung haben dürfen.

Dass Altes, nicht mehr so recht funktionieren Wollendes nicht auch schön sein kann, traue ich mich hier zu widerlegen. Man muss nur etwas genauer hinsehen, gewohnte, geradlinige, medial gelenkte Richtlinien auf die Seite schieben und mit einem unvoreigenommenen Blick auf die Dinge schauen, dann lässt sich auch im Verfall eine wunderbare und rührende Schönheit entdecken.

Mit großen Augen und offenem Mund bin ich wieder das Mädchen von damals, das so gern wissen wollte, wie es hinter dem alten Gemäuer nahezu verfallener Gebäude aussieht.

Schon jetzt ist an manchen Stellen kaum noch etwas vom sozialistischen Urlaubsprunk zu erkennen. Ich versuche angestrengt mir vorzustellen, wie hier vor 40, 50, 60 oder mehr Jahren russische Gäste in Erwartung eines heißen Bades die Treppen hinauf gelaufen sind. Schon bald werden der Efeu und das Moos diesen Ort aufgefressen haben.

Der Zustand der Häuser lässt Investoren offensichtlich davor zurückscheuen, die vom Staat zum Verkauf stehenden Immobilien zu erwerben. Nur die wenigsten sind bis jetzt verkauft worden.

Anstatt die Pools zu füllen macht sich das Wasser zusehends an den Wänden bemerkbar.

In Gängen wie diesem wird meine morbide Liebheit zur Schönheit des Verfalls endlich erwidert.

Da und dort kann man sich noch um einiges besser vorstellen, wie luxuriös es hier noch vor wenigen Jahrzehnten gewesen sein mag.

Jugendliche und im Sommer unzählige Schlangen finden hier noch gelegentlich Unterschlupf.

Allen leerstehenden Sanatorien gemeinsam: Sie sind wirklich leer. Kein Nagel, kein Stück Holz, nichts ist hier hinterlassen worden. Alles was nur irgendwie zu gebrauchen war wurde verscherbelt oder anderweitig verwendet.

Der Grundriss und die klassizistischen Säulen lassen vermuten, dass hier wohl das Restaurant war und man fein dinierte.

… und manche Ecken sind so gruselig, dass man jeden Moment erwartet, ein Ungetüm rase aus einer Ecke auf dich zu.

Das einstige Kurhaus verdienstvoller KGB-Mitarbeiter

Das Mädchen, das einst Ruine heißen wollte, durfte in einem Tag mehr Ruinen erkunden als in ihrem ganzen bisherigen Leben zusammen. Das hat sie Georgien zu verdanken, das zwar die meist unglückliche Zeit als Teil der Sowjetunion lieber vergessen würde, es aber nicht schafft die Spuren der Erinnungen daran von heute auf morgen verschwinden zu lassen und darauf hofft, dass sie irgendwann von allein von der Erde verschluckt werden. So hab ich sie aufsaugen dürfen, die einst opulente, sozialistisch glänzende, nunmehr modrig riechende, dahin siechende Atmosphäre diesen speziellen Ortes, der so viele Geschichten zu erzählen weiß.

 

 

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Georgien: Ein Traumtagerl mit Kultur, Wandern und Essen https://www.gesar-travel.com/georgien-ein-traumtagerl-mit-kultur-wandern-und-essen/ Thu, 18 Apr 2019 18:51:35 +0000 https://www.gesar-travel.com/?p=12539 Nachdem der gestrige Tag alles andere als nach Plan verlaufen ist (zum Blogbeitrag: Nein, das ist nicht Stepantsminda) und ich, nachdem auch am heutigen Morgen die Passstraße nach Stepantsminda gesperrt blieb, meine Träume den 5.000er Kazbeg zu sehen für diese Reise final begraben habe, ist der heutige spontan geplante Tag so verlaufen, wie er besser nicht sein könnte. Das Wetter klarte nach und nach auf und endlich endlich durften wir auch etwas länger wandern. Und soviel Neues entdecken.

Ananuri ist eine Burg in in der Nähe des gleichnamigen Dorfes in Mzcheta-Mtianeti an der Georgischen Heerstraße. Sie stammt aus dem Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit, ihre ältesten Teile werden ins 13. Jahrhundert datiert.

Ein Traumtagerl wie aus einem Reisemärchen

Reisebericht von Daniela Luschin-Wangail

Ja, ich hatte mich schon abgefunden, dass es nichts mit dem ursprünglichen Plan nach Stepantsminda zu fahren wird. Gut, also das Beste daraus machen. Wir beschließen nach Tskaltubo im Westen Georgien zu fahren und unterwegs so viel wie möglich zu entdecken. Den Anfang macht die selbst im noch regnerischen Trübsal des Morgens pittoreske Burg Ananuri, von der aus man das Aragwi-Tal gut überblicken kann und in dessen nicht TÜV-geprüften und speziell gesicherten Wachtürmen man herumkraxeln darf.

Fresko aus der Kirche der Burg Ananuri mit schaurigen Höllendarstellungen

Blick auf den Kirchturm und das dahinterliegende Aragwi-Tal

Bissl trüb, aber dennoch ganz schön anzuschauen

Und weiter geht es Richtung Tbilisi in die Stadt Mchzeta bzw. darüber hinaus ins Kircherl Jvari aus dem 6. Jahrhundert. Dort tummeln sich massig viele Touristen aus aller Welt, ein buntes Sprachengewirr zerreisst die Ruhe, die wir sonst bisher in Georgien erleben durften. Zirka 95% aller Gäste schießen das genau selbe Fotomotiv. Ich auch. Eh klar. Den Zusammenfluss des Aragwi mit dem Mtkwari, der von hier oben wirklich traumhaft anzuschauen ist. Hochgerechnet dürfte dieses Motiv wohl bereits millionenfach festgehalten worden sein.

Tatataaaa, mein Exemplar!

Der Name Jvari wird mit „Kreuzkloster“ übersetzt, was darauf zurückzuführen ist, dass die in Georgien hochverehrte Heilige Nino (ja, hier ist das ein Frauenname!) hier oben ein Kreuz hinterlassen haben soll, das nunmehr in der Kathedrale des Klosters steht.

  In die Geburtsstadt Stalins

Weiter geht es Richtung Westen bis in die Geburtsstadt Stalins, nach Gori. Zviad, unser Partner für Georgien, und ich scherzen, dass Georgien und Österreich einiges gemeinsam haben. Unter anderem auch, dass beide Länder Diktatoren hervorgebracht haben, die dann ins Nachbarland exportiert wurden, wo sie ihren Siegeszug angetreten haben. Trotzdem sind beide Länder ihre Monster nicht losgeworden. Nichts worauf wir stolz wären. Einfach nur eine interessante Parallele. Das Stalin-Museum in Gori, das beim Haus erichtet wurde, in dem der 1878 als Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili geborene Josef Stalin aufgewachsen ist, heben wir uns für Sonntag auf, wo wir nochmals durch die Stadt müssen, weil wir nämlich viel viel lieber raus in die Natur wollen, wo der Regen versiegt ist und der Himmel sich geklart hat.

Wir fahren in ein kleines Dorf unweit von Gori bis ans Ende der Straße und besuchen ein Weingut.

Von hier aus starten wir eine ausgiebige Wanderung hinauf in die Berge. Endlich!

Der Aufstieg hat sich gelohnt. Ein wunderbarer Rundumblick und ein ruhiges schönes Platzerl zum tief Luftholen.

Hier ließe es sich gut und gerne ein paar Tage aushalten. Mit dem Besitzer des Weinguts wurden ein paar interessante Wanderrouten besprochen, die wir gerne auch in dein Programm einbauen können.

Das Dorf und die Wanderung dort waren definitiv mein absoluter bisheriger Höhepunkt dieser Georgien-Reise, auch wenn es dort eigentlich recht unspektakulär ist. Aber Reisen sind für mich immer auch ein Runterkommen und Sichwiedererden und das geht meiner Meinung nach immer dort am besten, wo am wenigsten Trubel ist, an den Coldspots – im Gegensatz zu den touristischen Hotspots – wo man ein Land und seine Natur authentisch erleben darf. Wandern ist immer wieder eine effiziente Methode den Käse des Alltags einfach mal verschimmeln zu lassen. Nachdem ich mir meine Füße heute wieder mal gescheit vertreten durfte, ist mein Endorphin-Level heute endlich wieder gscheit hoch und ist gleich danach noch höher angestiegen.

Schon vor einigen Tagen hatte ich Zviad gebeten mich dorthin zu führen, wo auch ein durchschnittlicher Georgier wirklich gerne isst. Kein fancy Schicki-Micki-Restaurant bitte! Auf meinen vergangenen Reisen habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es das beste Essen eines Landes in einfachen Straßen-Raststätten gibt, da wo die Lastwagenfahrer und die Durchreisenden Pause machen und Frauen oder Männer aus dem Dorf genau das Essen zubereiten, das sie auch zu Hause auftischen würden.

Ich lande am Ende an einer Raststätte, die Zviad schon seit seiner Kindheit von Autofahrten kennt und von der er bis heute schwärmt. Und tatsächlich. Ein Traum. Ich esse zwar drei Gerichte, von denen ich bis jetzt keine Ahnung habe, was es war, weil Zviad mir die Gemüse nicht ins Englische übersetzen konnte und ich weder visuell noch geschmacklich ausmachen konnte, worum es sich handelte, aber es war hervorragend.

Das Setting des Restaurants ist ungewöhnlich. Man isst dort in kleinen Hütten, in denen jeweils ein Tisch mit Sesseln und einem Metallofen stehen. Der Kellner kommt, nimmt die Bestellung auf, schließt die Tür, bringt ein paar Minuten später das Essen und verabschiedet sich wieder. Zumindest muss man sich in solche Separées keine Gedanken um Tischmanieren machen.

Sofort wieder würde ich hierher pilgern, nur um mir den Bauch richtig vollzuschlagen.

Wenngleich der Tag Kur genug für mich war, endet er in der ehemaligen Sowjet-Kurstadt Tskaltubo, in der sich sogar Stalin vom Diktatoren-Stress erholt haben soll. Wir nächtigen in einem einstigen Sanatorium, das vor ein paar Jahren in ein Hotel umfunktioniert wurde, während die meisten anderen Sanatorien zwischenzeitlich dem Verfall preisgegeben sind. Die stehen morgen am Programm. Und einiges mehr.

 

 

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Georgien: Nein, nicht Stepantsminda (Kazbeg) https://www.gesar-travel.com/georgien-nein-nicht-stepantsminda-kazbeg/ Wed, 17 Apr 2019 14:19:18 +0000 https://www.gesar-travel.com/?p=12520 Wenn mich mein Job eines gelehrt hat dann die Tatsache, dass man Reisen noch so gut planen und organisieren kann und trotzdem geht alles in die Hose. Der Mensch täte ja gerne alles regeln und garantiert haben, aber manchmal werden wir auch einfach gelenkt und haben keine andere Wahl als uns höheren Gewalten zu beugen. Auch wenn es das ist, worauf wir uns am meisten gefreut haben. Wie eben ich mich auf Stepantsminda (1.700m) am Fuße des 5.047m hohen Kazbeg, weil es dort wunderbar zum Wandern ist und auch feine Fotomotive liefert. Das Titelbild dieses Beitrags (siehe oben) hätte ich gerne selbst geschossen. Hab ich aber nicht. Weil es partout letzte Nacht so viel schneien musste, dass die Passstraße dorthin wegen akuter Lawinengefahr gesperrt wurde. Verdammt!

Am Weg nach Stepantsminda berichtet das staatliche Fernsehen vom plötzlichen und erneuten Wintereinbruch und der Sperre der Passstraße wegen akuter Lawinengefahr

Georgien: Oft geht blöd!

Schon am Vortag waren wir auf Schneefall vorbereitet und darauf, dass die geplante Wanderung unter Umständen etwas kürzer ausfallen würde. Und selbst wenn es keine Wanderung gäbe, Hauptsache die fesche Kirche Zminda Sameba auf 2.170m sehen und vor der atemberaubenden Bergkulisse fotografieren (siehe nochmals Titelbild). Das war mein erklärtes Ziel.

In der Früh hat es in Kachetien – unserem Ausgangspunkt – geschüttet, die Straßen standen teilweise unter Wasser und die Schönheit des Alazani-Tals war unter derart trüben Bedingungen auch nicht wirklich optimal zu genießen, geschweige denn fotografisch festzuhalten.

Die Kirche Gremi im Alazani-Tal schaut auf diesem Foto trotz des Schnürlregens halbwegs passabel aus.

Schließlich wurden wir telefonisch darüber verständigt, dass die Passstraße nach Kazbegi (der alte Name Stepantsminda) polizeilich gesperrt wurde. Zuviel Schnee war gefallen und fällt noch immer und die Gefahr von Lawinenabgängen sei einfach zu hoch. Ich gestehe, dass ich alles andere als glücklich war, aber zum Heulen war mir doch nicht. Damals, ja, vor mehr als 10 Jahren noch, da hätte ich mich wie Rumpelstilzchen geärgert und wär im Kreis gesprungen, weil ich ja unbedingt, unbedingt dorthin wollte. Aber nach den vielen Jahren Arbeit im Himalaya und in Indien hab ich eines gelernt: die Dinge so zu nehmen wie sie sind. Wir können minutiös und so veraussehend wie nur irgendmöglich planen und überaus bemüht sein, aber wenn der Himmel sagt, er muss die frühlingshafte Welt jetzt unbedingt noch einmal mit einem heftigen Schneefall strafen, ja, dann ist dem so und da hilft all die Wut nichts.

Auf dem Weg in Richtung Stepantsminda wird sichtbar, dass wirklich einiges an Schnee gefallen ist.

Wir beschließen zumindest bis nach Gudauri auf 2.196m, einem für Skisport und Heliskiing beliebten Ort am Fuße des Kudebi, ca. 35km vor Stepantsminda zu fahren und darauf zu hoffen, dass wir morgen weiter kommen, wenngleich die Aussichten gering sind, weil für die nächsten 10 (!) Tage täglich Schneefall prognostiziert wird.

 

Die Berge am Beginn der Passstraße nach Gudauri sind nebelverhangen.

In Gudauri liegt zwar gar nicht mehr so viel Schnee, weil die Temperaturen im Laufe des Tages wieder im Plusbereich sind, dafür aber ist es gatschig und es tröpfelt vor sich hin, zum Wandern keine guten Voraussetzungen und generell erinnert mich die Ortschaft an all die hässlichen künstlich aufgezogenen österreichischen Schiregionen mit viel zu großen und absolut uncharmanten Hotelanlagen. Nur noch etwas hässlicher. Nein, das ist nicht mein Stepantsminda. Folglich sitze ich jetzt im Hotel schreib diesen Beitrag und hoffe auf ein Wunder für den morgigen Tag. Ansonsten werden die Bergriesen des Kaukasus hier an der Grenze zu Südossetien und Russland morgen wieder verlassen und Alternativen erkundet. Wer weiß wofür es gut ist. Womöglich führt mich so das Schicksal an einen noch spannenderen Ort. Davon gehe ich jetzt einfach mal aus, nein, ich erwarte es. Und wenn dem nicht so ist, dann werde ich zu Rumpelstilzchen 😉

Stepantsminda und Gudauri liegen an der berühmten Heeresstraße an der Grenze zu Russland und der umstrittenen Region Süd-Ossetien, das völkerrechtlich zu Georgien gehört, sich jedoch abgespalten hat und dessen Unabhängigkeitsbestrebungen von den Russen mit strategischem Kalkül unterstützt werden. Foglich sind die Georgier auf Russland nicht besonders gut zu sprechen.

Gudauri selbst ist nicht gerade schön. Ein künstlich hochgezogener Ferienort, desssen Gebäude viel zu schnell und ohne Liebe hochgezogen wurden. Die bestimmt atemberaubende Bergkulisse bleibt mir leider wegen des Nebels größtenteils verwehrt.

Das Kircherl unweit des Zentrums von Gudauri.

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Georgien: Vashlovani Nationalpark und Sowjet-Militärflughafen https://www.gesar-travel.com/georgien-vashlovani-nationalpark-und-sowjet-militaerflughafen/ Tue, 16 Apr 2019 16:42:10 +0000 https://www.gesar-travel.com/?p=12509 Verdammt! Der Blick aus dem Fenster nach dem Aufstehen hat dem Himmel entsprechend trübe gestimmt. Es regnet! Und das genau an dem Tag an dem wir dringend, wirklich dringend, gutes Wetter brauchen würden. Denn am Programm steht der Vashlovani Nationalpark in Kachetien, dessen Jeeppisten bei Regen nicht nur schnell verschlammt sondern richtiggehend unter Wasser stehen. Dabei hatte ich gestern noch insbrünstig gen Himmel geschrien und den Wettergott angefleht der eh schon schlechten Wettervorhersage einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Die miese Wetterlaune steigt beim Frühstück zum Glück. Bei dem Anblick absolut verständlich. Nicht wahr? (Das Foto entstand bevor noch weitere Köstlichkeiten serviert wurden.)

Vashlovani Nationalpark und Sowjet-Militärflughafen

Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

 

… und was ist passiert? Beim Losfahren ist der Regen versiegt und bis wir im Nationalpark ankommen, sind so gut wie alle Wege wieder halbwegs trocken und damit gut befahrbar. High Five gen Himmel! Danke, werter Wettergott! Schon am Weg zum Vashlovani Nationalpark ändern sich die Landschaften rasant. Anfangs toskanaähnlich, dann wieder weit und steppengleich, es folgen Hügel und schließlich mehr oder weniger bare Felslandschaften, mal Sandgestein, mal andere Steinformationen, die einer Geologie-Laiin wie mir nichts sagen. Mit von der Partie sind nicht nur unser Geschäftspartner für Georgien, Zviad, sondern auch ein lokaler Guide namens Giorgi, ein immer-fröhlicher junger Mann, der ganz offensichtlich nicht nur alle Wege des überaus verwirrenden Jeep-Pisten-Netzes, sondern auch alle Pflanzen und Tiere des Nationalparks zu kennen scheint. Menschen treffen wir hier kaum, nur einige Ranger. Dafür aber unzählige Landschildkröten, die wir wiederholt von der Straße an den Rand heben müssen, damit wir sie mit unserem schweren SUV nicht zerquetschen.

Neben den langsamen Reptilien gibts aber auch flottere: Echsen und Schlangen. Die Levanteotter und die Sandboa sind die bekanntesten. Größere einheimische Tiere sind Gazellen, Goldschakale, Wölfe, Rohrkatzen und Braunbären. Es gibt sogar Sichtungen von Leoparden, aber sehr sehr wenige. Die Gazellen wurden während der Sowjetzeit so erfolgreich gejagt, dass sie bis vor der Wiedereinführung vor ein paar Jahren hier gänzlich ausgestorben waren.

Ich mag die Eintönigkeit von weiten Ebenen. Doch schon bald ändert sich die Landschaft gravierend.

Man erinnert sich zeitenweise in die Kulisse von Winnetou-Filmen versetzt.

Über Jahrhunderte waren georgische Wachleute an den Bergketten stationiert, um durchziehende Karawanen zu erkennen und Zölle für ihre Waren abzukassieren.

… und schon wieder eine komplett andere Landschaft. Sanft geschwungene Hügel mit wilden Pistazien-, Wacholder- und Granatapfelbäumen.

Die Russen haben im Vashlovani-Nationalpark Yuccapalmen im großen Stil angebaut. Heute wachsen sie noch immer, genutzt werden sie aber nicht mehr.

Und hinten am Horizont liegt schon Aserbaidschan.

Faltiges Minigebirge übersät von kleinen Baumtupfen.

Hier muss man einfach Panorama-Bilder schießen.

Wir haben die Schildkröte beim Trinken über Minuten beobachtet und festgestellt, dass die Tiere nicht nur beim Gehen sondern auch beim Wassernehmen überaus langsam sind. Ich könnte dem Leser jetzt auch erzählen, dass das oben kein Foto sondern ein Video ist. Ein Unterschied wäre nicht zu erkennen.

… und dann ein Kontrast, der größer nicht sein könnte

Am Weg zurück halten wir auf der Ebene von Shiraki. Was ich aus der Ferne als großes Dorf wahrgenommen habe, stellt sich beim Näherkommen als riesiger Militärflughafen raus. Seit der Unabhängigkeit Georgiens ist er nicht mehr in Betrieb, soll aber einst der größte Militärflughafen der Sowjetunion gewesen sein. Eine riesige brach liegende Landebahn wird von zig, wenn nicht Hunderten Hangars gesäumt, die von oben nicht wahrgenommen werden, weil sie mit Erde bedeckt wurden und somit von Gras überwachsen sind.

Ich hab mir das natürlich gleich auf Google Maps anschauen müssen, aber die Russen haben wohl extra eine Wolkendecke vorgeschoben, damit man nicht zuviel davon zu sehen bekommt! Die Landebahn und das Straßennetz mit Verbindungen zu den einzelnen Hangars kann man trotzdem gut erkennen.

Bis auf ein Flugzeug haben die Russen alles mitgenommen als sie abziehen mussten. Die Bewohner der umliegenden Dörfer haben nicht nur das Flugzeug gründlich geplündert, sondern auch die unzähligen Gebäude auf dem Areal, von denen kein einziges mehr Fenster oder Türen, geschweige denn irgendein Interior hat. Sie nutzen sie dafür gelegentlich als Stallungen für ihre Tiere.

Die Hangars (ja, das ist tatsächlich die Mehrzahl von Hangar, ich habe es geprüft) werden von den Dorfbewohnern heute als Lager für ihre Ernte genutzt.

Giorgi erzählt uns noch, dass unter dem Flughafen unterirdische Bürogebäude angelegt und angeblich radioaktive Materialien eingelagert wurden. Der Zutritt ist deswegen verboten und der Zugang verbarrikadiert.

 

Hangar von vorne

Am Ende des Tages weiß ich gar nicht, was ich spannender finde: den wirklich wunderbaren Nationalpark Vashlovani oder die derbe Schönheit der Überreste aus einer vergangenen Ära. In jedem Fall ist der Kontrast zwischen diesen beiden Höhepunkten kaum zu übertreffen und eine Kombination für sich, die ich jederzeit wieder machen würde.

Der Regen hat übrigens erst kurz vor Eintreffen beim Hotel wieder eingesetzt. Das hab ich also ziemlich gut ausgehandelt.

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Georgien: Dawit Garedscha & der Wein Kachetiens https://www.gesar-travel.com/georgien-dawit-garedscha-der-wein-kachetiens/ Mon, 15 Apr 2019 16:10:03 +0000 https://www.gesar-travel.com/?p=12431 Ein zweiter eindrucksvoller Tag in Georgien ist fast um. Mein Kopf ist nicht nur voll mit neuen Impressionen sondern auch leicht benebelt von der Weinverkostung im Traumstädtchen Sighnaghi, der Bauch dahingegen gefüllt mit weiteren Delikatessen der georgischen Küche. In Momenten wie diesen beneide ich mich unsäglich um meinen Job 😉

Blick über das Städtchen Sighnaghi, das mich sofort an Italien erinnert hat, mit den schneebedeckten Bergen des Kaukasus in Dagestan im Hintergrund

Der Weinkeller Georgiens: Kachetien

Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

Und schon geht es raus aus Tbilisi. Nicht weil die Stadt nicht schön war, nein, weil es noch so viel mehr zu entdecken gibt. Trotzdem Georgien flächenmäßig nicht sehr groß ist – knapp unter 70.000km2 -, ist es landschaftlich sehr vielfältig. Mein heutiges Ziel: Kachetien, östlich von Tbilisi an der Grenze zu Aserbaidschan, Tschetschenien und Dagestan.

 

Kachetien ist insbesondere für seinen Weinbau bekannt und zählt zu den ältesten Weinanbauregionen der Welt. Erste Spuren des Weinbaus datieren zurück bis ins 6. Jahrtausend v. Chr. Neben Kachetien gibt es noch weitere Anbauregionen, Kachetien ist aber die bedeutendste. Das Klima ist für den Anbau von Weintrauben ideal. Hauptrebsorten sind Rkaziteli, eine weiße Sorte, und Saperawi, eine rote Sorte. Die Besonderheit des georgischen Weins ist seine Herstellung. Weltweit gibt es nur drei verschiedene Herstellungsmethoden – wie ich heute lernen durfte – die europäische, die jüdische und eben die georgische. Die UNESCO hat die georgische Methode sogar zum Weltkulturerbe erhoben. Was die Methode so speziell macht ist die Tatsache, dass der Traubensaft zusammen mit der Maische in riesigen Tongefäßen (Kwewri) bis zum Hals in der Erde eingegraben werden, die mit Holz oder Schieferstein abgedichtet und mit Ton und Asche versiegelt werden.

 

Weinverkostung in Sighnaghi. Drei verschiedene Weine durfte ich kosten – 2 verschiedene Weißweine unterschiedlicher Stärke und einen Rotwein, den berühmten Saperavi, als auch die aus Weintrester hergestellte Spirituose Tschatscha. Die leicht gelbliche bis bernsteinfarbene Färbung der Weißweine ist eine weitere Besonderheit der georgischen Weine.

 

Dawit Garedscha: Spuren des alten Christentums in Georgien

Vor dem Versinken in diverse Weingeschmäcker durfte ich in eines der ältesten georgisch-orthodoxen Kloster des Landes eintauchen. Das Koster Dawit Garedscha wurde im 6. Jhdt. n. Chr. gegründet und liegt im Höhenzug von Udabno in der ost-georgischen Steppe direkt an der Grenze zu Aserbaidschan. Der Name des Klosters ist auf den Gründervater Dawit, einer der 13 Syrischen Väter zurückzuführen, die die Georgier zum Christentum missioniert haben. Nachdem Dawit in Tbilisi gepredigt hatte, zog er sich in die Halbwüste Kachetiens zurück. Bis heute ranken sich zahlreiche Legenden um sein Leben. So soll er mehrere Tage gebetet haben, als plötzlich in der Nähe des Klosters aus dem Felsen Trinkwasser floss. Die noch heute bestehende Quelle nennt sich „Tränen Dawits“.

In den folgenden Jahrhunderten hat sich das Koster nach und nach erweitert. Weitere zugehörige Teile sind unter anderen Bertubani (heute in Aserbaidschan), Zamebuli, Dodorka, Natlismzemeli, Udabno und Tschitschchituri. Sie befinden sich unweit von Dawit Garedscha und in einem nördlich gelegenen Höhenzug bei der offenen Siedlung Udabno. Dorthin musst du unbedingt wandern, auch wenn der Weg teilweise etwas rutschig und steil ist. Und unbedingt Wasser und Kopfbedeckung mitnehmen. Es kann verdammt heiß werden. Dauer der Rundwanderung ca. 1 Stunde.

Das Kloster musste immer wieder schwere Zeiten aufgrund von Invasoren durchleiden, die in der Enthauptung und Tötung von rund 6.000 Mönchen durch den persischen Schah Abbas im Jahr 1615 gipfelten. Die Zahl 6.000 kann angezweifelt werden, scheint es doch nahezu unmöglich, dass dort wirklich 6.000 Mönche gelebt hatten. Vielleicht spielt etwas Übertreibung mit. Viele waren es in jedem Fall.

In der Sowjetzeit wurde das Kloster geschlossen, erst 1990 wurde Dawit Garedscha wieder als Kloster geweiht.

Und hier noch ein paar Bilder von Dawit Garedscha. Damit darf ich noch ein wenig mein schönes Boutique-Hotel nahe Sighnaghi genießen.

Hier sieht man schön die Klausen der Mönche

Blick über den Höhenzug von Udabno, der zwischen Georgien und Aserbaidschan liegt und auf den man unbedingt wandern sollte, um den oberen Teil mit den alten Klausen zu sehen. Wanderung (Rundweg) dauert ca. 1-2 Stunden (es kann heiß werden, also unbedingt Kopfbedeckung und Wasser mitnehmen!)

Fresken in den oberen Klausen am Höhenzug. Leider arg in Mitleidenschaft gezogen – durch Invasoren und auch übermütige Jugendliche

Mehr Wandmalereien

Landschaft am Weg zum Kloster

Salzsee am Weg nach Dawit Garedscha

 

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Georgien und Tbilisi (Tiflis) https://www.gesar-travel.com/georgien-und-tbilisi-tiflis/ Sun, 14 Apr 2019 14:58:29 +0000 https://www.gesar-travel.com/?p=12343  Angekommen in Georgien. Der erste Blick aus dem Flugzeug fällt auf eine riesige Werbetafel für ein Casino: Shangri La. Verheißungsvoller Name mit wohl eher geringen Chancen für SpielerInnen das wirklich große Geld darin zu machen. Trotzdem kommen Hunderttausende Gäste jährlich aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Georgien, um hier ihr Glück am Spieltisch oder -automaten zu versuchen. Gewinner sind aber vor allem die Casinos selbst und der Staat. Mein Shangri La aber suche ich nicht im Casino, sondern gleich am ersten Tag beim Eintauchen in die spannende Welt der Hauptstadt Georgiens: Tbilisi oder Tiflis, wie man es im deutschen Sprachraum nennt.

Das Casino ist nicht mein Shangri La. Die Stadt Tbilisi kommt dem schon viel näher.

Traumstadt Tbilisi

Ein Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

Der im Deutschen gebräuchliche Name Tiflis kommt entweder aus dem Türkischem oder Persischem, ganz klar ist es nicht. Tatsächlich hieß Tbilisi von 1845 bis 1936 sogar offiziell Tiflis. So falsch liegt man damit also nicht. Im Georgischen bedeutet tbili „warm“ und tbilisi soviel wie „warme Quelle“, was uns direkt zur Legende rund um die Gründung der Stadt führt, in der rund ein Drittel der gesamten georgischen Bevölkerung lebt (ca. 3,7 Mio in ganz Georgien, in Tiflis 1,11 Mio).

Die Legende: König, Falke & Fasan

Der Gründungslegende von Tbilisi zufolge soll der König Wachtang Gorgassali (446-502) dort wo heute die Hauptstadt Georgiens liegt mit seinem Falken nach einem Fasan gejagt haben. Sein Falke als auch der anvisierte Fasan verschwanden jedoch in einer Schlucht. Der König hat sich mit seinem Gefolge auf die Suche nach den beiden begeben und sie schließlich an einer heißen Quelle gefunden. Der beeindruckte König ließ die Quelle untersuchen, erkannte in ihnen eine heilende Kraft und beschloss hier seine Hauptstadt zu bauen.

Tatsächlich sprudeln in Tbilisi schwefelhaltige heiße Quellen, deren Kraft man bis heute in architektonisch eindrucksvollen Badehäusern zu schätzen und nutzen weiß.

Pulsierender Schmelztiegel

Das Bild der Stadt ist unglaublich bunt. Einflüsse verschiedenster Kulturen, Religionen, politischer Strömungen, geschichtlicher Ereignisse und moderner Entwicklungen haben ein unfassbar vielfältiges und doch stimmiges Kunstwerk geschaffen. Tbilisi ist soviel, so vielschichtig, dass es mir schwerfällt es mit mir anderen bekannten Städten zu vergleichen. Es ist Paris, Prag, Delhi, Teheran, Moskau, Istanbul und Berlin gleichermaßen und doch einfach nur Tbilisi. Es braucht keine Vergleiche. Es ist was es ist. Eine unsäglich schöne, vibrierende, heterogene, historische und unglaublich moderne Stadt, ein Schmelztiegel verschiedenster Einflüsse, ein Beispiel dafür wie schön Vielfalt sein kann.

Durch dieses Wunder fließt der Mtkwari, den die Russen Kura nennen, von West nach Ost. Nördlich des Flusses befinden sich die am meisten fotografierten Motive der Stadt. Rechts bzw. südlich des Flusses liegen der Heilige Berg Mtazminda (720m), die alles überblickende Mutter Georgiens Kartlis Deda, eine 20m hohe Statue, die in der rechten Hand ein Schwert gegen Feinde und in der linken eine Trinkschale mit Wein für Gäste hält, die eindrucksvolle omnipräsente Festung Narikala, die für Fußfaule auch per Seilbahn erreichbar ist, und die wirklich unvergesslich schöne Altstadt. Verbunden sind beide Flussseiten unter anderem durch die Friedensbrücke, die augenscheinlich auffällt. Die ultramoderne erst 2009/10 errichtete Brücke steht symbolisch für das für Tiflis typische und so harmonische Hand in Hand des Alten und Neuen. Enge mit Kopfsteinpflaster durchzogene Gassen, die von alten georgischen Häusern mit aufwändigen Holzbalkonen gesäumt sind, jahrhundertealte orthodoxe Kirchen nebst Sowjetbauten und dem neuen kultur- und kunstliebenden modernen Georgien.

Ein Must ist ein Eintauchen in die Kaffeehäuser und Restaurants der Stadt, die eine bunte Kollage aus Graffiti, orientalischem Flair und Vintage-Style sind. Ein überaus sättigender und erfüllender, aber gar nicht notwendiger Augenschaus, ist doch die georgische Küche schon Befriedigung genug. Bei Khachapuri, Chinkali, Lobio, Pchali und Co würde ich auch im düsteren Keller glücklich und froh speisen.

Was ich noch gaaaanz toll an Tbilisi finde: es gibt hier unheimlich viele Katzen. Nach den ganzen hundevollen Städten und Dörfern der vergangenen Jahre ist das wahrer Balsam für die katzenliebende Seele.

Nicht so toll, sondern eher traurig, finde ich, dass es hier eine ziemliches Problem mit Altersarmut gibt und alte bettelnde Menschen leider auch Teil des Stadtbildes sind. Gar nicht aufdringlich. Einfach nur herzzerbrechend.


Interessanteste Info des Tages für mich persönlich

 

Die Frau am 50 Lari-Schein (Lari [GEL] ist die georgische Währung) nennt sich interessanterweise König Tamar. Nein, nicht KönigIN Tamar. Die Georgier sprechen bewusst mit männlichem Monarchstitel von ihr, weil sie ihrer Meinung nach einem König in nichts nachsteht. König Tamar wird von den Georgiern bis heute hoch gepriesen. Ich persönlich finde den Grund für ihre „Vermännlichung“ eine schräge Argumentation und kann dem nicht beipflichten und werde definitiv nicht als König von ihr sprechen, denn auch als Königin kann sie sich sehen lassen: Königin Tamar (geb. 1160, gestorben 1213) war Herrscherin über das mittelalterliche Georgien und führte es im Goldenen Zeitalter auf den Höhepunkt seiner Macht. Tamar modernisierte Politik, Wirtschaft und Kultur. Staatliche Proklamationen wurden nur noch nach Absprache mit dem Adelsparlament Darbasi verkündet. Auf lokaler Ebene schuf sie Gerichte, gegen deren Entscheidungen Widerspruch bei einem Obersten Gerichtshof eingelegt werden konnte. Sie schaffte die Todesstrafe und die Verstümmelung von Straftätern ab, ließ Kirchen und Klöster errichten, unterstützte Wissenschaftler, Dichter und Künstler. Alles in allem definitiv eine tolle und bewundernswerte Frau. (das lass ich jetzt mal fett stehen)

Es gäbe noch so viel zu schreiben. Soviele Eindrücke, so viel dazugelernt. Doch nichts kann den Charme einer Stadt besser vermitteln als Bilder von dort. Also: Scroll dich. Tauch ein. Sei kurz da. Und wenn das nicht reicht. Dann komm!

Altes georgisches Haus mit mediterranen Pflanzen

Der eigenwillige Uhrenturm, der vom hiesigen Marionettenspieler erbaut wurde.

Die Berikaoba-Skulptur ist ein beliebtes Fotomotiv

Graffiti, Graffiti, wohin das Auge blickt. Wunderbar!

 

Der Falke des Königs Wachtang mit erlegtem Fasan aus der Gründungslegende vor den Badehäusern der Stadt.

Auch die ganz kleinen Graffitis haben es mir angetan.

Die engen Gassen der Altstadt sind ein absolutes Must See.

Beliebte Unterkunft junger Backpacker: Fabrika. Gar nicht so billig, aber hipp.

Am Flohmarkt

Nicht Intimissimi-Unterwäsche, nein, die georgische Schrift hat es mir angetan.

Badehaus im iranischen Stil nebst georgischem Haus.

Khachapurito – ähnlich der bekannteren Khachapuri – georgische Flade mit Käse und Gemüse gefüllt.

Georgisch-Orthodoxe Kirche mit prachtvollen Blüten

Das alte Tbilisi – vermutlich um 1900

Ein bissl Georgisch sollte man sich schon merken

Ich mag das Neue auf Altem

Same here

La Opera

Bettelnde Gruppen von Roma sind ebenfalls Teil des Alltags

König Wachtang mit Blick auf die Festung Nakila

Georgier lieben ihren Wein.

Café Leila. Sehr leckeres vegetarisches Restaurant.

Sogar Toiletten sind in Tbilisi einfach nur schön (manche 😉 )

Ich kenne den Piros-Man nicht – vielleicht ist er der georgische Supermann – aber ich mag ihn.

Radfahren in Tbilisi? Warum nicht?

Die alten Badehäuser in der Altstadt sind unbedingt einen Besuch wert.

Kann man von solchen Häusern je genug bekommen?

Phkali. Schwer auszusprechen. Dafür sehr gut auf der Zunge.

Nettes Restaurant in der Altstadt. Café Linville.

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Wie sicher ist der Iran für Frauen? https://www.gesar-travel.com/wie-sicher-ist-der-iran-fuer-frauen/ Wed, 10 Apr 2019 10:35:37 +0000 https://www.gesar-travel.com/?p=12206 Wenn man an den Iran denkt, verbindet man damit häufig verschleierte Frauen und ein Frauenbild, das dem der Männer nicht gleichgestellt ist. Als europäische Frau, die in den Iran reisen will, sollte man sich im Vorfeld mit ein paar Dingen auseinandersetzen. Wir sind dir dabei gerne behiflich.

Wie sicher ist der Iran für Frauen?

 

Generell gilt der Iran als ein recht sicheres Reiseland, und viele Frauen reisen ohne Probleme sogar alleine durch den Iran. Die meisten alleinreisenden Frauen berichten davon, dass der Iran für sie eines der sichersten Reiseländer überhaupt empfunden wurde.

Als westliche Frau muss man damit rechnen, dass man in der Öffentlichkeit angestarrt wird. Meist hat dieses Anstarren aber mit Interesse und Neugier zu tun. Wir raten dir dazu, das Starren zu Ignorieren und ihm vor allem nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken.

In den iranischen Großstädten gibt es eigene Touristenpolizeistationen, an die du dich wenden kannst, wenn du Hilfe oder Informationen benötigst.

In größeren Städten ist man den Anblick von allein oder in Gruppen reisenden Frauen schon eher gewohnt und man wird von Einheimischen und Familien freundlich begrüßt. Trotzdem sollte man sich an ein paar Regeln halten.

 

Nicht alle Frauen im Iran verhüllen sich so stark.

Wie du dich kleiden solltest

Gemäß den vorherrschenden islamischen Regeln müssen Frauen alle Körperteile (und Haare) mit Ausnahme von Gesicht und Händen bedecken. Religiöse Frauen im Iran tragen meist einen Tschador, ein schwarzes Gewand, das den Körper von Kopf bis Fuß bedeckt ist. Die meisten Frauen aber ziehen es vor, eine Art Mantel, den Manteau, zu tragen, der lang, kurz, eng, locker und in verschiedenen Farben sein kann (allerdings nicht zu kurz oder zu eng). In jedem Fall darf der Manteau nicht kürzer als 10cm über dem Knie sein. Der dazu über den Kopf kann auch bunt sein. Tatsächlich hat die Kleidung von Frauen im Iran eine große Vielfalt an Form und Farbe. Viele Frauen ziehen es vor schwarz zu tragen, weil es formeller ist, besonders bei der Arbeit.

Ausländische Frauen müssen ihr Haar mit einem Schal oder einem Tuch abdecken und sollten lange und lose Blusen mit langen Ärmeln tragen. Hosen und Röcke müssen den Körper bis zu den Knöcheln bedecken. Moderne iranische Mädchen ziehen es vor Jeans zu tragen. Sowohl Sandalan, Stiefel als auch andere Schuhe sind ok.

Kein Körperkontakt mit Männern

Mann und Frau schütteln bei der Begrüßung nicht die Hände, man begrüßt sich nur wörtlich. Im Bus sitzt die Frau neben einer Frau, dem Ehemann oder eben allein. In den U-Bahnen gibt es eigene Frauenabteile, in die man jedoch als Frau nicht zwingend muss. Jeglicher Körperkontakt zwischen Mann und Frau ist in der Öffentlichkeit verboten und sollte man auch als Ausländerin nicht machen.

 

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Was dich erwartet, wenn du eine Familie in Bhutan besuchst https://www.gesar-travel.com/was-dich-erwartet-wenn-du-eine-familie-in-bhutan-besuchst/ https://www.gesar-travel.com/was-dich-erwartet-wenn-du-eine-familie-in-bhutan-besuchst/#respond Fri, 29 Mar 2019 08:19:21 +0000 https://www.gesar-travel.com/what-to-expect-when-visiting-a-family-home-in-bhutan/

Zu Besuch bei einer Familie in Bhutan

Von Ulrike Čokl

Originaltext auf englisch von Ulrike Čokl / Übersetzt von Daniela Luschin-Wangail
Ulli hat alles in allem mehrere Jahre in Bhutan gelebt. Sie hat dort als Ethnologin über traditionelle Praktiken der Gastfreundschaft geforscht. Daher ist sie eine Expertin für das Leben in dörflichen Strukturen in ganz Bhutan. Mit und für Gesar Travel arbeitet sie individuelle und spezielle Reiseprogramme aus, in denen ganz besondere Einblicke in die reiche Kultur Bhutans gewährt werden.

Foto: Marina Beck Photography

Das Gewicht des Verdienstes, der sich aus dem Zufriedenstellen eines Gastes ergbit, kann nicht von einem Pferd getragen werden. 
(Sprichwort aus Bhutan)

“Komm rein, komm rein!” So ruft man mich normal in ein Haus am Land in Bhutan. Je nach dem, wo ich gerade bin, bekomme ich als Willkommenstrunk einen ara (lokales alkoholisches Getränk) oder einen Tee mit ein paar Snacks. Meistens wird dann auch gleich eine Mahlzeit zubereitet, oder sie zumindest angeboten. Der Empfang, donglen, und die Art wie man mit Gästen umgeht, goemgi shongzhag, hängen davon ab welcher Typ von Gast man ist. Es gibt offizielle Besuche und Gäste von hohem Rang, als auch spontane Besuche von Nachbarn. In allen Fällen müssen die Gastgeber großzügig und mitfühlend sein. Die Etikette betreffend gibt es aber Unterschiede, je nachdem wie nah man dem Gast ist. Lamas und Beamte hohen Rangs beispielsweise werden oft zum am Weg mit dem Willkommenstrunk ara und Snacks begrüßt. Manchmal wird diese Empfangszeremonie sogar von Trompetenklängen begleitet. Man bringt sie dann direkt in den choesham (Altarraum) und heißt die hohen Gäste auf weichen Matten Platz zu nehmen.

Aber eigentlich möchte ich davon erzählen, wie du als ausländischer Gast empfangen und behandelt wirst, damit du einen Einblick in die bhutanische Gastfreundschaft bekommst.

Ara – der Willkommenstrunk. Foto: Wulff Hoerbe

Essen in einem bhutanischen Zuhause

Wenn du zu einem bhutanischen Haus am Land kommst, wird dein Guide an der Haustür nach der nangi aum (Hausfrau) rufen, oder, falls er die Familie bereits im Vorfeld kontaktiert hat, werden sie dich bereits draußen empfangen. Normalerweise bitten wir die Gastgeber unsere Gäste in der Küche zu bewirten, weil es dort viel spannender ist zu sehen, was in einer bhutanischen Familie passiert. Außerdem ist es üblicherweise der wärmste Raum im Haus, weil dort ja auch meistens am Lehm- oder Metallofen gekocht wird. In traditionellen Häusern gibt es weder Sessel noch Tische. Du sitzt also auf Teppichen oder dünnen Pölstern. Reichere Familien haben häufig eigene Räume mit Sofas und niedrigen Tischen, um ihre Gäste unterzubringen. Wir finden aber, dass es viel netter und interessanter für unsere Gäste ist in der Küche zu sitzen, wo immer etwas los ist, wo das Essen zubereitet wird und anderes passiert. Unsere Guides sind angehalten die Familienmitglieder mit Namen vorzustellen, weil das sonst in Bhutan nicht üblich ist. Sollte dein Gast vergessen dir die Familie vorzustellen, erinnere ihn ruhig daran. Beim Sitzen musst du dir keine Sorgen machen, wenn du nicht mit überkreuzten Beinen sitzen kannst. Frag deinen Guide in dem Fall in welche Richtung du die Beine ausstrecken kannst ohne jemanden zu beleidigen. Das Ausstrecken der Beine in Richtung von Menschen oder religiösen Räumen/Statuen ist nämlich verpönt. Die Bhutaner sind aber auch sehr verständnisvoll und wissen, dass es für Ausländer oft schwierig ist in der ihnen üblichen Position am Boden zu sitzen. Es ist ihnen vor allem wichtig, dass du dich wohl fühlst und Mitgefühl geht immer vor. Wann immer du nicht sicher bist, wie du dich verhalten sollst, frag deinen Guide!

Vor deiner Ankunft in einem bhutanischen Zuhause hat dein Guide bereits ein Gastgeschenk, chom, besorgt. Das ist Teil der Tradition in Bhutan und hängt von der Jahreszeit und der besuchten Region ab und kann Öl, Zucker, Salz, Kekse, Gemüse, Kerzen, Fleisch, Räucherstäbchen oder Öl für Butterlampen sein. Natürlich kannst auch du ein Geschenk aus deinem Heimatland mitbringen. Darüber freuen sich die Gastgeber besonders. Aber Achtung: Gastgeschenke dürfen nicht an der Türschwelle übergeben werden. Das würde als schlechtes Omen gesehen werden. Warte bis du sitzt und ara oder Tee bekommen hast, bevor du dein Geschenk übergibst. Meistens wird die Familie das Geschenk ungeöffnet weglegen und nicht viel Interesse zeigen, weil ein anderes Verhalten als unbescheiden gewertet werden würde. Wer auf ein Geschenk zu aufgeregt reagiert gilt als gierig. Allerdings ändern sich diese Regeln auch langsam. Wenn deine Gastgeber aber nicht auf den ersten Blick über das Geschenk glücklich scheinen, mach dir keine Gedanken. Sobald du weg bist, werden sie sich mit viel Neugierde an deinem Geschenk freuen.

Wenn das Essen serviert wird, wirst du vermutlich überrascht sein. Es wird dir eine Vielzahl an verschiedenen Gerichten und von allen sehr viel serviert. Die Gastgeber aber werden nicht mit dir essen. Das hat aber nichts damit zu tun, dass sich die Gastgeber dir unterwerfen oder sich minderwertig fühlen, wie es vielen ausländischen Gästen erscheint. Vielmehr ist es ein Bestandteil der bhutanischen Etikette und eine Vorstellung von Höflichkeit. Also fühl dich deswegen nicht schlecht oder komisch. Du kannst ja vorschlagen, dass sie am nächsten Tag mit dir gemeinsam essen, solltest du über Nacht bleiben. In Bhutan isst man mit den Händen. Also darfst du ruhig auch das Besteck weglassen und dich in bhutanischem Essverhalten versuchen.

Es ist ein wichtiger Bestandteil der bhutanischen Gastfreundschaft den Gast anzuhalten mehr zu essen. Allerdings haben inzwischen viele Homestays gemerkt, dass die meisten Ausländer nicht so viel wie Einheimische essen können, besonders wenn es um Reis und Chilli geht.  Trotzdem kann es sein, dass sie dir wiederholt anbieten deinen Teller und deine Tasse nachzufüllen. Je mehr du isst, desto glücklicher werden deine Gastgeber sein. Sie werden es aber auch verstehen, wenn du nicht so viel schaffst. Meine persönliche Empfehlung: Beim ersten Mal weniger nehmen und dafür das Nachreichen akzeptieren. Das macht die Gastgeber glücklich.  Bei den Getränken sind 1-2 Nachfüllungen ein Muss. Falls dir das zuviel ist, trink einfach nicht alles aus. Man wird dir schon nach ein wenig sippen die Tasse nachfüllen.

Nach der Beendigung der Mahlzeit haben viele den Drang aufzustehen und beim Abwasch zu helfen. Tu es nicht! Die Familie würde sich seltsam fühlen und es ist unangebracht, dass sich Gäste, nachdem sie gerade erst angekommen sind, bei der Hausarbeit einbringen. Beim Guide und Fahrer ist das etwas anderes. Sie sind der Familie üblicherweise nicht unbekannt. Wenn du ein oder zwei Nächte bei der Familie verbracht hast wird alles etwas lockerer gesehen. Nur beim ersten Essen einfach mal locker lassen!

Während man in Europa nach dem Essen meist entspannt und weiter trinkt und miteinander plaudert, ist das keine Tradition in Bhutan. In Bhutan trinkt und plaudert vor dem Essen und nach dem Essen verabschiedet man sich üblicherweise recht schnell. Aber auch das ändert sich langsam. 

Das traditionelle Abschiedsgeschenk, soera, ist meist ein Trinkgeld für die Gastfreundschaft an die Gastfamilie. Wenn du zu Besuch bist wird dein Guide das übernehmen, aber natürlich darfst du beim Verabschieden der Hausfrau auch eine Geldnote per Händedruck übergeben. Sie wird es aus Höflichkeit ablehnen und du musst darauf bestehen, dass sie es nimmt, denn so ist das „Spiel“. Im Gegenzug werden sie dir vielleicht ein kleines Abschiedsgeschenk in Form von Käse, Butter oder Früchten überreichen. 

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10 Dinge, die du in Bhutan sehen / tun solltest https://www.gesar-travel.com/10-things-you-have-to-do-see-in-bhutan/ Mon, 18 Mar 2019 10:02:45 +0000 https://www.gesar-travel.com/10-things-you-have-to-do-see-in-bhutan/ Ullis Liste, der 10 Dinge, die man in Bhutan gesehen und gemacht haben sollte

Von Ulrike Čokl



Originaltext auf englisch von Ulrike Čokl / Übersetzt von Daniela Luschin-Wangail
Ulli hat alles in allem mehrere Jahre in Bhutan gelebt. Sie hat dort als Ethnologin über traditionelle Praktiken der Gastfreundschaft geforscht. Daher ist sie eine Expertin für das Leben in dörflichen Strukturen in ganz Bhutan. Mit und für Gesar Travel arbeitet sie individuelle und spezielle Reiseprogramme aus, in denen ganz besondere Einblicke in die reiche Kultur Bhutans gewährt werden.

Es ist nicht einfach für mich nur 10 Plätze und Attraktionen in Bhutan zu nennen, die es unbedingt wert sind besucht zu werden, nachdem ich so viel Zeit in den letzten 18 Jahren dort verbracht habe. Trotzdem werde ich versuchen meine lange Liste der Dinge, Plätze und Aktivitäten, die ich liebe, für Menschen, die das Himalaya-Königreich noch nicht kennen zu kürzen. 

 

1 Taktsang Gonpa

Das Tigernestkloster

Es führt kein Weg an ihm vorbei. Das Tigernestkloster ist zweifellos eine der bekanntesten Attraktionen des Königreichs und für die meisten BesucherInnen einfach nicht möglich es auszulassen. Ich war so glücklich Taktsang mehrfach besucht haben zu können, bevor es zum Touristenhotspot Nummer eins wurde. Nichtsdestotrotz ist der erste Anblick beim Aufstieg auf das Taktsang Koster bis heute für mich jedes Mal ein besonderes Erlebnis. Ich empfehle allen möglichts früh am Morgen auf das Kloster zu gehen. Vielleicht bereits um 6 Uhr morgens oder gar früher. Auf diese Weise kannst du den Platz so erleben wie er angedacht war: ein abgelegener Rückzugsort zur friedvollen und ruhigen Kontemplation und Meditation.


 

2 Dzongs – Festungen mit Geschichte

Punakha Dzong

Ich liebe die Dzongs Bhutans, da sie wahre architektonische Kunstwerke sind und sich wunderbar in ihre Umgebung einbetten. Sie wurden in der Vergangenheit ohne den Einsatz von Metallnägeln, nur mit Holz, Stein und Lehm gebaut. In jedem der 20 Bezirke steht ein Dzong, einige sehr alt, einige etwas neuer. Wenn ich Paro anfliege und dabei den ersten Blick auf Rinpung Dzong werfe, werde ich jedes Mal sentimental. Wangdue Phodrang Dzong war mein liebste Dzong, ist allerdings vor einigen Jahren niedergebrannt. Es war ein sehr authentisches Beispiel für diese Festungen und wird derzeit renoviert. Jedoch auch das Punakha Dzong ist sehr eindrucksvoll und lädt gleichzeitig zu Spaziergängen in der Umgebung ein, bspw. indem man die längste Hängebrücke quert und Homestays inmitten der Felder und am Fluß besucht. Jakar Dzong in Bumthang, als auch Lhuentse Dzong und Trashigang Dzong im East sind ebenfalls beeindruckend und einen Besuch wert.


 

3 Wanderung auf einen Bergpass

Foto: Marina Beck Photography

Wenn du auch keine Zeit für einen richtigen Trek hast, gibt es trotzdem einige Möglichkeiten hinauf auf einen Pass zu wandern, um die Bergriesen des Himalaya zu bewundern.  Die meisten Bhutaner gluaben, dass die Gipfel Wohnorte von Schutzgottheiten, den kyelha sind. Wanderungen auf Pässe können ein paar Stunden bis zu einem ganzen Tag dauern. Meistens sind die Pässe mit chorten (buddhistischen Schreinen) versehen und mit Gebetsfahnen dekoriert. Daneben finden sich Steinhaufe, sogenannte latshe, wo man den Göttern Opfergaben in Form einer Blume, eines Blattes oder Zweigs hinterlassen kann. Wenn Bhutaner auf einen Pass kommen, rufen sie laut “lha gyelo” (“die siegreichen Götter” oder “mögen das Gute über das Böse siegen”),  und schenken den lokalen Gottheiten ein paar Tropfen aus ihrer Tasse ara (alkoholisches Getränk) bevor sie selbst davon trinken. Auf dem Weg zu einem Pass begegnest du vielleicht Kuhhirten, meist den Älteren eines Dorfhaushalts, die den Auftrag bekommen nach dem Vieh zu sehen. Mit etwas Glück wirst du von ihnen auf eine Tasse Tee oder zu Snacks in ihren temporären Hütten eingeladen. 


 

4 Zeit bei Einheimischen verbringen

Ein bhutanisches Sprichwort besagt: “Der Gast einer Nacht ist wie ein Gott.” Ich bin davon überzeugt, dass jemand, der nicht ein wenig Zeit in einem einfachen bhutanischen Bauernhaus verbracht hat, Bhutan nicht wirklich erlebt hat. Die Gastfreundschaft einer bhutanischen Familie zu erleben ist ein einmaliges Erlebnis. Darüberhinaus ist das Essen in Homestays so viel besser als in Hotels oder Gästehäusern. Du kannst die nangi aum (Frau des Hauses) dabei beobachten, wie sie ihren alltäglichen Routinen nachgeht und selbst ein wenig mit Hand anlegen. Oder du kannst im Altarraum, dem choesham, meditieren und dir das Haus und die Umgebung näher ansehen. Ich rate dir in einem echten Farmstay zu nächtigen und nicht einem, der primär für Touristen ausgezogen wurde. Es gibt viele authentische Häuser, die hie und da Gäste aus dem fernen Ausland aufnehmen und so der Tradition bhutanischer Gastfreundschaft treu bleiben.


 

5 Ein Dorffest

Maskentänze sind großartig, besonders in den Dzongs, wo sie jährlich den Sieg des Guten über das Böse zelebrieren. In Tänzen wird die Geschichte des Buddhismus nachgespielt, wie berühmte Lamas und Heilige in längst vergangenen Zeiten Dämonen und böse Wesen unterworfen haben. Persönlich mag ich kleine Dorffeste lieber, wo man eine Vorstellung davon bekommt, wie solche Veranstaltungen die Gemeinschaft miteinbezieht und die menschlichen Beziehungen im Alltag beeinflussen. Oft ist es schwer den Besuch eines solchen Fests im Vorhinein zu planen, da die Dorfbewohner die Termine oft erst sehr kurzfristig fixieren.

Ein Insidertip: Reise nach Ost-Bhutan in den Wintermonaten (Dezember, Jänner und Feburar) und die Chancen da und dort ein Dorffest mitzuerleben sind wirklich hoch. Du könntest dort sogar einer der resten Touristen sein, die mit dabei gewesen sind.


 

6 Trekking in Bhutan

Foto: Marina Beck Photography

Es bedarf nicht großer Worte: Trekking in Bhutan ist einfach großartig. Die Trekkingrouten sind einzigartig und nicht überlaufen. Auf alten Pfaden wandert man durch Rhododendron- und Koniferenwälder, vorbei an Wacholderbüschen und Bambuswäldern, man passiert chortens, mani Mauern und kleine gonpas (Klöster/Tempel). Auf einigen Trekkingrouten triffst du auf Yak-Hirten, deren Tiere auf Kräuterweiden grasen. Triff auf Dorfbewohner entfernter Täler, wie die Layaps beim Lingshi-Laya-Gasa oder Jomolhari Trek, und trink eine Tasse ara oder Tee mit ihnen. Sowohl Flora als auch Fauna sind atemberaubend und du wirst bestimmt Blauschafe und Wild sehen. Es sei erwähnt, dass dein Gepäck in Bhutan von Mulis und nicht von Trägern getragen wird. Und man schläft üblicherweise im Zelt.


 

7 Kunsthandwerk-Workshop

Foto: Marina Beck Photography

Wenn du Zeit hast und an den richtigen Plätzen bist, nimm unbedingt an einem Workshop zum Erlernen eines Kunsthandwerks teil, wie bspw. Bambusflechten, Weben in Zentral- oder Ostbhutan, oder Thangka-Malen im Westen. Es ist ein wunderbarer Weg mehr über die lokalen Traditionen der Bhutaner zu erfahren. Gleichzeitig bekommst du hautnah mit, wie aufwändig die Herstellung eines Kunsthandwerks sein kann. Die Ernte und das Sammeln von wildem oder kultiviertem Rohmaterialien und die spätere Verarbeitung sind oft zeitaufwändige und anstrengende Tätigkeiten.

Darüberhinaus unterstützt du durch die Teilnahme an lokalen Workshops die Künstler direkt. Damit hast du gleich doppelten Nutzen: Du lernst etwas über die Kultur des Landes und unterstützt den Fortbestand eines wertvollen Kulturguts.


 

8 Zhemgang

Foto: Marina Beck Photography

Ich liebe Zhemgang. Es ist abgelegen, kaum besucht und liegt im subtropischen Teil des Süden Bhutans und bietet die Möglichkeit den Royal Manal Nationapark zu besuchen. Hier gibt es eine Fülle an Vogelarten, von denen selbst ich mit meiner Handykamera recht gute Fotos schießen kann – bspw. vom Nashornvogel. Die Einheimischen sind liebenswürdig, etwas zurückhaltend, aber sehr gastfreundlich und lustig sobald das Eis gebrochen ist. Die meisten Häuser sind noch sehr traditionell, aus Bambus und auf Stelzen. Wenn du abenteuerlich und nicht sehr wählerisch was die Unterkünfte angeht, dann ist Zhemgang auch für dich ein perfekter Platz zum Entdecken. Besuche Bauern, mach eine Vogelsafari oder geh auf Raftingtour. Genieß die lokale Küche und besuch die Bambusweb-Gemeinschaft in Bjoka.


 

9 Ost-Bhutan

Foto: Marina Beck Photography

Der Osten ist großartig für jene, die weniger touristische Plätze entdecken wollen und tiefer in die lokale Kultur eintauchen wollen. Die Täler sind teilweise tief eingeschnitten und Reisfelder in Terrassen angelegt. Das Klima ist verhältnismäßig mild, da es niedriger liegt. Bananen und Früchte wachsen das ganze Jahr über. Im Winter sind es vor allem die Orangen, die das Land mit orangenen Punkten übersäen. Es gibt viel zu entdecken, besonders in Trashiyangtse, Trashigang und Lhuentse. Du kannst die Lingkhar Lodge als dein Basislager nutzen und die umliegenden Dörfer erkunden. Oder nächtige auch mal bei Bauern und genieße ihre Gastfreundschaft. Im Frühling und Herbst solltest du die Brokpa in Merak und Sakteng besuchen, und im Winter die Schwarzhalskranische im Bumdeling Wildlife Sanctuary beobachten. Es gibt noch immer sehr viele Plätze in Bhutan, die kaum bekannt sind. Wenn du gerne ein Pionier bist, dann genießt du es vielleicht auch, wenn wir dich als „Versuchskaninchen“ in Regionen schicken, wo bislang kaum noch andere Touristen waren. 


 

10 Essen – Picknicken und Kochkurse

Ich mag Chilli und Käse (=ema datshi), aber die bhutanische Küche hat so viel mehr zu bieten. Also lassen wir das Nationalgericht ema datshi mal außer Acht; wenn du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist, kannst du die Früchte des Landes, frisch von den Feldern, aus den Wäldern genießen: Pilze und Kräuter, hausgemachtes Brot aus Buchweizen, Weizenrollen gefüllt mit Knoblauchblättern, Käse und Chilli; Gemüse aus dem Garten und so traditionelle Gerichte wie „Reispizza“, roter Reis und gebratener Farn …  Doch die bhutanische Küche ist nicht rein vegetarisch. Bhutaner lieben sikam (getrocknetes Schweinefleisch), getrocknetes Yak-Fleisch und Rind; Rindsknochensuppe und Brathuhn. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die momos (gefülle Teigtaschen) mit diversen Füllungen. Bumthang gilt als kulinarischer Hotspot, aber auch Plätze wie Zhemgang und Ostbhutan etwas abseits der gängigen Touren hat viel für den hungrigen Magen zu bieten.


 

Einige abschließende Worte für Bhutan-Reisende

Meine Liste der Highlights in Bhutan kann niemals vollständig sein. Einige Aspekte möchte ich zusätzlich erwähnen: Gesar Travel kann spezielle Touren organisieren, bei denen du während deiner Reise einen bestimmten Fokus wählen kannst. Dies kann alles von abgelegenen Dorfbesuchen und Bauernhöfen über Textilien, Pilgerfahrten, Vogelbeobachtung oder traditionelle Medizin, Sowa Rigpa, sein. Lass uns wissen, was dich am meisten interessiert. Vorträge und Führungen mit Experten können arrangiert werden. Zwar können für zusätzliche Aktivitäten zusätzliche Gebühren anfallen, aber so unterstützt du auch lokale Spezialisten und Gemeinden direkt und unbürokratisch.

 

Abseits der ausgetretenen Pfade

In Bhutan gibt es noch so viel zu entdecken. Daher ist es immer gut, auf der Reise offen und flexibel zu bleiben. Es kann mühsam sein, über unbefestigte Straßen zu fahren, um oftmals sehr abgelegene Dörfer zu erreichen. Am Ende stößt du dabei jedoch auf interessante Aktivitäten wie Baumwollanbau und Baumwollweberei in Chimoong, Pemagatshel. Manchmal sind aufgrund von unvorhersehbaren Umständen Ad-hoc-Änderungen erforderlich, aber du kannst dies ruhig als Teil einer authentischen bhutanischen Erfahrung betrachten!

 

Mein Insidertipp

Zu guter Letzt möchte ich dir einen Geheimtipp mit auf den Weg geben: Die Monpa-Gemeinden in Trongsa entlang des Nabji-Korphu-Treks verfügen über ein unglaublich reiches lokales Wissen über Heilpflanzen und Lebensmittel aus dem Wald! Von Blättern bis Wurzeln ist die Auswahl groß. Während die Gäste normalerweise auf ausgewiesenen Campingplätzen übernachten, bringen wir dich in die Häuser der Monpa-Gemeinden! Sie gelten als die Ureinwohner Bhutans mit ihrer eigenen Sprache und ihren eigenen Bräuchen. Zusammen mit einem Monpa-Guide erhälst du so Einblicke in das reiche ethnobotanische Wissen dieser interessanten Menschen und unterstützst sie dabei, ihr lokales Wissen und ihre Kultur zu erhalten.

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Warum Reisen nach Bhutan so „teuer“ sind https://www.gesar-travel.com/why-traveling-to-bhutan-is-regulated-by-a-tariff/ Mon, 11 Feb 2019 09:57:02 +0000 https://www.gesar-travel.com/why-traveling-to-bhutan-is-regulated-by-a-tariff/

Von Ulrike Čokl


Originaltext auf englisch von Ulrike Čokl / Übersetzt von Daniela Luschin-Wangail
Ulli hat alles in allem mehrere Jahre in Bhutan gelebt. Sie hat dort als Ethnologin über traditionelle Praktiken der Gastfreundschaft geforscht. Daher ist sie eine Expertin für das Leben in dörflichen Strukturen in ganz Bhutan. Mit und für Gesar Travel arbeitet sie individuelle und spezielle Reiseprogramme aus, in denen ganz besondere Einblicke in die reiche Kultur Bhutans gewährt werden.

Gibt es beschränkte Touristenzahlen für Reisen nach Bhutan?

Die Anzahl der Touristen nach Bhutan ist nicht durch die Regierung limitiert. Stattdessen wird der Tourismus über ein Tagestarif-System geregelt. Die gute Nachricht: du kannst Bhutan jederzeit als Individual- oder Gruppenreisender besuchen.

Wenn du eine Reise bei einer Agentur deiner Wahl buchst, die mit einem lizensierten bhutanischen Reiseveranstalter zusammenarbeitet, vermitteln sie dir diesen Tarif in deinem Namen. Der Minimum-Tagessatz für Reisen nach Bhutan beläuft sich auf 250 USD in der Hochsaison und auf 200 USD in der Nebensaison. Es werden die Nächte und nicht die Tage gerechnet [1]. Diese Gebühren beinhaltet alle Basiskosten, dh Nächtigungen in Standardhotels (oder Gästehäusern, Homestays, Lodges), Eintritte, Permits, Transporte, einen Fahrer, einen englischsprachigen Guide und drei Mahlzeiten pro Tag. Spezielle Aktivitäten wie Rafting, diverse Kurse (wie Weben, Kochen, Thangka-Malen etc.), Hot Stone-Bäder, Saunabesuche, Meditationsklassen und spezielle Reiseführer (für Themenreisen wie unsere Textilreise) verursachen zusätzliche Kosten. Darüberhinaus sind im Tagessatz Alkohol, Trinkgelder oder Spenden nicht inkludiert.

Achtung: Wenn dir Agenturen einen Preis unter dem reglementierten Tagessatz anbieten, unterbieten sie den vorgeschriebenen Mindesttarif, was nicht nur unethisch ist, sondern auch heißt, dass die involvierten Parteien (Unterkunftsbetreiber, Guides, Fahrer etc.) nicht adäquat bezahlt werden. Das heißt für dich, dass du für dein Geld auch nicht das bekommst, was du dir eigentlich erwarten kannst, bspw. minderwertige Unterkünfte, schlecht ausgebildete Guides, lieblose Standardtouren bei denen Gäste mit dem Bus von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gekarrt werden. Der Schlüssel zu einer schönen Reise ist eine vertrauenswürdige und ethisch arbeitende Agentur. Wir sind stolz darauf, dass wir nicht nur unsere Reisen an die Bedürfnisse unserer Gäste anpassen, sondern auch die beteiligten bhutanischen Mitwirkenden respektvoll behandeln und angemessen bezahlen.

Photo: Marina Beck Photography

Warum ein Tarifsystem?

Experten des bhutanischen Tourismus sagen, dass das vorherrschende Tarifsystem Massentourismus verhindert und die negativen Auswirkungen des Tourismus auf die lokale Kultur und Umwelt dadurch abgeschwächt werden.

Der Tourismus in Bhutan beginnt im Jahr 1974 mit der Krönung des vierten Königs Jigme Singye Wangchuk. Damals wurden die ersten Gästehäuser für ausländische Ehrengäste errichtet, die zu diesem besonderen Anlass eingeladen wurden. Um die neu errichtete Infrastruktur weiterhin nutzen zu können, erlaubte man es ersten Touristen nach Bhutan zu kommen. Gleichzeitig konnten dadurch Einnahmen gemacht, die einzigartige Kultur und Traditionen des Landes der Außenwelt präsentiert und die sozio-ökonomische Entwicklung stimuliert werden. Von Anfang an war der Ansatz des „Mittleren Wegs“ die ideologische und strategische Basis zur Entwicklung Bhutans. Der Tourism Council of Bhutan (TCB – Tourismusrat von Bhutan) erklärt, dass die Tourismusbranche in Bhutan auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit basiert, was bedeutet, dass der Tourismus umweltfreundlich, sozial und kulturell akzeptabel und wirtschaftlich tragfähig sein muss. Rucksacktouristen mit niedrigem Budget schienen diese Kriterien nicht zu erfüllen und wurden als Gefahr für diese Grundsätze angesehen. Die bhutanische Regierung macht sich auch Sorgen, welchen Einfluss unkontrollierte Reisende auf die lokale Kultur und Tradition haben könnten. Der zentrale Slogan des bhutanischen Tourismusansatzes lautet „hoher Wert, geringer Einfluss“.

Man kann viele positive Ansätze hinter der Strategie erkennen und im Großen und Ganzen sind die Auswirkungen durchaus als positiv anzusehen, dennoch gibt es Aspekte die man durchaus kritisieren kann. Beispielsweise sind Touristen aus Indien, Bangladesh und den Malediven vom Mindesttarifsystem ausgeschlossen. Weil Reisen nach Bhutan für Gäste aus diesen Ländern bezahlbarer sind, machen sie inzwischen den größten Anteil ausländischer Gäste aus. Während das Tarifsystem von Bhutanern größtenteils befürwortet wird, stellt sich ihnen nun die Frage ob diese (Low-Budget-)Touristen nun weniger „schadhaft“ als andere ausländische Gäste für die lokale Kultur und Umwelt sind. Die bhutanische Regierung befindet sich derzeit diesen Widerspruch betreffend in einem Prozess der Lösungsfindung.

Fragen und Kontroversen

Warum das Tarifsystem funktioniert

Trotz der Vorbehalte hat das Tarifsystem viele Vorteile. Die Regierung zieht dem Tagessatz eine Nachhaltigkeitsgebühr (SDF – Sustainable Developement Fee) in der Höhe von $ 65 ab, die in das Sozialsystem des Landes geht. Die medizinische Grundversorgung beispielsweise ist für Bhutaner und Langzeitbewohner kostenfrei. Diese Grundversorgung gilt auch für Personen wie mich, die sind über lange Zeiten in Bhutan aufhalten. Auch kleine bhutanische Reiseveranstalter, die auf Qualität, wirkliches Kennenlernen des Landes und Ethik Rücksicht nehmen, profitieren von diesem System. Derart kleine Unternehmen würden in einer sonst harten wettbewerbsliberalisierten Umgebung kaum überleben. Letztendlich entscheiden die Bhutaner selbst, in welche Richtung der Tourismus im Königreich gehen soll. Es liegt an ihnen ihr reiches kulturelles und traditionelles Repertoire und ihre Landsleute ernst zu nehmen, und so ethisch und nachhaltig wie möglich zu arbeiten, um auf diese Weise auch Einkommen für die Landbevölkerung zu generieren ohne diese auszubeuten. Einer dieser Ansätze ist es beispielsweise auch Gäste ab und zu in Farm-/Homestays unterzubringen, was der beste Weg ist, die Gastfreundschaft Bhutans kennenzulernen.

Bhutan ist ein wunderbares Reiseland und unterscheidet sich vielfach von anderen Destinationen – auch dank des Tarifsystems. Wenn du nicht gerade eine 08/15-Standard-Reise gebucht hast, wirst du auch nicht an jeder Ecke auf andere Touristen treffen und folglich wertvolle Zeit mit Einheimischen in deren Dörfern und Städten verbringen. Es gibt einige lokale Agenturen, die genau so arbeiten und wir von Gesar Travel arbeiten gerne mit ihnen zusammen.


[1] Für Touristen, die in einer Gruppe von zwei oder weniger Personen reisen, wird zusätzlich zu den Mindesttagespauschalen ein Aufpreis aufgeschlagen.

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