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Firmen haben keine Gesichter, kein Leben. Sie haben ein Logo, Produkte/Dienstleistungen und Geschäftsbedingungen. Kurzum: Sie erscheinen leblos und künstlich. Doch was sich dahinter abspielt ist durchaus menschlich. Ich will euch die Geschichte hinter Gesar Travel erzählen. Zwei Menschen stehen dabei am Beginn: Daniela & Tashi.

Von Daniela Luschin-Wangail

 

Es war einmal, vor langer langer Zeit ein Mädchen aus Österreich, das auszog, um für seine Diplomarbeit zu forschen. Das Mädchen war ich mit 24 Jahren, Studentin der Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien. Ich habe mir vorgenommen eine Diplomarbeit über die jungen Menschen in Ladakh zu schreiben. Darüber was sie von der Ehe halten, was sich im Vergleich zu ihrer Elterngeneration geändert hat. Dass das Thema Liebe und Ehe mich ganz plötzlich auch persönlich sehr beschäftigen würde, war mir zu Beginn nicht bewusst.

Doch schon während des ersten Flugs nach Ladakh und dem Blick hinunter in die karge Hochgebirgswüste Ladakhs mit nur einigen, wenigen grünen Flecken, die Zeugen dafür waren, dass hier doch Menschen leben konnten, befiel mich das seltsame Gefühl, dass dies meine zweite Heimat werden würde. Erklären konnte ich es mir damals nicht.

Das Schicksal hieß mich Postbotin spielen, denn ich sollte für jemanden aus Österreich ein Paket überbringen. Empfänger war der Mann, der mein Leben von Grund auf ändern sollte. Er war nicht groß, aber gut aussehend. Tashi gefiel mir vom ersten Moment an, doch die Alarmglocken läuteten wie verrückt, denn er war nicht nur gut aussehend, sondern auch Guide. Und wie die Schilehrer in Österreich, haben viele Guides in Ladakh den Ruf Gigolos und Herzensbrecher zu sein. Und darauf hatte ich nun wirklich keine Lust. Also Abstand halten, auch wenn er sehr charmant war und mir mit jedem Lächeln ein klein wenig mehr von meinem Herzen stahl.

Langsam aber begann die Mauer zu bröckeln und irgendwann und – wo wurde daraus Liebe.

 

Erst Hürden, dann die Hochzeitsglocken

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Die Hochzeit in England

Jeder, der schon einmal in einer Beziehung war, weiß, dass nach der ersten großen Phase der Verliebtheit, die Beziehungsarbeit beginnt. Auch Tashi und ich hatten einige Hürden zu bewältigen. Die größte für uns beide war die der unterschiedlichen Herkunft. Was für Paare mit dem selben kulturellen Hintergrund meist selbstverständlich ist, mussten wir uns erkämpfen und ausdiskutieren. Aber irgendwann war das meiste nach mehreren Kompromissen und dem beiderseitigem Erhöhen der Toleranzgrenze auch erledigt.

Es folgten Jahre in denen ich die Sommermonate in Ladakh und Tashi die Winter in Österreich verbrachte. Erst vier Jahre nach unserem Kennenlernen fand die Hochzeit statt. Wir wollten nichts überstürzen. Wir heirateten 2005 in England. Die Versuche in Österreich und Indien – beide Länder hervorragende Bürokraten mit einem Hang dazu, Dokumente zu verlangen, die im jeweils anderem Land nicht existent sind – sind kläglich gescheitert.

Und ich hatte den Entschluss gefasst mit ihm nach Ladakh zu ziehen. Meinen Job gekündigt, meine Wohnung aufgegeben, alles verkauft und verschenkt, mein Konto aufgelöst.

Unsere erste gemeinsame Wohnung in Ladakh hatte ganz traditionell die Toilette draussen, kein fließendes Wasser – das mussten wir immer morgens an der Straße bei einer öffentlichen Wasserleitung holen – und kaum Strom. In kalten Winternächten war jeder Toilettengang und tagsüber jede (Eimer-)Dusche in den unbeheizten Räumen sehr gut überlegt und unabwendbar. Auch das Wäschewaschen (per Hand selbstverständlich) war eine Herausforderung für sich 😉

Seine Familie nahm mich übrigens von Anfang an mit offenen Herzen und Armen auf. Ich musste mir keine Anerkennung, eher das Gegenteil davon, erkämpfen. Denn ich wurde wie eine Prinzessin behandelt. Immer einen Polster griffbereit, dass ich gut sitze. Und sitzen sollte ich, denn arbeiten wollte mich anfangs auch niemand lassen.

 

Die Geburt von Gesar Travel und 1, 2, 3 kleinen Tashis

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Tashi und Daniela vor dem Gesar Travel Büro im Jahr 2005

Schon 2004 hatte Tashi seinen Job als Guide an den Nägel gehängt und sich seinen Traum vom eigenen Reisebüro erfüllt. Von Beginn an hatte ich ihn dabei unterstützt und mit dem Umzug nach Ladakh 2005 auch aktiv mitgearbeitet. Ahnung vom Reisegeschäft hatte ich damals keines. Doch dank Tashis jahrelanger Erfahrungen im Feld als Reiseleiter und meinen Basiskenntnissen im Büromanagment (Handelsakademie sei Dank!) haben wir es geschaft aus dem Nichts eine erfolgreiche Agentur zu schaffen. Damals wie heute ist uns der enge Kontakt zu unseren Gästen sehr wichtig. Mit einigen von damals haben wir noch heute Kontakt.

 

Zum Namen Gesar
Der Name Gesar erinnert an Tashis Großvater, der gerne die großen Geschichten rund um den mythischen Helden Gesar erzählt und gesungen hat. König Gesar ist ein in ganz Zentralasien bis in die Mongolei weit verbreiteter Mythos. Bis heute erzählt man sich besonders an kalten Winterabenden die abenteuerlichen Geschichten rund um Riesen, Götter und Dämonen (meist in gesungener Form).

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Die Wangails: Luis, Tashi, Emil, Daniela & Elvis

2007 erblickte unser erster Sohn Elvis – Ladakhi-Name Konchok Gyaltsen – in Delhi das Licht der Welt. Und mit dem Gedeihen von Tashi Junior wuchs in mir die Sehnsucht nach meiner Heimat. Nach der Saison 2007 zog ich mit Elvis zurück nach Österreich, während Tashi hin und her pendelte. 2011 dann der nächste Sohn: Luis Thayas, geboren mit einem kleinen Extra-Chromosom (Down-Syndrom). Und 2015 der jüngste Nachwuchs, der unsere ladakhi-österreichische Familie komplettierte. Emil Khenrab. Weiterhin verbringen wir die Sommermonate in Ladakh und so wie zu Beginn kümmern wir uns während der Sommermonate um unsere Ladakh-Gäste persönlich.

 

… und nach den Jahren in Österreich ist die Sehnsucht nach Ladakh gestiegen und wer weiß, vielleicht wagen wir auch wieder den Schritt ganz zurück nach Indien 🙂

Ein Blick in unsere private Galerie aus den Anfangsjahren

(die Qualität ist von einigen Bildern allerdings nicht so toll)