Alles ist anders momentan. Auch uns hat die Krise rund um COVID-19 voll erreicht. Wir bearbeiten nicht auf Hochtouren Anfragen und Buchungen, wie üblicherweise zu dieser Jahreszeit. Der Sommer steht vor der Tür, aber niemand traut sich zu verreisen. Verständlicherweise.

Dafür erreichen uns fast täglich beunruhigte Mails und Stornierungen für bevorstehende Reisen. Entsprechend des Pauschalreisegesetzes refundieren wir natürlich alle bisherigen Zahlungen im Falle einer Stornierung. Da wir nicht wissen, wie lange diese Krise noch andauert, haben wir auch beschlossen die Kundengelder nicht mehr anzugreifen, um sie auch garantiert zurückzahlen zu können. Wir wollen in jedem Fall einen Konkurs vermeiden und verdienen unseren Lebensunterhalt derzeit mit Gelegenheitsjobs. In Österreich gibt es zum Glück keine MitarbeiterInnen und damit ist es leichter für uns, die Ausgaben möglichst gering zu halten. Und selbst wenn alle Stricke reissen und wir in Konkurs gehen müssen, alle Kundengelder sind abgesichert, dh du musst dir wirklich keine Sorgen machen, dass du bereits geleistetete Zahlungen nicht zurückbekommst.

Weil es viele Fragen rund um (vor allem im Sommer) bevorstehende Reisen gibt, möchten wir auf die drei häufigsten auch hier eingehen.

Kann ich meine Reise antreten?

Diese Frage lässt sich nicht beantworten. Wir alle können nicht in die Zukunft sehen und wissen nicht, ob Reisen in unsere Destinationen in zwei, drei oder sechs Monaten wieder möglich sind. Wir müssen abwarten und hoffen.

Soll ich jetzt stornieren?

Es besteht kein dringender Handlungsbedarf. Alle Kundengelder sind abgesichert und entsprechend des Pauschalreisegesetz sind kostenfreie Stornierungen bei aufrechten Reisewarnungen und/oder Reisebeschränkungen bis zum letzten Tag möglich. Du musst dir daher keine Sorgen machen.

Was ist mit meinen Flügen?

Wenn wir dir Flüge vermittelt haben, dann können wir diese für dich stornieren. Wie viel du refundiert bekommst, hängt davon ab, wie die Tarifbedingungen deines Flugtickets aussehen. Da aber die Airlines derzeit sehr viele Flüge streichen, ist es am besten nicht voreilig zu stornieren, sondern abzuwarten, ob die Flüge nicht gestrichen werden. Werden Flüge gestrichen können wir kostenlos umbuchen bzw. den full refund einreichen.

 

Unsere Bitte an euch

Selbstverständlich bleibt dieser Handschlag in diesen Zeiten rein virtuell ;-)

Schon seit Beginn an haben wir mit allen unseren Gästen einen sehr persönlichen und freundschaftlichen Umgang gepflegt. Kulante Lösungen waren uns schon immer wichtiger als das Beharren auf den AGBs, dh wir haben schon oft mal ein Auge zugedrückt und nicht die vollen Stornobedingungen zum Einsatz kommen lassen, wenn es mal zu einer Stornierung aus schwierigen Gründen gekommen ist, oder haben den Preis für Reisen bewusst klein gehalten, wenn wir wussten, dass es für die Kundin/den Kunden finanziell schwer war. Daher dürfen wir dich auch jetzt bitten uns in dieser schweren existenzbedrohenden Situation zu unterstützen. Wir bitten dich nicht um Spenden. Aber, du könntest uns helfen, indem du

– bevorstehende Reisen, die du bei uns gebucht hast, auf einen späteren Reisepunkt verschiebst und nicht stornierst. Du musst dich auch nicht gleich auf einen Termin festlegen. Wir können diesen auch offen halten.

– auf eine Rückzahlung verzichtest und dir dafür einen Gutschein ausstellen lässt.

– Werbung für uns machst, die wir uns derzeit nicht leisten können (unser Budget dafür war auch vorher schon sehr klein.)

– schon jetzt eine Reise für 2021 buchst, denn bis dahin wird das doch wohl wirklich ausgestanden sein.

– an uns denkst und uns ganz viel positive Energie schickst 😉

 

Danke und alles Liebe!

Daniela & Tashi

 




Das gastronomische Juwel Delhi

Mein kulinarischer Pfad zur Ekstase

Komm und iss mit Debashree Chatterjee, die uns ihre 10 besten Restaurants in Delhi verrät

 

Das reichhaltige und vielfältige kulinarische Erbe von Delhi spiegelt die Farben verschiedener Kulturen wider, die sich zu einem einzigen lebendigen Mosaik zusammenfinden. Mit vielen gastronomischen Traditionen – das Ergebnis vieler Königreiche und Herrscher, die diese Stadt zu unterschiedlichen Zeiten in der Geschichte zu ihrem eigenen gemacht haben – wird Delhi oft als die kulinarische Hauptstadt Indiens bezeichnet. Delhi hat eine vielschichtige Küche, mit Essen, das nicht nur in Hotels und Restaurants serviert wird. Es gibt unzählige Familienrezepte, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden; und auf Spaziergängen durch die Straßen der Großstadt lockt uns das Essen sogar am Straßenrand. Einwanderer aus nah und fern haben dazu beigetragen, dass unzählige Rezepte, Traditionen und Küchen in Delhi aufgesaugt, angepasst und verfeinert wurden, was Delhi zu einem einzigartigen Zusammenfluss verschiedenster Esskulturen macht. Es wäre eine biologische Sünde sein (eine Redewendung aus meinem Wörterbuch), wenn man seiner Zunge und seinem Magen diesen geschmackvollen Schatz vorenthält, den Delhi im Überfluss anbietet.

Die Stadt verfügt über eine breite Palette an Restaurants, Verkaufsständen, Imbissbuden und Hotels, in denen Gerichte aus ganz Indien für jeden Geldbeutel angeboten werden. Von traditionell bis modern, von noblen Lokalen bis zu einfachen Imbisshütten am Straßenrand, es hat alles zu bieten. Es ist unmöglich dem in einem Artikel gerecht zu werden, trotzdem hier meine kleine Liste der besten 10.

 

KARIM’S, Nizamuddin

Adresse: Shop No.168/2, Hazrat Nizamuddin Basti Near Dargah Hazrat Nizamuddin, Nizammudin West

Das Karim’s befindet sich in einer der ältesten Stadtteile von Delhi und ist eine Ikone, die die wohl beste Mughlai-Küche des Landes serviert. Obwohl die erste Filiale, die 1913 in Alt-Delhi eröffnet wurde, die zahlenmäßig am stärksten besuchte ist, ist meine Lieblingsfiliale die in Nizamuddin. Ein traditioneller holzgetäfelter Speisesaal, auf dessen Menü Speisen wie Shahjahani Kabab, Nargisi Kofta, Biryani Anarkali, Hühnchen Jahangiri und Kheer Benazeer zu finden sind, lässt in mir das Gefühl aufkommen ein Teil der königlichen Familie zu sein und die köstliche Geschichte Delhis zu genießen. Dieser Ort ist historisch, authentisch und der heilige Gral purer Köstlichkeit.

 

OH! CALCUTTA, Nehru Place

Adresse: Ground International Trade Tower, American Plaza, Lala Lajpat Rai Rd, Block “E, Nehru Place
Website: https://www.speciality.co.in/oh!-calcutta.html

Dieses elegante Restaurant serviert bengalische Gerichte und hält den Geist und die Tradition des Ostens lebendig. Authentischer geht Essen kaum. Es duftet nach Fisch, der in Senföl gekocht wird, oder nach Garnelen, die in Kokosmilch gegart wurden. Die in Delhi lebenden Bengalen schwören auf die Authentizität der Küche, besuchen dieses Lokal bevorzugt während der Mittagspause und lassen sich von seinem herrlichen Buffet. Meine Favoriten in den Kochtöpfen sind Loochi, Daab Chingri und Mischti Doi.

 

NAIVEDYAM, Hauz Khas Village

Adresse: 1, Hauz Khas Village, Deer Park, Hauz Khas
Website: https://www.naivedyamrestaurants.in/

Dieses blumengeschmückte, wandbemalte Restaurant in HKV (= Hauz Khas Village) bringt dich direkt nach Südindien. Das Essen ist zu 100% vegetarisch und spiegelt die Essenz einfacher hausgemachter Mahlzeiten wider. Mit unzähligen Dosas, Uttapams und Chutneys auf der Speisekarte fragt sich selbst eine Einheimische wie ich, warum ich viele Namen davon noch nie zuvor gehört habe. Es gibt einfach zu viel Auswahl. Unabhängig davon, ob du ein Risiko eingehen oder auf Nummer sicher gehen willst, du kannst hier einfach nichts falsch machen. Was auch immer du wählst, es wird köstlich und authentisch sein.

 

THE POTBELLY, Shahpur Jat

Adresse: Top Floor, 116 C, behind UCO Bank, Shahpur Jat
Facebook-Page: https://www.facebook.com/ThePotbelly/


Gerichte aus Bihar
gibt es nur selten in Restaurants oder auf Speisekarten, was sehr schade ist. Ein Besuch in diesem schrulligen Restaurant wird dir verraten, was du bislang vermisst hast. Ihr Saboodana-Korb, Aloo Lalu Chop, Litti-Chokha und Tehri sind ein Traum. Wenn du nach einer ausgiebigen Mahlzeit suchst, dann sind die unzähligen Thalis die beste Wahl. Ich versichere dir, dass du diese Entscheidung nicht bereuen wirst. Nicht nur das Essen, auch die Lage des Restaurants ist besonders.

 

KHAN CHACHA
Adresse: 9 outlets; please check website for a convenient location
Website: http://khanchacha.in/

Das ist einer dieser Orte, die man unbedingt gesehen haben muss. Man kommt hier nicht wegen des Dekors oder des Ambiente her … nur des Essens wegen … das traditionelle, gut gekochte nordindische Essen. Saftige Kebabs, leckere Brötchen, sagenhafte Hammel-Nihari und die traditionellen Soßen versprechen mehr als befriedigende Gaumenfreuden. Egal, ob du einen Nachmittagssnack oder ein ordentliches Mittag- oder Abendessen genießen willst, Khan Chacha ist definitiv die richtige Wahl. Auch wenn du auf einen Tisch warten musst, es lohnt sich, denn in jeder der Khan Chacha-Filialen erlebst du ein bisschen Old Delhi.

 

DZUKOU TRIBAL KITCHEN, Hauz Khas

Adresse: E-22, Third Floor,, Hauz Khas Main Market, Kharera, Hauz Khas
Website: http://dzukoutribalkitchen.com/

Schick und authentisch mit traditionellem Naga-Menü erwartet dich dieses Juwel im Herzen von Süd-Delhi. Der Name des Restaurants stammt aus dem Dzukou-Tal in Nagaland, in der äußersten Ecke Indiens. Die nordöstliche Küche ist anders als alle anderen indischen Küchen und authentische Gerichte sind normalerweise schwer zu bekommen. Mit ein Grund, warum ich dieses Restaurant gerne besuche. Alles, was ich hier probiere, schmeckt immer nach etwas Neuem und Einzigartigem. Das Restaurant verspricht der ideale Ort in dieser Megacity zu sein, um deinen Abend bis in die Nacht hinein zu verlängern. Und ich muss zugeben, dass es seinem Anspruch durchaus gerecht wird.

 

SODABOTTLEOPENERWALA, Khan Market

Adresse: 73B, Khan Market, Rabindra Nagar
Website: https://www.sodabottleopenerwala.in/khan-market-3/

Eine warme, einladende Atmosphäre, glückliche Gesichter, eine schrullige Speisekarte und leckeres Essen – dieser Ort bietet alles, was ein Restaurant braucht. Das liebevoll und ästhetisch eingerichtete Café und Bar wurde wiederbelebt und zeigt den verlorenen Ruhm der Parsi-Küche, die seit Jahrhunderten Teil der indischen Gastronomieszene ist. Berry Pulao, Aloo Aunty’s Cutlet und Kolmi Fry sind meine persönlichen Favoriten und ich werde immer wieder zurückkehren, auch wenn es Tausende Restaurants gibt, die mich mit ihren leckeren Speisen locken.

 

CAFÉ LOTA, National Crafts Museum

Adresse: Gate No. 2, National Crafts Museum, Bhairon Marg, Pragati Maidan
Website: https://meltingpotfood.in/cafe-lota/


Dieser charmante Laden, der in einem Museum im Zentrum von Delhi versteckt ist, darf auf keinen Fall fehlen. Das malerische und kunstvolle Café bietet eine zeitgemäße Interpretation regionaler, pan-indischer Gerichte, die selten auf der Speisekarte eines normalen Restaurants zu finden sind. Im Einklang mit dem Museum besticht es durch seinen ländlichen Stil; die einfache gutbürgerliche Küche des Cafés zieht die Besucher des Museums magisch an. Von all den besonderen Speisen aus allen Ecken Indiens sind ihr Bhapa-Doi-Käsekuchen und ihr Palak-Patta-Chaat meine absoluten Favoriten und mein Mund wird wässrig, wenn ich nur darüber schreibe.Das Café Lota ist der richtige Ort, um eine gesunde und herzhafte Mahlzeit zu genießen.

 

INDIAN ACCENT, The Lodhi, Lodhi Road

Adresse: The Lodhi, Lodhi Rd, CGO Complex, Pragati Vihar
Website: https://indianaccent.com/newdelhi/index.php

Dieses raffinierte Restaurant, das traditionellen indischen Gerichten eine zeitgemäße Note verleiht, ist ein Erlebnis für sich. Man fühlt sich wie ein König, der in ein modernes Ambiente aus Glas- und mit Wasser gefüllten Wänden und Decken getaucht wurde. Indian Accent wird in den 50 besten Restaurants der Welt 2019 angeführt und präsentiert eine einfallsreiche indische Küche, indem die Aromen und Traditionen Indiens durch Zutaten aus aller Welt und auf neuartige Weise ergänzt werden. Die meisten, wenn nicht alle, Gerichte, stellen alles andere bislang Gegegessene in den Schatten. Man muss es versuchen, um es glauben zu können. Das Indian Accent kann man jedoch nicht ohne Reservierung besuchen. Eine frühzeitige Buchung wird empfohlen.

 

FARZI CAFÉ, Connaught Place

Adresse: E-38/39, Rajiv Chowk, Inner Circle, Block E, Connaught Place
Facebook-Page: https://www.facebook.com/FarziCafeCP/


Dieses lebhafte Café, das mit molekularen Methoden Aromen der indischen Küche kreiert, zeigt die Liebe des modernen Delhi zur Skurrilität. In seinem Bestreben, die indische Küche wieder in Mode zu bringen, hat es sich zu einem schicken Café entwickelt, in dem die Gäste ein sinnliches Erlebnis anhand feinster moderner indischer Küche in einer energiereichen Atmosphäre genießen können. Mit seinen großen, komfortablen Sitzbereichen hat das Café sowohl auf die Speisenauswahl als auch auf das Dekor geachtet, was besondere Erwähnung verdient. „Farzi“ ist Urdu und bedeutet „etwas, das eine Illusion schafft“, und tatsächlich nomen est omen. Wenn du Gerichte  wie Butter Chicken Bao & Green Chilli Mayo, Kashmiri Morchel-Risotto & Trüffelöl bestellt hast, mag es sein, dass du dich nach dem ersten Bissen schon fragst: „Habe ich das wirklich bestellt? Spielt mir mein Verstand einen Streich? Kann es wahr sein?“

 




Kirgistan: Star im hohen Alter

Irgendwo im Nichts, im Dorf des kirgisischen Riesen Kotschumgul, treffen wir bei der Suche nach einer Unterkunft auf ein auf den ersten Blick unscheinbares altes Mütterchen das eine Mitfahrgelegenheit sucht. Bei uns im Jeep ist Platz und weil die Destination die selbe ist, nehmen wir sie selbstverständlich mit.

Kerimbekova Mirzagul: Star mit über 70 Jahren

Sie ist gesprächig von Anfang an, plaudert fröhlich und mit selbstbewusster Stimme, lacht immer wieder herzhaft auf und kramt schließlich in ihrer Handtasche nach etwas. Das Etwas entpuppt sich als sorgfältig gefaltete Zeitung. Sie entfaltet sie vorsichtig und zeigt und einen ganzseitigen Zeitungsausschnitt in dem es um sie geht: Kerimbekova Mirzagul. Sie sei eine lokale Bekanntheit, mehr noch, sei inzwischen auch erfolgreich als Sängerin auf internationalen Wettbewerben aufgetreten. Ihr Herz gelte aber vor allem der Poesie. Sie dichtet über den Nationalhelden Kotschumgul, die Schönheit Kirgistans und ihre Gedanken über die Entwicklung des zentralasiatischen Staates. Mirzagul ist eine stolze, aber herzliche und vor allem überaus lustige Frau mit inzwischen 71 Jahren. Sie lebt mal bei einem Sohn, mal beim anderen, und scheint sich am Hin und Her gar nicht zu stören, sie ist genauso gerne in Bishkek wie im kleinen Nest Kyzyl-Oi, wohin wir gerade unterwegs sind.

Mit fester Stimme und schwungvoller Gestik beginnt sie laut zu singen, Lieder aus ihrer Kindheit, die sie beim Tierehüten gesungen hat, danach ihre vertonten Gedichte. Ich bin beeindruckt. Leider sind wir schon in Kyzyl-Oi angekommen, aber die nette Poetin willigt ein uns morgen in der Früh nochmals zu treffen, weil wir sie zu gern nochmals treffen und sie beim Singen ihrer Lieder filmen würden. Sie freut sich darauf, küsst mich zum Abschied auf die Wangen und begrüßt ihre Enkelin, die ihr bereits entgegengelaufen kommt.

Kerimbekova Mirzagul mit sowjetischem Ehrenabzeichen in jüngeren Jahren

Am nächsten Morgen lädt sie erst zum Tee und erzählt aus ihrem Leben. Sie habe 10 Kinder, nach dem siebten habe sie ein Verdienstabzeichen für besondere Dienste am Fortbestand der sowjetischen Population erhalten. Stolz zeigt sie mir ein Foto, das sie mir später schenkt. Ihr ganzes Leben habe sie ihren Kindern gewidmet. Das erzählt sie nicht wehmütig oder mit dem Eindruck, sie hätte sich für die Kinder aufgeopfert, sie strahlt bei ihren Schilderungen und blickt glücklich auf die vergangene Etappe zurück. Erst mit 67 Jahren habe sie beschlossen das zu tun, wofür ihr Herz eigentlich schlägt: zu dichten, zu singen und auch Parodien zu machen. Sie parodiert gerne andere Menschen und imitiert gekonnt und mit vollem Körpereinsatz die jungen Rapper aus Bishkek. Stolz zeigt sie uns Urkunden und Fotos von ihrer Teilnahme an Gesangswettbewerben auf nationaler und internationaler Ebene. Dazwischen schenkt sie ihrem Enkel eine Tasse Schwarztee ein und süßt ihn mit drei gehäuften Teelöffeln Zucker. Sie ist ja auch gerne umsorgende Großmutter für ihre vielen EnkelInnen.

Nachdem wir unsere obligatorischen Tassen Schwarztee getrunken haben, machen wir uns auf dem Weg nach draußen, weil sie uns dort ein, zwei Lieder vortragen wird und wir sie dabei filmen dürfen. Was wir damit machen, will sie wissen. Wenn sie möchte, können wir es gerne veröffentlichen, antworten wir. Gerne, aber wir sollten ihr in jedem Fall den Link schicken. Sie gibt uns die Telefonnummer ihres Sohnes in Bishkek und beginnt wie eine geborene Diva zu singen. Ihre Stimme hallt über die karge Landschaft und quer durch das Dorf, sie stört sich nicht an vorbeireitenden Dorfbewohnern und meint nur, sie sollen die Aufnahmen nicht behindern, ein internationales Team sei hier, um sie zu filmen. Lacht lauthals und macht weiter. Die Lebensfreude und der Stolz dieser Frau beeindrucken mich. Sie verabschiedet sich von uns mit wohlwollenden Wünschen für ein langes Leben, Gesundheit und viel Glück, küsst und herzt uns und widmet sich wieder ihrem Zuhause und den Enkeln. Und wir fahren weiter ins nächste Abenteuer.

Und hier ist das Resultat

 




Reisen wie ein Profi

Mach dir Delhi Untertan

von Debashree Chatterjee


In einer Stadt, die so groß, vielfältig und lebendig ist wie Delhi, hat man oft das Gefühl, die gesamte Bevölkerung der Stadt reist zur gleichen Zeit und irgendwie scheint jeder den gleichen Weg wie du und ich zu haben. Deswegen fällt es Delhi oft schwer bei seinen Gästen einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Und das wiederum führt dazu, dass viele Touristen die verborgene Schönheit der Stadt erst gar nicht entdecken.

Das endlose Verkehrsaufkommen, das ununterbrochene Huporchester und Hunderte von geschäftigen Geschöpfen, die zickzack durch die Gegend sausen, machen es einem schwer den Kopf in all dem Chaos klar zu halten. Aber keine Angst … sogar in diesem Chaos gibt es so etwas wie eine Ordnung (oder ich glaube ganz einfach daran, weil ich Delhi so sehr verfallen bin).

 

Mit den vielen verfügbaren Transportmöglichkeiten ist es kein großes Problem, sich in der Stadt fortzubewegen, auch wenn es nicht immer ein Kinderspiel ist. Es spielt keine Rolle, ob man Tourist, Reisender, Nomade oder Einheimischer ist. Man sollte mit dem Wissen über die verfügbaren Transportmöglichkeiten vertraut sein und offen dafür sein spontan und situationsbezogen Entscheidungen zu treffen.

Hier erzähle ich dir, welche Verkehrsmittel ich täglich benutze (je nachdem, in welchen Teil der Stadt ich fahre). Also halte dich bereit und lass dich mit einer Fülle von Transportinformationen, einer gefüllten Geldtasche und einem Stadtplan in deiner Tasche von Delhi umwerben, verführen und verzaubern.

 

METRO (U-Bahn)

Klick auf das Bild für eine größere (und druckbare) Version des U-Bahn-Plans

Effizient und schnell ist die U-Bahn ein einfaches Fortbewegungsmittel und ein Segen für die Millionenstadt. Die Metro ist ein Schnellbahnsystem, das Delhi und seine Satellitenstädte Ghaziabad, Faridabad, Gurgaon, Noida, Bahadurgarh und Ballabhgarh bedient. Mit rund 10 Linien, die fast die gesamte Länge und Breite der indischen Hauptstadt abdecken, ist die Metro auch eines der sichersten Verkehrsmittel. Eine Anmerkung für weibliche Reisende: Der erste Waggon jedes Zuges ist nur für Frauen reserviert, der Rest sowohl für Männer als auch für Frauen. Das klimatisierte und saubere U-Bahn-Netz gleicht einem Spinnennetz. Ich empfehle dir immer eine U-Bahn-Karte griffbereit zu halten oder die U-Bahn-App für Delhi herunterzuladen. Noch ein Hinweis… mit einem durchschnittlichen täglichen Fahreraufkommen von 4,7 Millionen kann ich dir nur schwerstens empfehlen, die Rush Hour zu meiden!

 

RICKSCHA

Auto-Rikscha

Die Einheimischen nennen diese Rickschas „Autos“

Autos (motorisierte Rickschas) sind billiger als Taxis und app-basierte Taxis und mein bevorzugtes Transportmittel. Ich nutze sie für fast alle meine Weg. Diese dreirädrigen Vehikel sind kleiner als Autos und können den Verkehr weitaus reibungsloser bewältigen als die anderen. Drei Passagiere passen bequem hinein. Diese grün-gelben, teilweise geschlossenen „Könige der Bequemlichkeit“ kann man an fast jeder Straßenecke vor der Tür finden und herbeiwinken. An Märkten und Sehenswürdigkeiten sind sie massig zu finden. Sie sind mit Tarifmetern ausgestattet und du solltest darauf bestehen, dass du entsprechend der Tarifmeter bezahlst. Gegen einen ausverhandelten Aufpreis kannst du „dein“ Auto auch auf für die Rückfahrt auf dich warten lassen. Achtung jedoch für ausländische Gäste: Wenn man die Fahrtstrecke nicht kennt und mit Tarifmeter fährt, läuft man Gefahr, dass der Fahrer extralange Umwege nimmt, um den Fahrtpreis nach oben zu drücken. Alternativ kann man – aber nur wenn man gut im Handeln ist – sich auf einen Preis vor der Abfahrt einigen. Beachte, dass du immer immer eine fiktive „Ausländersteuer“ bezahlen wirst.

Rad-Rickscha

Die Fahrradrikscha ist eine kostengünstige Art kurze Strecken zu fahren. Es geht hier allerdings mehr um eine besondere Erfahrung als um Bequemlichkeit. In bestimmten Stadtteilen sind diese Art von Rikschas aus dem Verkehr gezogen, aber wo sie erlaubt sind ist dieses Verkehrsmittel definitiv das günstigste Fortbewegungsmittel. Da das Fahrzeug jedoch fast vollständig geöffnet ist, ist es in den heißen Sommermonaten nicht unbedingt ideal. Für manche Stadtteile (besonders in Old Delhi) ist es sogar die beste Wahl, da man damit am besten durch die überlasteten engen Straßen kommt.

 

APP-BASIERTE TAXIS

Ja, Uber gibt es auch in Delhi, es ist unglaublich günstig und sowohl unter Einheimischen als auch Touristen ein großer Hit.  Ich zahle normal in bar (in Rupien) an den Fahrer am Ende der Fahrt, aber du kannst auch direkt über die Uber App zahlen. Uber ist für mich ein Lebensretter, besonders während der Hitzemonate, an kalten Wintertagen und spät in der Nacht.

Es gibt noch eine App-basierte Transportmöglichkeit – OLA – , die sich wie Uber in Delhi großer Beliebtheit erfreut.

 

MIETAUTOS (MIT FAHRER)

Mietautos mit Fahrer sind eine sehr praktikable Option für Reisen, insbesondere wenn man nicht viel Zeit zur Verfügung hat. Normalerweise bucht man sie im Vorhinein über ein Hotel, Gästehaus oder Reisebüro. Die Preise sind zwar nicht so budgetfreundlich, können aber im Voraus ausgehandelt werden und sind trotz allem leistbar. Gerade wenn du nicht allein unterwegs bist, ist dies meiner Meinung nach eine der unkompliziertesten und bequemsten Arten in Delhi zu reisen.

 

FUNKTAXIS

Es gibt mittlerweile eine große Auswahl an Funktaxis in der Stadt: beispielsweise Meru Cab, Easy Cab, Mega Cab. Vom Flughafen in die Stadt nehme ich immer eines, da die Betreiber kleine Stände direkt vor dem Ausgang haben an denen man schnell und bequem buchen kann. Für Fahrten innerhalb der Stadt kommen sie allerdings etwas teurer, wenn man sie mit den anderen verfügbaren Transportmöglichkeiten vergleicht. Ein zusätzlicher Nachteil dieser Funktaxis ist es, dass man eine lokale Handynummer braucht, um zu buchen, was für Touristen widerum etwas unpraktisch ist. (Ausnahme: Am Flughafen, wo man direkt an den Ständen buchen kann.)

 

TAXIS

Dies ist eine weitere Möglichkeit sich in Delhi fortzubewegen. Ich empfehle Taxis jedoch nicht, da ich sie auch selbst nicht nutze, weil sie immer viel mehr verlangen als sie sollten und Touristen mit einer Vorliebe versuchen abzuzocken.

 

BUSSE DER DELHI TRANSPORT CORPORATION

 

Öffentliche Busse sind leicht verfügbar und es gibt viele von ihnen. Ich persönlich benutze sie jedoch trotzdem nicht und würde sie auch nicht empfehlen, da sie zum einen fast immer extrem voll sind und zum anderen die meisten Orte, die man besuchen möchte, viel bequemer mit Auto-Rickschas und App-basierten Taxis zu erreichen sind. Anmerkung für Frauen: Die öffentlichen Busse sind beliebte Aufenthaltsorte für passionierte Grabscher (eben weil sie fast immer sehr voll sind)!

 

HoHo BUSSE

Klick auf das Bild für eine hochauflösende Version

Wie in jeder größeren Stadt der Welt gibt es auch in Delhi Hop-On / Hop-Off-Busse (HoHo). Mit den über die ganze Stadt verstreuten historischen Stätten und Touristenattraktionen helfen dir die HoHo-Busse dabei, dich in deinem eigenen Tempo und auf kostengünstige Weise fortzubewegen. Mit den HoHo-Busse hast du die Möglichkeit mehr als 25 Touristenattraktionen je nach deiner Wahl mit einer 1-Tages- oder 2-Tageskarte zu besichtigen. Da Delhi jedoch so groß und etwas unübersichtlich ist, braucht es eine gute Planung, um möglichst effizient einzelne Stätten abzuklappern. Sonst wird es schnell hektisch und zeitaufwändig.

 

Anmerkung: Wenn du auf Fahrten mit einem Transportmittel (welcher Art auch immer) Probleme hast und dich beschweren möchtest, kann du dich an die 24-Stunden-Hotline der Delhi Traffic Police unter der Nummer 1095 wenden.

 

(Titelbild: Shutterstock / Nikhlesh Kumar Singh)



Zum Thema Einkaufszentren

Unterwegs am Markenpfad

von Debashree Chatterjee

Wenn Du in den heißen Sommern in Delhi bist und die akklimatisierte Unterkunft eigentlich nicht verlassen willst, Du aber trotzdem einkaufen willst, sind die vielen Einkaufszentren in dieser pulsierenden Stadt mit Sicherheit der Retter. Mach eine Pause vom Street-Shopping und den State Emporiums und nutz die Chance auf diese gläsernen Giganten. Sie bieten alles: Kinderbereiche, Multiplex, Food Courts, Cafés, Bars und Geschäfte. Diese Einkaufszentren wecken de „Oh, das muss ich mir unbedingt kaufen“-Durst. Angesichts der vielen Einkaufszentren in Delhi steht man jedoch vor der Qual der Wahl. Deshalb erzähle ich Dir in diesem Abschnitt von denjenigen, die ich häufig besuche und für die ich mich vollständig verbürgen kann (ich bin kein Shopaholich, also verurteile mich bitte nicht!). Ich würde jedoch empfehlen, dass Du Dich, wenn Du Deinen Aufenthalt in den heißen Sommermonaten in Delhi gebucht hast, den Besuch in einem Einkaufszentrum hinzuzufügen.

Leicht zugänglich und an allen Tagen geöffnet sind meine Favoriten in Süd-Delhi.

Süd-Delhi ist die richtige Adresse, wenn es um Einkaufszentren geht.

 


1 AMBIENCE MALL, VASANT KUNJ

Dieses Einkaufszentrum ist ein beliebter Name und ein beliebter Anlaufpunkt für Delhiiten. Von High-End-Marken über kleine Marken bis hin zu nicht allzu teuren Marken. Von Kleidung bis zu Accessoires wird alles abgedeckt, was Du zum Ankleiden brauchst. Und falls Du zu denen gehörst, die lieber essen als einzukaufen, kannst du zwischen vielen sehr guten Restaurants wählen. Darüber hinaus gibt es auch einen eigenen Food Court, der viele leckere Köstlichkeiten bietet.

Direkt neben Ambience befinden sich zwei weitere Einkaufszentren, die Du definitiv besuchen kannst – DLF Promenade und DLF Emporio. Nur Zeit brauchst Du, da diese drei Einkaufszentren weitläufig sind und engagierte Augen erfordern. Nur eine zusätzliche Anmerkung: Wenn Du auf der Suche nach Luxus bist und in den Showrooms von Cartier, Gucci und Dior stöbern möchtest, sollte Emporio Deine Wahl sein.

 


2 SELECT CITYWALK, SAKET

Citywalk ist eines der meistbesuchten Einkaufszentren in Delhi und bietet unzählige nationale und internationale Marken zur Auswahl. H&M, Zara, Kate Spade, um nur einige zu nennen, locken mit ihren auffälligen Schaufenstern. Darüber hinaus finden auf dem Open-Air-Platz im Freien häufig Flohmärkte, Feste und Veranstaltungen statt und es werden exklusive Artikel angeboten. Es kann alles Mögliche sein, von schrulligem Gartendekor bis hin zu handbemalten Schuhen. Hol Dir also einen Kaffee und klapper sie alle ab, bis deine Einkaufsliste abgearbeitet ist.

 


 

THE CHANAKYA, CHANAKYAPURI

Ein Fan von Luxus? Dann ist das der richtige Ort für Dich. Dieses Einkaufszentrum mit mehreren gehobenen Marken und einem Multiplex ist absolut elitär. Chanakya beherbergt die erste Rolex-Boutique der Stadt und verfügt über viele weitere internationale Marken. Ted Baker, Thomas Pink, der Noir Salon und die Mont Blanc Boutique sind nur einige Beispiele. Mit einem fantastischen Food-Court, der eine Vielfalt an Gerichten bietet, ist Chanakya mehr ein Erlebnis als ein Einkaufszentrum. Also hin und selbst schauen und staunen.

 


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Tagebuch einer Shopping Queen

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Egal ob du jetzt ein bekennender Shopaholic, ein bedürfnisorientierter Käufer oder gar ein Einkaufshasser bist (von denen ich bislang noch nie jemanden getroffen habe), egal wonach du suchst, oder wo du in der Megacity wohnst, du wirst an den Märkten in Delhi nicht vorbeikommen. Sie sind einfach überall. Auch egal ob du auf der Suche nach einem günstigen Schnäppchen oder nach Luxusartikeln bist, Delhi wird alle deine Wünsche erfüllen.

Lass uns mit unserer Shoppingtour durch Delhi beginnen. Aber bevor wir beginnen, lass mich dir verraten, was du alles finden kannst. Für dich, an Souvenirs oder Geschenken für deine Lieben.

 

Ein paar meiner Lieblingsdinge in meiner Einkaufstasche

Nahrungsmittel: Gewürze, Tee, indischer Pickle (mit Mango/Chili/Zitrone/gemischt)

Home Decor: Puppen, Kuriositäten aus Messing, Holz oder Sandelholz, Lederwaren

Kleidungsstücke: Schals aus reiner Seide, Pashmina-Schals, bunte Mischfadenstolen

Schmuck: Kundan, Meenakari, Ornaments mit Edelsteinen, Modeschmuck

Esoterisches: Öllampen, Räucherstäbchen, Girlanden, handgewebte Gebetsteppiche

Kosmetik: Schönheitspflege auf Kräuterbasis

Jetzt, da wir wissen, was wir kaufen sollen, machen wir uns mit einer großen Tasche, einer Flasche Wasser und viel Sonnenschutz auf den Weg. Hier ist die Liste meiner Lieblingsmärkte in Delhi.

Dilli Haat

Während Sie einkaufen, kann sich dein Fahrer ausruhen.

Dieser Open-Air-Markt ist mein absoluter Favorit und für die meisten von uns, die in Delhi leben, eine Drehscheibe für Kunsthandwerk. Es ist eine Plattform für Kunsthandwerker aus dem ganzen Land, um ihre Arbeiten zu präsentieren und zu verkaufen. Von traditionellen indischen Kleidungsstücken über Wohnkultur bis hin zu Keramik, Kunsthandwerk aus Messing und Lederlampenschirmen – sie haben alles. Das farbenfrohe Ambiente, die stressfreie Atmosphäre und einzigartige kulinarische Genüsse aus fast allen Bundesstaaten / Regionen Indiens machen diesen Markt nebst dem Angebotenem zu einem absoluten Highlight.

Janpath Market

Zieh dir für diesen Markt deine Verhandlungsstiefel an. Dieser Markt im Herzen der Stadt bietet für jeden Anlass und jedes Budget etwas. Die farbenfrohen Schals, die muszierende Windspiele, die bunten Paillettenhandtaschen und die Ganesha-Statuen aus aromatischem Sandelholz werden das Kind in dir zum Vorschein bringen und du wirst einfach alles haben wollen. Eine besondere Erwähnung verdienen jedoch die tibetischen Läden, die von der Decke bis zum Boden mit Artefakten (Statuen, Masken und Schmuck) gefüllt sind.

Mach dich bereit während einer Einkaufstour in Delhi viel Geld auszugeben

Khan Market

Bekannt als der nobelste Markt in Delhi, ist dieser Ort eher was für Menschen, die entspannt einkaufen wollen, aber eine Enttäuschung für einen Schnäppchenjäger wie mich. Seine vielen Geschäften mit internationalen Marken, charmante Boutiquen, gut sortierte Buchhandlungen, coole Cafés und trendige Restaurants locken mich trotzdem immer wieder an. Es gibt auch einige Läden mit vielversprechendem Obstsortiment, die sonst nirgendwo in der Stadt erhältlich sind.

Chandni Chowk

Dieser Markt, der Inbegriff des Chaos, ist Hunderte von Jahren alt und sieht auch so aus. Tauch ein in ein Gewimmel aus Tausenden Menschen, duck dich, wenn Taubenschwärme über deinen Kopf fegen, lausch dem Orchester des ununterbrochenen Hupens und finde deinen Weg im wunderbaren Labyrinth aus Sehenswürdigkeiten und Gerüchen. Das gesamte Einkaufsviertel ist in spezielle Bereiche unterteilt, die bestimmten Artikeln gewidmet sind. Dariba Kalan zum Beispiel ist für Silberschmuck, Katra Neel für Stoffe und natürlich Khari Baoili Road, Asiens größter Gewürzgroßhandelsmarkt. Ein zusätzlicher Bonus auf diesem Markt sind die vielen Süßwaren- und Imbissläden am Straßenrand. Vergiss nicht dich mit etwas Jalebi und Samosa zu stärken, bevor du dich in die zweite Verhandlungsrunde mit den Händern stürzt!

Feilschen macht so hungrig

Lajpat Nagar Central Market

Dieser Markt ist ein Paradies für vernünftige Einkäufe und in der Regel voller Frauen, die nach regionaler Kleidung Ausschau halten. Dieser Ort ist einer der ältesten Märkte der Stadt und voller Straßenverkäufer, die nach Käufern rufen. Während sie ihre Kleidung, Taschen oder traditionelles Schuhwerk ausstellen, schreien sie wettbewerbsfähige Preise durch die Luft, um so andere Verkäufer zu unterbieten. Sie sind wahre Künstler des Handelns und es macht wahrlich Spaß ihnen dabei zuzusehen.

GK-1 M Block Market

Wenn du essen und einkaufen oder einkaufen und essen möchtest, ist dies dein Platz. Dieser Markt ist ein Eckpfeiler für Stil, Erschwinglichkeit und Vielfalt. Mit internationalen Marken und lokalen Anbietern gibt es meist kleine, aber elegante Geschäfte, die Kleidung, Schuhe, Schmuck und sogar Kinderbekleidung anbieten. Wenn du einen Einkaufspause machen möchtest, kannst du  eines der erholsamen Spas oder ein uriges Cafés besuchen.

Zum Verkaufen braucht man in Delhi nicht unbedingt ein Geschäft.

Paharganj

Obwohl Paharganj vor allem für seine erschwinglichen Hotels und Gästehäuser bekannt ist, hat es viel mehr zu bieten. Es ist ein Ort für „schwierige“ Einkäufe (mit ausgiebigem Handeln) und unvergessliche Fotomotive. Überfüllt, laut und schmutzig, zieht es Touristen und Einheimische gleichermaßen an. Der Hauptbasar ist gesäumt von Läden, in denen Bücher, Kunsthandwerk, Textilien, Trödelschmuck und natürlich traditionelle Kleidung verkauft werden. Halte die Augen offen für Läden, die Ittar (traditionelles Parfüm) verkaufen, und Mehendiwallahs, die meist von Kunden umringt sind, die darauf warten, dass sie an der Reihe sind ihre Handflächen verziert zu bekommen.

Hauz Khas Village

HKV war schon immer ein Trendsetter mit einzigartigen Modeangeboten und ausgefallenen Läden. Es ist einer meiner persönlichen Favoriten in Delhi. Mit Graffiti an jeder Ecke, einem See hinter seiner Mauer und einem Wildpark am Tor ist dieses „Dorf“ weniger einkaufen und mehr ein Gefühl. Von Kleidern direkt vom Laufsteg über monroe-artige Badeanzüge bis hin zu seltenen Filmplakaten, bunten Glasbongs und Antiquitätengeschäften, die „Postkarten von Stalin“ verkaufen, hat HKV alles zu bieten. Und um den Charme noch zu verstärken, gibt es malerische Cafés mit Blick auf den See, die großartigen Kaffee und leckere Häppchen bieten.

Auszeit vom Einkaufen? Dann ist Hauz Khas mit seiner grünen Umgebung ebenfalls ein heißer Tipp.

Sarojini Nagar

Dieser Markt ist ein weiterer Ort für Schnäppchenjäger. Er wird von Jugendlichen und älteren Menschen gleichermaßen besucht. Neben ständigen Läden gibt es unzählige Straßenverkäufer mit ihren zum Verkauf angebotenen Produkten, wie wenig ordentlich als Haufen am Boden präsentiert werden. Der unendliche Strom von geschäftigen und feilschenden Käufern hier treibt dich dazu, nach mehr zu streben (= besser im Handeln zu werden). Und du gehst irgendwie mit dem Flow und wirst am Ende ein Bulle im Rennen sein. Ein sehr glücklicher Bulle.

Lust auf Shopping? Nimm Debashree mit!

Einkaufstour: Handeln und Kaufen

Eine spannende Shoppingtour mit Debashree.
Individuelle Einkaufstour ab 1 Person.
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Einkaufstour: Cooles Shopping

Eine weitere großartige Shopping-Tour mit Debashree, die kein Schwitzen beinhaltet. Besonders empfehlenswert für die heißesten Monate Mai und Juni.
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Alles Kaffee in Neu Delhi

Die Chronik einer Kaffeeliebhaberin

von Debashree Chatterjee

Egal ob morgens oder abends, Kaffee ist für die meisten von uns ein Lebenselexier (wenn nicht für alle von uns). Ich bin sicher, du stimmst mir zu, dass Kaffee Retter für einen Bürogänger ist, der zu spät zu einer Besprechung kommt, eine Mutter, die vor dem Kindergarten auf ihr Kind wartet, oder einen Tourist, der einfach nur sitzen und den Stadtplan für sein nächstes Ziel studieren möchte. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die dem kitzelnden Geruch des Kaffees oder der Wärme der Tasse in unseren Händen widerstehen können. Delhi ist nicht anders. Angesichts der wachsenden Zahl von Cafés in der Stadt ist eines sicher: Delhis Durst nach Kaffee ist stark, dunkel und nimmt stetig zu.

Wenn du Lust auf Koffein hast, aber nicht weißt, wo du in Delhi den besten bekommst, dann halt dich an meine Liste der „Großartigen 10“ in Delhi.

 

BLUE TOKAI COFFEE ROASTERS, Saidulajab

Addresse: Khasra No. 258, Lane Number 3, Saidulajab, New Delhi, Delhi 110030

Wenn du nach hervorragendem Kaffee in Delhi dürstest, ist diese Rösterei mit kleinem Café ein sicherer Treffer. Diese Kaffeerösterkette hat inzwischen mehrere Filialen und wandelt das „C für Chai in K für Kaffee“ um. Ihr Kaffee wird aus frischen Bohnen aus Indien hergestellt und rösten einfach göttlich. Und wenn du mit ihrer Tasse zufrieden bist, kannst du gleich ein paar Bohnen mit nach Hause nehmen. Das Ambiente ist beruhigend und mit ihrer langen Liste an Kaffees brauchst du außer einem guten Buch nichts mehr, um glücklich zu sein.

 

UNITED COFFEE HOUSE, Connaught Place

Addresse: E-15, Rajiv Chowk, Block E, Connaught Place, New Delhi, Delhi 110001

Diese alte, königliche und charmante Kaffeestube im Zentrum von Delhi hat einen langen Weg zurückgelegt und die Kaffeekultur der Stadt immens beeinflusst. Gegründet im Jahr 1942 (bevor Indien seine Unabhängigkeit erlangte), war es einer der wenigen Orte an denen die Menschen in Delhi ihre „Kaffee-Liebe“ pflegen konnten. Probier unbedingt den typischen Cona-Kaffee und order ein paar ihrer genialen Leckereien. Mit seinem Art-Deco-Interieur ist es weitaus mehr als nur ein Vintage-Restaurant  fügen Sie dazu noch ein paar weitere Leckereien hinzu. Mit seinem Art-Deco-Interieur ist es mehr ein Vintage-Restaurant als nur ein Café und ein „Muss“, wenn du in Delhi bist.

 

PERCH WINE AND COFFEE BAR, Khan Market

Address: 71, Khan Market, Rabindra Nagar, New Delhi, Delhi 110003

Im vornehmen Khan Market gelegen wird dich das Café innerhalb von 10 Sekunden beeindrucken. Was auch immer du bestellen wirst, ob nun eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wein hier wirst du einfach zufrieden sein. Urig, leise und warm besitzt es die richtige Mischung aus klassisch und lässig. Bestell dir einen vietnamesischen Kaffee oder einen Cappuccino, dazu ein paar Kuchen oder Knabbereien und mach es dir morgens, tagsüber oder abends in deinem Lieblingslokal gemütlich.

 

DIGGIN, Opposite Gargi College

Addresse: No.1 & 2 Anand Lok Shopping Centre Opp Gargi College, Anand Lok, New Delhi, Delhi 110049

Mit einer schattigen Terrasse, Ziegelwänden und Schaukeln ist dieses zwanglose Lokal immer eine hervorragende Wahl. Im Betondschungel von Delhi ist es gleichzeitig ein dringend notwendiges Refugium, wenn man mal Grün braucht. Hier treffen sich Studenten, Angestellte, Reisende, alle auf Augenhöhe. Zu deinem Latte kannst du aus einem breiten Menü italienischer Küche wählen. Nichts davon wirst du bereuen.

 

THE BREW ROOM, SDA Market

Addresse: C-16 floor, SDA Opposite IIT Gate, New, Hauz Khas Enclave, Hauz Khas, New Delhi, Delhi 110016

Mit seiner langen Liste an Kaffeevariationen ist dieses süße Kaffee eine Insel im Trubel der Großstadt. Und wenn du schon da bist, probier auch ihre anderen Highlights im Menü. Neben den „ach, so perfekten“ Frappes und Cappuccinos wirst du auch ihre italienischen, kontinentalen und amerikanischen Bissen mögen.

 

THE COFFEE SHOP, Saket

Addresse: 8, Community Center, Saket, New Delhi, Delhi 110017

Du stehst auf Zimt? Dann ist das DEIN Platz. Setz dich, entspann und bestellt dir einen Zimt-Kaffee oder ein Mocha Frappe. Wenn dich der Duft deines Kaffees in der Nase kitzeln, dann vergisst du hier alle Sorgen der Welt. Egal ob nur auf einen Sprung oder für einen langen Brunch, dieses Café ist immer passend.

 

AMA CAFÉ, Majnu ka Tila

Addresse: New Camp, Street Number 6, New Aruna Colony, Majnu-ka-tilla, New Aruna Nagar, New Delhi, Delhi 110054

Das ist eines der Cafés, die man lieben muss. Geht gar nicht anders. Inmitten von Delhis Klein-Tibet gibt es hier Pfannkuchen, Törtchen, Käsekuchen und immer immer ein warmes Lächeln. Du fühlst dich hier wohl, ruhig und einfach willkommen. Mein Tipp: Koste ihren Schlammkuchen. Noch ein Pro: Egal wie viele Kaffees du trinkst, es wird deine Geldbörse nicht sonderlich belasten. Der Platz ist im Gegensatz zu anderen echt günstig. Ganz nebenbei kannst du am Weg zurück gleich noch etwas in den kleinen Geschäften in Majnu Ka Tilla shoppen.

 

KAFFA CERRADO, Okhla Phase-1

Addresse: A 77, Pocket D, Okhla Phase II, Okhla Industrial Area, New Delhi, Delhi 110020

Go international … denn die Kaffeebohnen hier kommen aus aller Welt. Exotische Mischungen und Kaffee nach Maß, sie erfüllen einfach jeden Wunsch. Kaffa Cerrado hat den Ruf den besten Kaffee der Stadt zu haben, du wirst also auf deine Kosten kommen.

 

CAFÉ TURTLE, Khan Market

Addresse: 23 No, 1st Floor, Khan Market, Khan Market, New Delhi, Delhi 110003

Ein Himmel auf Erden für Buchliebhaber und Kaffeefans ist dieses Lokal im Herzen Delhis ebenfalls auf meiner Liste. Das Essen ist gesund, die Getränke ein Traum und beides kombiniert mit einem schönen Ambiente lässt keine Wünsche offen. Im ersten Stock befindet sich ein Buchladen, im zweiten das Café. Das Menü ist kurz, aber mit hausgemachten Speisen, und was auch immer du wählst, es wird nie eine falsche Wahl sein. Garantiert.

 

CAFÉ CULTURE, Greater Kailash -1 M Block Market

Addresse: 33, Greater Kailash-1, M Block, Greater Kailash I, Greater Kailash, New Delhi, Delhi 110048

Wenn du eine Auszeit vom Einkaufen am Markt brauchst oder deine Sightseeing-Tour unterbrechen willst, bietet sich dieses Lokal an. Ich liebe alles an ihm: Cappuccino, Tee, Pommes, Servietten und ja, sogar die Stühle. Nimm dir ein Buch, einen Freund oder sei einfach mit dir selbst, bestell dir einen Vorspeisenteller, dazu einen Kaffee und der Tag ist gerettet.




Meine liebsten Kaffeehäuser in Bhutan

Von Ulrike Čokl

Als Österreicherin mag ich die Wiener “Kaffeehauskultur”, wo man Stunden oder gar einen ganzen Tag lang im Kaffeehaus beim Kaffee Trinken, Snacken, Buch Lesen, Gedanken Spielen und Arbeiten verbringen kann.

Als das erste Café in Bhutans Hauptstadt Thimphu eröffnet wurde, war ich begeistert. Endlich eine Auszeit vom Instant-Kaffee, den ich persönlich einfach nicht ausstehen kann. Endlich kam ich in den Genuss eines frischen Espresso und Cappuccino und hatte dazu noch eine tolle Auswahl an Snacks von Sandwiches, Burgern bis hin zu Fritten. Das war schon mal ein guter Anfang. Auch wenn du zuhause kein Fast Food isst, wenn du mal Jahre in Bhutan verbracht hast, freust du dich immens über einen Burger. Die Eröffnung des ersten Cafés liegt mittlerweile 10 Jahre zurück. Zwischenzeitlich sind Kaffeehäuser wie Schwammerl aus dem Boden geschossen, nicht nur in Thimphu, auch in anderen Regionen Bhutans. Karma’s Coffee– das erste Café – ist bis heute ein toller Ort, aber als Nichtraucherin, finde ich es weniger toll, dass ich auf dem Weg zur Toilette durch einen Raum voller Raucher muss. Trotzdem, der Platz ist bis heute ein Garant für guten Kaffee und mehr.

Als  Coffee Culture in Thimphu am Changlam Square seine Tore geöffnet hat, wurde ich dort zum Stammgast. Es hat einen Sitzbereich im Freien, was besonders im Sommer sehr angenehm ist. Und ich bin ihren Nachspeisen absolut verfallen – besonders das Tiramisu und die Käsetorte sind ein Wahnsinn. Besonders sind auch die „Ema Datshi Momos“ (gefüllte Teigtaschen mit Chili und Käse).

Im Coffee Culture kannst du auch eine Ema Datshi Pizza essen.

Relativ neu ist das Brusnika Café in Lanjopakha, in der Nähe des Ludrong Memorial Garden. Die Besitzer sind ein nettes russisch-bhutanisches Pärchen mit drei liebenswürdigen Töchtern, die zwischen Europa und Bhutan pendeln. Dort bekommst du alles was dein Herz begehrt – vom Grillhähnchen (fantastisch!) bis hin zu unzähligen hausgemachten Kuchen und Brotsorten (Baguette!). Die Lage des Cafés ist wunderbar und bietet einen schönen Blick auf Thimphu Dzong, das Parlament und den öffentlichen Garten. Zu besonderen Anlässen gibt es im Winter sogar Glühwein! Brusnika ist mein absoluter Lieblingsplatz in Thimphu.

Die netten Besitzer des Brusnika Café

Auch erwähnenswert ist das Café Ambient am Norzin Lam in der Stadt. Auch dessen Besitzer sind wirklich nette Menschen, die AussteigerInnen aus dem Drogenmilieu drin unterstützt in dem sie sie in ihrem Café trainiert. Sie haben eine strenge Nichtraucherpolitik und verkaufen auf keinen Alkohol. Besonders unter „Chilips“ (Ausländer, die Touristen oder Expats sind) ist der Platz sehr beliebt. Der Kaffee ist exzellent und das Gebäck sehr schmackhaft. Es gibt nicht-traditionelles Essen, inklusive vegetarischer und veganer Speisen. Außerdem bietet das Café Wi-Fi.

Das Ambient Café in Thimphu

In Thimphu gibt es inzwischen wirklich eine große Auswahl an Cafés. Was ist aber mit anderen Gegenden in West- und Zentralbhutan?

In Paro bin ich eine loyale Kundin im Brioche Café. Die Besitzerin, Rupa Tamang, ist eine fleißige Frau und Konditorin im Aman Resort. Heiße Schokolade, Kaffee, Tee und alle möglichen Torten und Kuchen verwöhnen all jene, die es gerne süß mögen. Ich empfehle das Café besonders am Ende einer Reise durch Bhutan, weil man sich dann meist auf Süßes und Cremiges besonders freut.

Süße Leckereien im Brioche Café

Am Thimphu-Paro Highway sollte man unbedingt im Your Café stoppen. Das alte Lehmhaus wurde liebevoll restauriert und ist typisch für die Region. Das Café gehört zur Neyphug Heritage Foundation und ist rein vegetarisch. Die Einnahmen gehen zur Gänze in das Neyphug Kloster zur Unterstützung der Mönche. Der Platz ist toll für Familien mit kleinen Kindern und es gibt sogar einen Meditationsraum.

Im Your Café

 

In Bumthang mag ich das Café Perk. Schon vor haben, als ich meine Feldforschung in Bumthang betrieben habe, war ich gerne dort zu Gast. Du bekommst wirklich guten Kaffee und die Snacks (lecker Pizza, Sandwiches, Spaghetti und Pommes, als auch Salate) sind ein Traum. Wenn du am Fenster sitzt, kannst du nebenbei das Treiben in der Hauptstraße in Jakar Town beobachten. Die Besitzerin ist eine nette junge Frau, die fließend englisch spricht. Years ago, during my days in the field in Bumthang, it was with great pleasure that I welcomed the opening of this place in Jakar town.

Apfel-Mandel-Tarte im Café Perks

Zu guter Letzt gibt es auch ein recht neues Café in Jakar Town, das Tea House Café, das ich jedoch noch nicht persönlich kenne, aber sehr gut sein soll. Wenn du den Platz besuchst, gib mir doch Bescheid, wie er dir gefallen hat.

 

 

 

 




Seit 2017 arbeitet Gesar Travel gemeinsam mit Die Fotofüchse und längst schon ist es Zeit darüber ein paar Worte zu verlieren, denn die Zusammenarbeit läuft richtig gut.

Wer sind Die Fotofüchse und warum arbeiten wir mit ihnen?

Die Fotofüchse das sind die beiden Fotografinnen Tirza Podzeit und Katharina Zwettler. Die beiden haben eines gemeinsam: die Liebe zur Fotografie. Ihr Expertenwissen geben sie über ihre Firma Die Fotofüchse in Form von liebevoll konzipierten und originellen Fotoreisen und Fotokursen weiter. Anfangs beschränkten sich die Fotostreifzüge auf Wien und Österreich, später kamen ausgedehnte Reisen in europäische und außereuropäische Länder dazu, weil sie nebst dem Fotografieren auch das Reisen lieben. Das Konzept ist aufgegangen und wir von Gesar Travel kamen zum Zug, denn es braucht einen guten Logistiker und Organisatoren im Background, wenn man erfolgreich Reisen verkaufen will. Unsere bisherigen gemeinsamen Reisen nach Rajasthan, Slowenien und in den Iran haben uns darin bestätigt, dass wir zusammenpassen. Das Feedback der ReiseteilnehmerInnen war großartig, einzigartige Fotos und unvergessliche Reiseerlebnisse waren der Outcome.

Was ist das Besondere an Reisen mit Die Fotofüchse?

Fotoreisen gibt es viele, die Wahl fällt da schwer. Warum also die Fotofüchse? Aus unserer Sicht gibt es gleich mehrere Gründe:

1. Mehr Zeit für dich
Beide, Tirza und Kathi, begleiten die Reisen und können so zu zweit besser auf unterschiedliche Vorkenntnisse der TeilnehmerInnen eingehen. Egal, ob du AnfängerIn oder fortgeschritten bist, auf einer Reise mit Die Fotofüchse wirst du da abgeholt, wo du stehst.

Porec, Kroatien, 2017, ©TIRZA / Katharina Zwettler, www.tirza.at

2. Enthusiasmus
Sie können begeistern. Sie sind nämlich nicht nur gute Fotografinnen, sie können die Liebe zur Fotografie auch vermitteln, haben ein Gespür für Zwischenmenschliches und gehen die Sache mit einer guten Portion Humor an.

3. Erfahrung
Sie kennen ihre Reiseziele und konzipieren gemeinsam mit uns feine Programme, die nicht nur aus fotografischer Sicht spannend und einzigartig sind. Neben klassischen Sehenswürdigkeiten stehen auch weniger bekannte und gerade deswegen reizvolle Höhepunkte am Programm.

Fotoreise Persien

4. Kleine TeilnehmerInnenzahl
Die TeilnehmerInnenzahl wird klein gehalten. Je nach Destination sind zehn bis maximal zwölf Reisende die Obergrenze. Das ermöglicht es ihnen sich wirklich um alle gut zu kümmern, da zu sein, wenn Fragen auftauchen und auch genügend Zeit zu haben diese zu beantworten.

5. Gemeinschaftsgefühl
Erlebnis und Lernen in der Gemeinschaft stehen im Zentrum der Fotoreisen und machen sie so besonders.

6. Erforschen
Neben dem Fotografieren kommt auch das Erforschen von neuen Orten, Ländern, Lebensweisen und Perspektiven nicht zu kurz.

Und nicht zu guter Letzt

7. Organisation
Mit Gesar Travel haben sie erfahrene und engagierte Organisatoren im Hintergrund, die sich darum kümmern, dass alles möglichst geschmiert läuft. Damit du dich am Ende wirklich aufs Fotografieren und Genießen konzentrieren kannst.

Und weil das alles so gut läuft, sind viele weitere Reisen mit Die Fotofüchse geplant.

Das kannst du mit uns 2020 erleben

Fotoreise Danzig

Fotoreise Kroatien

Fotoreise Berlin

Fotoreise Valencia

Fotoreise Rajasthan

Darüber hinaus planen wir gerade an einer Natur-Fotoreise nach Georgien. Erste Infos findest du hier:

Hier gehts direkt zu Die Fotofüchse, wo du neben den Fotoreisen auch Fotokurse findest >> www.diefotofuechse.com

 

 

 




Wir von Gesar Travel freuen uns riesig, dass wir ein weiteres Projekt haben, das wir unterstützen dürfen. Ab sofort unterstützen wir die Organisation SHADES OF LOVE.

Shades of Love: Sonnenbrillen für Menschen im Himalaya

Im Himalaya und den Anden lebt ein Großteil der Bevölkerung in extrem abgeschiedenen Regionen auf einer Höhe von 2.500 bis 5.000 Metern – und sind dort das ganze Jahr über der Sonne (und somit den schädlichen UV-Strahlen) besonders intensiv ausgesetzt. Fast 80% der Bevölkerung leidet an schweren Augenerkrankungen und -entzündungen. Viele können ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen und sind so in ihrer Existenz bedroht. Dabei könnte man dem so einfach vorbeugen: mit Sonnenbrillen.

SHADES OF LOVE sammelt neue und gebrauchte Sonnenbrillen und verteilt sie in den abgelegenen Hochgebirgsregionen.

Bei allen gesammelten Sonnenbrillen wird sichergestellt, dass der UV Schutz mindestens 300/400 beträgt und jede Brille wird sorgfältig von professionellen Optikern gereinigt.

GESAR TRAVEL stellt ab sofort kostenlos Lagerplatz in Leh, Ladakh, zur Verfügung und hilft bei der Verteilung der Sonnenbrillen in entlegenen Regionen in Ladakh.

Doch auch du kannst helfen:

SONNENBRILLEN SPENDEN
Mal ehrlich: Wer hat nicht noch, ein, zwei, drei Sonnenbrille in der Schublade, die nicht mehr auf der Nase sitzen? Shades of Love – und vor allem die bedürftigen Menschen im Hochgebirge – können sie gut gebrauchen.

VERBINDUNG SCHAFFEN
Bitte weitererzählen: Wenn Euch die Mission von Shades of Love gefällt, dann erzählt Euren Freunden, Kollegen, der Familie davon – auch sie haben garantiert Sonnenbrillen, die schon Staub angesetzt haben…

BOTSCHAFTER WERDEN
Werde Teil der globalen Gemeinschaft von Shades of Love. Wie das geht? Indem Du Sonnenbrillen in Deiner Region sammelst.

Mehr Infos findest du unter: https://shadesoflove.org/de/

Es kann so einfach sein zu helfen!

Wir sind von der Idee begeistert!

 




Drei Fragen an den Experten Markus Göbel, Sportwissenschaftler
mit dem Schwerpunkt Höhenvorbereitung, Sporttherapeut
und aktiver Berg- und Outdoorsportler.

Höhenvorbereitung – Dünne Luft für Leistungspusch

Das Radfahren in großen Höhen kann man gut akklimatisiert viel besser genießen.

Wer braucht Höhenvorbereitung?

Höhenvorbereitung ist schon seit Jahren fester Bestandteil des Trainingsplans von Leistungssportlern. Weiterhin können sich Bergsteiger und Wanderer, die hoch hinaus wollen, vorakklimatisieren, um die Gefahr, höhenkrank zu werden, zu minimieren bzw. zu vermeiden. Das Einatmen von sauerstoffreduzierter Luft – in der Fachsprache heißt das Hypoxie – bringt einen zusätzlichen Leistungspusch. Deshalb wird die Höhenvorbereitung auch von Marathonläufern oder Teilnehmern von Bike Challenges genutzt. Doch auch für Breitensportler gibt es viele Einsatzbereiche. Ich denke hier zum Beispiel an ambitionierte Trekker, die einen über 6.000m hohen Berg im Himalaya besteigen wollen oder Radfahrer, die von Manali nach Leh radeln wollen. Im Gesundheitsbereich unterstützt der simulierte Höhenaufenthalt unter anderem die Regeneration nach Sportunfällen, das Abnehmen und die Belastungstoleranz bei Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen.

In Ladakh sind Trekkings immer auf mindestens 3.000m Höhe. Das macht sich natürlich bemerkbar. Foto: Barbara Esser

Welche Trainingssysteme gibt es?

Rein theoretisch gibt es natürlich die Möglichkeit, direkt am Berg zu trainieren. Doch meist ist dies in der Praxis schon aus Zeit- und Kostengründen nicht möglich. Deshalb haben verschiedene Hersteller praktische Trainingssysteme wie den mobilen Höhengenerator, das Höhenzelt, die Atemmaske sowie auch den Pulsoximeter zur Trainingskontrolle entwickelt. Somit kann jeder Sportler ganz unabhängig und individuell in den eigenen vier Wänden trainieren. Zunächst einmal empfehlen wir vor dem Höhentraining einen Gesundheitscheck. Danach erstellen wir einen – auf das jeweilige Ziel abgestimmten – Trainingsplan. Dieser kann von neun Tagen zur Reisevorbereitung (zB nach Ladakh) bis hin zu vier Wochen zur Marathon-Vorbereitung dauern. Der Plan enthält in der Regel jedes der folgenden Elemente: Training in simulierter Höhe, das sogenannte „live low – train high“, Übernachtung im Höhenzelt, also „sleep high – train low“ sowie die Kombination aus beidem namens „live high – train high“ und zu guter Letzt die intervallförmige Einatmung von sauerstoffreduzierter Luft im Wechsel mit normaler Umgebungsluft, das „intermittierende Höhentraining“.

Die Luft im Himalaya ist dünn.

Was passiert dabei im Körper?

Das „sleep high – train low“-Training provoziert die Steigerung des Sauerstofftransports und damit die aerobe Leistungsfähigkeit. Während die „live low – train high“-Methode muskuläre Adaptationen erzielt, die bereits bei geringer Belastung einen hohen Trainingsreiz setzen. „Live high“ in Kombination mit „train high“ nutzen wir als zusätzlichen Stimulus. Hier werden die Vorteile des passiven Höhenaufenthalts mit denen des Trainings in der Höhe verbunden. Das „intermittierende Höhentraining“ unterstützt das Immunsystem, optimiert die Sauerstoffausnutzung und führt zur Steigerung der Belastungstoleranz sowie der sportlichen Leistungsfähigkeit. Da der Körper als natürliche Reaktion auf die Hypoxie viel Wasser verliert, heißt es: Trinken, trinken, trinken! Und: Auf eisenhaltige Ernährung achten! Wer eine Unverträglichkeit beim Training oder auch in der Praxis spürt, sollte übrigens die Höhe reduzieren oder einen Tag Pause einlegen. Denn letztendlich sind Gesundheit und Freude am Berg doch das allerhöchste Ziel.

Weitere Informationen zur Höhenvorbereitung von zu Hause aus bekommt ihr auf der Homepage von Markus Göbel:

Markus Göbel versendet Höhenvorbereitungstechnik im gesamten deutschsprachigen Raum.




Der Stok Kangri (6.123m) ist DER beliebteste Berg Ladakhs. Jedes Jahr haben Hunderte von Menschen aus aller Welt eine Besteigung des 6.000ers gewagt. Doch damit ist vorerst Schluss, denn ab sofort sind weitere Expeditionen auf den Hausberg des Dorfs Stok verboten. 

 

Expeditonsstopp für den Stok Kangri

Der Stok Kangri gilt aus verschiedensten Gründen als der beliebteste Berg in Ladakh. Zum einen ist er technisch relativ einfach zu besteigen, zum anderen kann er in recht kurzer Zeit von Leh aus erreicht werden und zählt dadurch – und weil seit einigen Jahren auch fixe Zelt-Lager vorhanden waren – zu den Bergen, die verhältnismäßig günstig bestiegen werden können. Aus Umweltschutzgründen aber ist damit vorerst Schluss, denn die BewohnerInnen des Dorfes Stok als auch die Behörden haben nunmehr beschlossen dem Berg eine Auszeit zu gönnen, damit sich dieser wieder erholen kann. Es bleibt zu hoffen, dass sich bei Neuöffnung des Bergs eine gewisse Zugangsbeschränkung in Form einer maximalen Expeditionsanzahl pro Jahr geben wird und/oder nur Expeditionen mit geschulten Teams zugelassen werden.

Wir von Gesar Travel begrüßen diese Maßnahme, denn leider waren nicht alle BergsteigerInnen und Agenturen rücksichtvoll und sanft genug, haben Müll zurück gelassen und so zu einer Verschmutzung der Bäche beigetragen, die die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung in Gefahr gebracht hat.

Derzeit ist nicht abzusehen für wielange der Stok Kangri geschlossen bleibt.

Wer trotzdem in Ladakh auf den Berg will, hat verschiedenste Ausweichmöglichkeiten. Es gibt unzählige 6.000er, die technisch ähnlich leicht zu besteigen sind.

Einige Alternativen wären:

Von Nimaling aus: Dzo Jongo, Regoni Malai Ri, Tasken Ri, Kangyatse Schulter

Im Changthang: Dome Peak, Pyramide Peak, die Mentok Berg, Spangnak Ri

und viele andere.

Gerne sind wir bei der Wahl eines passenden Bergs behiflich.

Lies auch den folgenden Blogbeiträge zu Bergen im Changthang:

Bergsteigen im Nomadenland

 

Wir von Gesar Travel garantieren einen rücksichtsvollen Umgang mit der Natur auf allen unseren Expeditionen: unser Team ist bestens geschult und lässt nie Müll zurück! (Immer wieder sammelt unser Team den zurückgelassenen Müll anderer Expeditionstouren ein und nimmt diesen mit zurück nach Leh.) Wir plädieren an alle BergsteigerInnen nichts als Fußspuren zurückzulassen. Nur so kann und darf es gehen!

 

Hier einige unserer anderen Expeditionen in Ladakh:

Frauenreise: Mein erster 6.000er

Bergsteigen im Markha-Valley

Der Himmel der Nomaden || 6000er Expedition

6000er Doppelpack || Expedition

Expedition Nun 7.135m

Zanskar für Himmelstürmer




Er ist wieder da! Unser Kalender. Dieses Mal zum Thema ALTER.

Kalender 2020

Lebensreise
Über das Ä
lterwerden

Mit Bildern aus unseren Reiseländern

Mit dem Leben ist es wie mit dem Reisen. Je mehr man gesehen hat, desto mehr nimmt man für sich mit: Weisheit, Erfahrungen und Erinnerungen. Man wächst mit jedem Jahr und mit jeder Reise. Am Ende einer Reise und am Ende seines Lebens blickt man zurück, auf die Momente, die unvergesslichen, die eindrücklichen, lacht, vergießt vielleicht ein paar Tränen der Wehmut, fühlt sich aber immer reicher als zuvor.

Die Angst vor dem Älterwerden begleitet viele von uns, bedrückt manche so sehr, dass sie sich entgegen aller Vernunft jünger zu machen versuchen, jedem Geburtstag ab einem gewissen Alter angstvoll entgegensehen. Und ja, Älterwerden heißt auch, dem Ende seines Lebens jeden Tag etwas näher zu kommen. Das Leben ist ein Entstehen, Werden und Vergehen, ein Kreislauf, dem wir nicht entkommen können. Dabei vergisst man vor lauter Sorge über diese Vergänglichkeit oft zu leben und zu genießen. Jeder Lebensabschnitt, auch der letzte, bringt auch viel Schönes mit sich. Viele Ängste, die uns in jungen Jahren noch begleitet haben, haben wir hinter uns gelassen, wir nehmen Dinge gelassener hin, können Probleme aufgrund unseres Erfahrungsschatz leichter meistern und dürfen am Ende die Arbeit hinter uns lassen und uns aufs Genießen konzentrieren.

Eines Tages werden wir alle sterben. Ja! Aber an allen anderen Tagen nicht. Und genauso sollte man das Leben auch sehen. Die Momente bewusst erleben, die Tage mit Wertvollem füllen und den Müll hinter sich lassen. Ob im Alltag, mit sich allein, mit Menschen, die man liebt, zu Hause in seinen vier Wänden oder in der Ferne.

Das Leben ist eine Reise und Reisen genießt man!

Fakten

Format: A3 / 14 Seiten
Kosten: 8,90 EUR
Versand Ö: 5,90 EUR
Versand EU: 9,90 EUR

Bestellungen an: daniela@gesar-travel.com




Ein Klosterfest in Ladakh zu besuchen zählt für die meisten BesucherInnen zu den Highlights ihrer Reise und ja, es ist schon etwas Spektakuläres und Berührendes die buntgekleideten Mönche Geschichten tanzen zu sehen. Hier die Feste für 2020.

Ladakh: Klosterfeste und andere Feierlichkeiten 2020

Hemis-Festival

Hemis-Festival

  • Spituk Gustor in Spituk: 22.-23. Jänner 2020
  • Leh & Likir Dosmochey in Leh und Likir: 21.-22. Februar 2020
  • Yargon Tungshak in Nubra: 27.-28. Februar 2020
  • Stok Guru Tsechu in Stok: 3.-4. März 2020
  • Matho Nagrang in Matho: 8.-9. März 2020
  • Saka Dawa in ganz Ladakh: 5. Juni 2020
  • Yuru Kabgyat in Lamayuru: 18.-19. Juni 2020
  • Silk Route Festival in Nubra: 23.-24. Juni 2020
  • Ladakh Polo Festival in Chushot: 11.-17. Juli 2020
  • Hemis Tsechu in Hemis: 30. Juni-01. Juli 2020
  • Shachukul Gustor in Shachukul: 7.-8. Juli 2020
  • Stongde Gustor in Zanskar: 8.-9. Juli 2020
  • Karsha Gustor in Zanskar: 18.-19. Juli 2020
  • Diggar Heritage Tourism Festival in Nubra: 27.-28. Juli 2020
  • Phyang Tsedup in Phyang: 18.-19. Juli 2020
  • Korzok Gustor am Tsomoriri: 23.-24. Juli 2020
  • Thakthok Tsechu in Sakti: 29.-30. Juli 2020
  • Sani Nasjal in Zanskar: 2.-3. August 2020
  • Deskit Gustor in Nubra: 14.-15. Oktober 2020
  • Thikse Gustor in Thikse: 3.-4. November 2020
  • Chemde Wangchok in Chemde: 13.-14. November 2020
  • Galdan Namchot in ganz Ladakh: 10. Dezember 2020
  • Ladakhi Losar (Neujahr) in ganz Ladakh: 15. Dezember 2020



Bevor ich erzähle warum ich Kirgistan empfehlen kann, liste ich hier mal Gründe für all jene auf, die lieber nicht in dieses Land in Zentralasien reisen sollten.

 

Du solltest lieber nicht nach Kirgistan reisen:

1) wenn du den Komfort eines protzigen 5*-Hotels mit allem Pipapo einer einfachen Jurte ohne fließend Wasser und Plumpsklo vorziehst

Jurten im Aufbau mit Freilicht-Badezimmer

2) wenn du vegan oder vegetarisch lebst, dir bei der Vorstellung Fleisch vom Pferd angefangen bis zum Hammel vorgesetzt zu bekommen übel wird und du kulinarischem Neuland gegenüber generell abgeneigt bist

Fleisch und Wurst von allen möglichen Tieren, am liebsten 3x am Tag, ja, das lieben die Kirgisen.

3) wenn dir jedes Risiko Kopfschmerzen vorursacht und Abenteuerlust ein Fremdwort für dich ist

Passieren kann schnell mal etwas in einem Land, in dem die Infrastruktur – wie zB Straßen – nur streckenweise gut ausgebaut ist. Da muss man schon eine Portion Abenteuerlust mitbringen.

4) wenn du von holprigen Straßen Rückenschmerzen bekommst und/oder dir bei Autofahrten übel wird

5) wenn du für ein striktes Alkoholverbot bist

Obwohl die meisten Kirgisen Muslime sind, ist Alkohol, insbesondere Wodka und die leicht alkoholhältige fermentierte Stutenmilch (Kymyz), ihr erklärtes Lieblingsgetränk.

6) wenn du historische Prunkbauten aus dem 19. Jahrhundert über alles liebst und die oft sehr kühle Einfachheit kommunistischer Architektur absolut häßlich findest

Nicht jedem liegt die oft etwas trist anmutende kommunistische Architektur, die nur langsam durch modernere Gebäude ersetzt wird (die man auch nicht unbedingt schön finden muss)

7) wenn du Angst vor menschenleeren Naturlandschaften hast

… und immer wieder komplett leere Landschaften

8) wenn du eine Pferdehaarallergie hast oder dir die Vierbeiner Angst machen. Sie sind überall.

Selbst auf der Straße ist man immer wieder von Pferden umgeben.

9) wenn du ein Hygiene-Freak bist. Das heißt jetzt nicht, dass die Kirgisen nicht Wert auf Sauberkeit legen, aber teilweise liegt der Standard bspw. in öffentlichen Toiletten oder auch in Restaurant-Toiletten weit unter dem was man im Westen kennt.

10) wenn du es immer schön tropisch warm magst und dir abrupte Temperaturwechsel gar nicht gefallen

Während es in niedrigeren Tälern im Sommer sehr heiß werden kann, kann es bspw. am Song Kul (See) auf 3.000m Höhe auch im Juli und August empfindlich kalt sein.

Treffen hier mehrere Punkte für dich absolut zu, lass es sein. Konntest du mehr oder fast alle Bedingungen verneinen, dann wird auch Kirgistan für dich ein Traumland sein.

 

Warum ich Kirgistan als Reiseland empfehlen kann

Jetzt könnte ich die Punkte, die ich oben angeführt habe, einfach umkehren, mach ich aber nicht ganz und verrat dir einfach und frei von der Leber was Kirgistian für mich so besonders macht:

1. Die nomadische Kultur

Wenngleich die meisten Kirgisten inzwischen mehr Halbnomaden oder Hirten mit nur zweimaljährlichen Ortswechseln sind, so sind sie in ihrem Herzen doch größtenteils richtige Nomaden geblieben: sie sind überaus gastfreundlich und hilfsbereit, sie lieben ihre Freiheit über alles, sie haben kein Problem mit der Einfachheit, die das Nomadenleben mit sich bringt (wer in Jurten oder Waggons lebt, muss mit weniger auskommen), sie spüren eine tiefe Verbundheit mit der Natur und reiten ihre Pferde wie es einst wohl der stolze Dschingis Khan getan hat.

Die Kirgisen sind wie alle nomadischen Kulturen überaus gastfreundlich

2. Die Landschaften

Kirgistan hat nur eine geringe Bevölkerungsdichte, ist es doch zu weiten Teilen einfach nur gebirgig. Somit ergeben sich weite Landstriche, die kaum bewohnt sind. Hier fällt es einem besonders leicht wieder eine Verbindung zur Natur zu finden und sich wieder an seiner Wurzel zu spüren, besonders wenn man die restliche Zeit in großen Städten leben muss. Gleichzeitig kann Kirgistans Natur so ziemlich alles, es gibt schweizerisch anmutende Alpinlandschaften, trocken-karge Hochgebirgswüsten, schneebedeckte Bergriesen, mediterrane Gegenden, die an die italienische Toskana erinnern, an denen man aber die Weinanbauflächen vermisst und Seen und Flußlandschaften, mal klein, mal groß, mal eisig kalt, mal badefreundlich warm.

Surreal schöne Flußlandschaft am aufgestauten Naryn-Fluß

3. Wanderbares Kirgistan

Klar, wenn eine Landschaft größtenteils aus Gebirge besteht, liegt es nahe, dass man dort auch auf seine Kosten kommt, wenn man gerne zu Fuß unterwegs ist. Das Wunderbare an Kirgistan ist aber auch die Tatsache, dass das Wandern abseits der zwei größeren Trekkingrouten auch noch ganz wenige TouristInnen für sich entdeckt haben und damit ist man oft tagelang alleine unterwegs und trifft maximal auf Hirten, ihre Herden und die Tiere der Bergwelt Kirgistans.

Auch wenn es hier ganz nach Österreich oder der Schweiz aussieht, das ist auch Kirgistan.

4. Kommunistisches Flair und Ruinenatmosphäre

Ja, es liegt nicht jedem, aber ich persönlich interessiere mich sehr für die Geschichte der Sowjetunion. Nicht, weil ich kommunistisch bin, einfach weil ich das Leben in der Sowjetunion, deren Visionen, Pläne und alle Konsequenzen, die die Menschen daraus ziehen mussten, total spannend finde. Nicht weniger spannend natürlich auch, wie dieser Wechsel vom Kommunismus zur freien Marktwirtschaft die Menschen und ihre Kultur verändert hat. Ich mag auch das Nebeneinander der alten kommunistischen Bauten und modernen meist schnell hochgezogenen Betongebäude. Und als Fan von Ruinen komme ich in Kirgistan auch ganz gut auf meine Kosten, denn nicht mehr genutzte Bauten findet man allerorts. Meist sind diese auch nicht abgesperrt und man kann diese ganz gut erkunden.

Am alten Hafengelände von Balyktschy am Issy Kul rosten Kräne und Boote aus der Sowjetzeit langsam vor sich hin.

5. Tourismus als Hoffnung

Kirgistan ist eines der ärmsten Stan-Länder (neben Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan), weil es kaum über eine nennenswerte Industrie oder große Rohstoffvorkommen verfügt. Der Großteil der Bevölkerung lebt von der Viehwirtschaft. Als Kirgistan noch Teil der Sowjetunion war, wurden große Mengen an Fleisch und Milchprodukte exportiert, doch mit dem Fall der Sowjetunion ist die Nachfrage danach gesunken und Kirgistan setzt seitdem verstärkt auf den Tourismus als große Chance. Bei aller Kritik am Tourismus, ist es gerade für ein wirtschaftlich schwaches Land wie Kirgistan eine großartige Möglichkeit sich hier aus der wirtschaftlichen Misere zu befreien, besonders wenn man sich auf nachhaltigen und fairen Tourismus konzentriert. Damit darf man auch guten Gewissens in dieses tolle Land reisen.

Die Viehwirtschaft ist der wichtigste Pfeiler der kirgisischen Wirtschaft. Noch.

6. Es gibt viel zu tun: Reiten, Wandern, Bergsteigen, Rafting, Schwimmen … Kökbörü

Langweilig wird einem nicht so schnell in Kirgistan. Es gibt nämlich viel zu tun. Wo Berge sind, kann gewandert werden, den einen oder anderen kann man auch besteigen, viele Flüße eignen sich zum Raften oder Kanu fahren, der angenehm warme und größte See Kirgistans, der Issyk Kul, ist ein wunderbarer Badesee und die unzähligen Pferde laden ein auf ihrem Rücken das Land zu erkunden. Wem das alles noch zu langweilig ist, der kann auch mit toten Ziegen den Nationalsport Kökbörü spielen. Lies hierzu einen eigenen Blogbeitrag.

Beim Kökbörü, einer Pferdesportart bei der man mit einer toten Ziege spielt

7. Ein Land großer Geschichten und starker Frauen und Männer

Die Kirgisen sind große Geschichtenerzähler, sie lieben ihre Legenden und kaum ein Ort, der nicht von Helden und HeldInnen erzählt, die auf mehr oder minder mystische Weise Kirgistan und seine Menschen geformt haben. Der Nationalheld Mannas ist omnipräsent, kaum ein Ort der keine Statue des historisch nicht belegten Mannes hat, der die kirgisischen Stämme einst geeint haben soll. Ihm zu Ehren ist das weltweit längste Epos entstanden, das über Jahrhunderte mündich überliefert und erst kürzlich verschriftlich wurde. Dein Guide kann dir aber nicht nur Geschichten aus dem Leben des Nationalhelden, sondern auch viele andere – oft verbunden mit dem vorislamischen animistischem Naturglauben – erzählen. Frag ihn einfach danach.

Kotschumgul ist ein weiterer Held der Kirgisen, er soll über 2m groß gewesen sein und war imstande sogar sein eigenes Pferd zu tragen.

Diese und viele andere Gründe sind es, warum ich Kirgistan zu den größten Reiseerlebnissen unserer Zeit zähle. Wenn du nun Lust darauf bekommen hast es zu entdecken, schreib mir einfach, ich verrate dir gerne mehr oder bastle mit dir an deinem Reiseplan für Kirgistan: daniela@gesar-travel.com




Ich habe mir lange überlegt, ob ich diesen Beitrag schreiben soll, mich aber schlussendlich dazu entschieden es zu tun, weil auf allen Reisen Unvorhergesehens eintreten kann und diese ungeplanten Abenteuer am Ende immer die sind, die am längsten in Erinnerung bleiben. Und so will ich erzählen, wie ich im kirgisischen Niemandsland gestrandet bin und das trotz meiner jahrzehntelangen Reisetätigkeit zum absoluten Höhepunkt meiner Auslandserfahrungen geworden ist.

 

Wegen einer Fehleinschätzung sind wir auf einem Kiesbett inmitten eines Flusses stecken geblieben.

Gestrandet im kirgisischen Niemandsland

Eigentlich sind wir am Weg von Tash Rabat zum Kel-Suu, einem Hochgebirgssee an der Grenze zu China. Doch dort angekommen sind wir nie. Denn ca. 50km nachdem wir die Off-Road-Piste vorbei am Chatyr-Kul nehmen, schaffen wir es aufgrund einer Fehleinschätzung nicht über den Fluss und bleiben mit dem an und für sich geländegängigem, aber aufgrund eines Schadens sich nicht auf voller Höhe befindenden Wagen im instabilen Kiesbett stecken. Trotz aller Bemühungen, die über Stunden gehen, können wir uns nicht mehr befreien. Inmitten des Niemandslands. Mehr als 50km zum Highway, 50km zur chinesischen Grenze und 2,5 Stunden mit dem Pferd zur nächsten Station mit Telefonanschluss. Auf 3.500m Seehöhe, umgeben von Hunderten grunzenden Yaks, nur weit und breit keine Menschenseele in Sicht. Am gegenüberliegenden Flussufer steht ein türkisfarbener Waggon, einer von denen, den die Nomaden gerne anstatt von Jurten verwenden. Nur Nomade ist keiner in Sicht. Trotzdem ich eifrige McGyver-Seherin war, sehe ich mich in dem Moment mit nichts als Steinen in Reichweite in einer auswegslosen Situation. Zu Fuß zurück in Richtung Highway und der Chance eine alternative Fahrgelegenheit zu finden, stehen mit geschätzten 10 Stunden Gehdauer am späten Nachmittag außer Frage. Also versuchen wir mit Steinen einen Untergrund zu schaffen, um das Auto zu befreien, scheitern aber immer wieder.

Nichts als Yaks und Steine in Sicht

Als ich mich schon darauf eingestellt hatte mit sämtlichen Kleidungsstücken aus meiner Reisetasche die Nacht im Auto zu verbringen, erscheint ein vermummter Reiter am Horizont, beobachtet uns verzweifelt am Wagen Werkende, und reitet geradewegs auf uns zu. Bei uns angekommen, grüßt er, wir grüßen retour. Mit seiner schwarzen Sturmhaube macht er einen beängstigten Eindruck, doch dann grinst er goldzähnezeigend und lässt hoffen, dass er es gut mit uns meint. Sein Name ist Alich. Er ist Hirte, der türkise Waggon ist sein Zuhause, die meisten Yaks, die unbeeindruckt in der Umgebung das magere Gras mähen ebenfalls.

Alich beobachtet uns bei unseren verzweifelten Versuchen den Wagen zu befreien.

Er lädt uns ein die Nacht bei ihm zu verbringen. Morgen, so meint er, käme ein Lastwagen vorbei, der könne unseren Wagen aus dem Flussbett ziehen. Nun gut. So sei es. Ich liebe die kirgisischen Waggons aus Sowjetzeiten und so komme ich endlich in den Genuss dort eine Nacht verbringen zu dürfen. Ruhe bewahren. Die Situation ängstigt mich nicht wirklich. Ich vertraue auf mein Schicksal, das es bislang immer gut mit mir meinte.

Alichs Waggon. Die Rettung.

Alich heizt ein. Mit getrocknetem Yak-Dung. Mehr als er es für sich selbst tun würde, weil er wohl meint, dass ich arme Ausländerin ein verfrorenes Wesen sei und bald schon fühle ich mich wie in einer russischen Banja (=Sauna). Er schenkt Tee ein. Wir plaudern. Dank der Übersetzung von Rakhat, der mich die Reise über begleitet, ist ein Gespräch möglich. Er verbringt das ganze Jahr über hier in dieser Hochgebirgswüste im Tien-Shan-Gebirge. Alle paar Monate wechselt er den Standort. 150 Yaks sind sein Eigentum. Er hat eine Frau und zwei Söhne, die während der Sommerferien bei ihm leben. Die restliche Zeit wohnen sie im Dorf und die Kinder besuchen die Schule. Ein einsames Leben sei es, doch er habe einen Fernseher, den er mit Solarstrom betreibt und so sei es durchaus erträglich. Und hie und da besuche er die anderen wenigen Hirten, die in der Umgebung mit ihren Yaks hier oben leben. Nur ums Eck leben die nicht gerade, da sei schon ein längerer Ritt notwendig. Einmal im Monat, erzählt er weiter, reitet er zur nächsten Polizeistation und telefoniert mit seiner Familie. Er wirkt trotz dieser Entbehrungen zufrieden, möchte das Leben, das er zuvor als Arbeiter in eines Getränkeherstellers nahe Bishkek hatte, nicht wieder zurück.

Ohne ihn wäre die Situation vielleicht nicht so glimpflich ausgegangen.

Und irgendwann schlafe ich ein. Am Morgen steigt die Hoffnung, dass nun bald der versprochene Lastwagen am Horizont auftaucht, der uns aus unserer misslichen Lage befreit. Doch er kommt nicht. Alich verabschiedet sich und verspricht uns Hilfe zu holen. Wir sind wieder allein, machen uns wieder verzweifelt am Wagen zu schaffen, weil es immer noch besser ist als nicht zu tun. Immer wieder blicken wir zum Horizont, doch nichts und niemand will sich blicken lassen. Die Stimmung sinkt in den Keller. Rakhat macht sich Vorwürfe. Ich versuche Contenance zu bewahren, auch wenn es mir eigentlich in dem Moment schwer fällt. Und dann, ja dann, um zwei Uhr nachmittags erscheint aus dem Nichts ein schäbiger Sowjet-Truck am Horizont, gast mit Hochgeschwindigkeit durch den Fluss und bremst neben uns. Drei kirgisische Männlein entspringen ihm: Alich, ein größerwachsener Hüne und sein viel zu dünnes Gegenstück mit FC Bayer München-Haube. Grins, grins, hurra. Die Retter sind da. Und? Sie schaffen es. Der Wagen ist unerwartet schnell frei. Der Hüne entpuppt sich als ausgesprochener Fahrprofi und bewerkstelligt in Minuten das, was wir in eineinhalb Tagen nicht geschafft haben.

Wenn die drei und der schäbige Wagen nicht gewesen wären, hätten wir wohl noch lange auf Hilfe warten müssen.

Wir bedanken uns. Vielfach. Mit Worten, mit Geschenken, mit Geld. Doch all das scheint nicht genug. Alich ist mir ans Herz gewachsen. Wir ihm offensichtlich auch. Er umarmt uns. Ein beeindruckender Mensch, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Er steht für die Hilfsbereitschaft, die man den Nomanden nachsagt. Hier oben im Nichts muss man sich aufeinander verlassen können. Man schaut nicht weg, dreht sich nicht weg. Man hilft sich, weil man sich braucht. Danke Alich. Mit traurigen Blicken verabschieden wir uns.

Eine derartige Situation ist mir in den über zwanzig Jahren Reisetätigkeit noch nie passiert. Es kommt immer wieder zu brenzligen Momenten, aber bislang sind sie immer gut ausgegangen. Bewusst habe ich diesen Beitrag veröffentlicht, weil die meisten unserer Reisen Abenteuercharakter haben. Wir bewegen uns oft in entlegenen Regionen, in hohen Bergen, das Wetter kann sich rasant ändern, Unvorhergesehenes eintreten. Und da wo Menschen arbeiten, passieren auch Fehler. Und das ist ok. Manchmal müssen wir Dinge einfach hinnehmen, sie geschehen lassen und können einfach nichts anderes machen als darauf zu hoffen, dass am Ende alles gut wird. Panik bringt uns in solchen Situationen nicht. Vielmehr kann das Zulassen ein Tor zu ganz besonderen und unvergesslichen Ereignissen werden. Genauso sehe ich dieses Erlebnis, das so ganz und gar nicht geplant war, sich tief in mein Herz eingegraben hat und ich nie und nimmer missen möchte.

 

 




Jahrelang bin ich im festen Glauben aufgewachsen, man dürfte nicht mit Essen spielen. Das ziemt sich nicht. „Mit Essen spielt man nicht!“, hallt es echogleich von Ohr zu Ohr in meinem Kopf, wenn ich an diese Unart aus Kindertagen denke. Dabei kann Spielen mit Essen durchaus sinnvoll, und ein richtig brutaler Umgang damit sogar notwendig sein, durfte ich auf meiner Reise durch Kirgistan lernen und mein Weltbild hat sich nach mehr als 40 Lebensjahren nochmals um 180 Grad gewendet.  

 

Träumerisch verfolge ich das schimmernde Türkis des Naryn-Flusses und weiß noch nicht, wie bald ich aus dieser Idylle gerissen werde.

In Kirgistan spielt man mit Essen

Eigentlich bin ich ganz in die vorbeifliegenden Landschaftsbilder – den türkisen Naryn, die rosa und lila blühenden Tamarisken, die Schafherden, die mähend über die Berghänge ziehen – versunken als mich eine gröhlende Männerschar auf Staub aufwirbelnden Pferden mit kirgisischer Gewalt aus meinen baumwollbauschigen Träumen reißt.

Kökbörü wird mit einer toten Ziege gespielt, die der Kirgise vorne rechts im Bild bei sich hat

Was die da treiben mitten am helllichten Tag im Nichts?, will ich natürlich neugierig wissen. Sie spielen Kökbörü. Davon hatte ich schon gehört und auf meiner letzten Kirgistanreise eifrig die Aussprache des Zungenbrechers geübt, nur zu sehen bekommen hatte ich damals leider kein einziges Spiel. Hurra! Endlich war es soweit und ich darf endlich grunzenden testosteronschwangeren Männern dabei zusehen wie sie eine tote Ziege kämpften. Auf einem Pferd sitzend natürlich. Denn nur da fühlt sich ein Kirgise wirklich wohl. Was dem feinen Briten Polo ist, ist dem wilden Kirgisen das Kökbörü. So ähnlich sieht das Spiel auch für mich aus. Die Ziege ersetzt den Ball und zwei Teams spielen darum es ins gegnerische Tor zu bringen. Das Tor besteht aus einem Haufen, meist befestigt mit Autoreifen und da drauf hat man den angekohlten Ziegenkadaver zu werfen. Das erfordert einiges an Reitkünsten und auch Kraft, denn so ein totes Ziegentier kann schon mal 50kg auf die Waage bringen. Für einen Kirgisen ist das allerdings ein Klacks.

Das stolze Siegerteam des heutigen Turniers

Wie kommt man nur auf die Idee mit einer toten Ziege Polo zu spielen?, frage ich erneut neugierig die rein männliche Zuschauerschar. Tja, Ziegenfleisch ist zäh und die Kirgisen mögen es aber lieber weich. Also muss es geklopft werden. Und das ziemlich lange. Weil das aber anstrengend ist, haben die Männer einfach beschlossen damit zu spielen, es durch die Gegend zu werfen, ziehen und zerren und ein Spiel daraus zu machen. Das ist Spiel, Spaß und Überraschung in einem. Kökbörü ist das kirgisische Überraschungsei. Ahhh! Nur gewinnen muss man sie auch, denn nur das Gewinnerteam darf die perfekt weichgeschlagene Ziege mit nach Hause nehmen und verspeisen.

Ein stolzer Kirgise im Kirgistan-T-Shirt beim kirgisischen Nationalsport

Angeblich gibt es Bemühungen internationaler Organisation, das Spiel in dieser Form verbieten zu lassen, weil es wohl pietätslos wäre mit einer Tierleiche zu spielen. Trotzdem ich tierlieb bin und dem Umgang mit Tieren gerne zeigefingerhochhaltend beklage entzieht sich mir dieser etwas scheinheilige Moralausstoß. Die Kökbörü-Ziege wird nicht in Massentierhaltung großgezogen, kilometerweit in engen LKWs transportiert und in automatisierten Tötungsfabriken geschlachtet bevor man sie ins Spiel wirft. Das Schnitzel, das bei den meisten auf europäischen Tellern liegt, schon.

So wirklich international ist das Spiel nicht. ;-)

Am Ende des Spieles bitten die Spieler, die Gewinner als auch die Verlierer, darum abgelichtet zu werden. Sehr gerne! Stolz wird posiert und Bizeps präsentiert. Es folgt ein Gebet und die Gewinner ziehen stolz mit einer Geldsumme, gesponsert von einem studiertem Dorfbewohner und der perfekt geklopften Ziege von dannen, um sie zu Hause – vermutlich mit ein paar Gläschen Wodka – zu verzehren.

Nach dem Spiel gibt es selbstverständlich auch eine Ansprache. Darin sind die Kirgisen gut.

Und ich versinke wieder im Landschaftskino und freu mich endlich die stolzen Kirgisen bei ihrem seltsam anmutendem Spiel mit dem Essen beobachtet haben zu dürfen.

PS: Sobald es eine bessere Internetverbindung gibt – vermutlich erst wieder zurück in Österreich, wird an dieser Stelle auch ein Video vom Spiel gepostet.

… und auch ein Gebet




Kirgistan ist unbestritten ein Land mit vielen Gesichtern, mit unterschiedlichsten Klimazonen von schweißtreibend heiß bis bibbernd kalt, weiten grünen Ebenen mit weißen Schafpunkten und Bergen so hoch, dass man die Stratosphäre fast berühren kann, doch Paris und Tibet hätte ich hier trotz allem nicht erwartet. Ich wurde eines Besseren belehrt. Aber so soll es ja auf Reisen auch sein.

An einer Weggabelung im Suusamyr-Tal – links geht es zum Song-Kul, rechts nach Paris und weiter nach Osh. Wir entscheiden uns für den rechten Weg. Bald aber geht es auch nach links.

 

Von Bishkek über Paris bis nach Tibet

Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

Genug Großstadt. Wer Kirgistan entdecken will, muss hinaus aufs Land. Bishkek ist ein schönes Beispiel dafür, dass eine Großstadt nahezu heimelig sein kann, doch dafür reist man nicht in den zentralasiatischen Staat, der zum Großteil aus Bergen besteht. Neun Uhr Abfahrt, es gilt zwei Pässe zu bewältigen, um schließlich über das Suusamyr-Tal nach Toktogul zu kommen. Schon kurz nach Bishkek kommen wir auf die Passstraße nach Osh, auf der sogar Maut kassiert wird, was überraschend ist, da man auf einer Mautstraße nicht unzählige Pferdeherden vermutet, die ebenfalls nach oben ziehen. Nachdem ich mich gefragt habe, ob Pferde hier auch Maut zahlen müssen, diese Frage jedoch nur mit einem kurzen Auflacher beantwortet wurde, hab ich zumindest eine essentielle Regel des kirgisischen Verkehrsrechts erfahren:

Pferde haben Vorfahrt

So stellt man sich den Verkehr auf Mautstraßen eher nicht vor. In Kirgistan ist das keine Besonderheit.

So tuckert man minder schnell bis auf 3.200m hinter äpfelproduzierenden Rössern her und kommt schließlich an einen Tunnel, der unterhalb des eigentlichen Too-Ashu-Pass auf 3.800m durch den Berg auf die andere Seite führt. Der Tunnel ist so eng, dass man bei entgegenkommenden Lastkraftwägen kurzfristig letzte Stoßgebete gen Himmel schickt, weil man nicht sicher ist, dass man das Licht am Ende des Tunnels je zu Gesicht bekommen wird. Die Pferde, die wir zwischenzeitlich, trotz aller Prioritätsregeln überholt haben, haben übrigens auch im Tunnelverkehr Vorrang. Wenn Pferde durchtraben wollen, wird der Autoverkehr auf beiden Seiten gestoppt.

Unterwegs halten wir bei einer netten kirgisischen Frau, die einen ausrangierten Waggon zur Gaststätte umfunktioniert hat und müde Fahrer verköstigt.

Paris liegt am Suusamyr

Auf der anderen Seite des knapp drei Kilometer langen Tunnels blickt man bereits hinab ins breite Tal des Suusamyr-Flusses und genau dort unten liegt Paris, erklärt Rakhat, unser Partner für Reisen nach Kirgistan, und dort werden wir zu Mittag essen. Ja, wo sonst würde man kulinarisch voll auf seine Kosten kommen als in Paris? Fein. Ich freue mich hungrig auf die damit in Aussicht gestellten Delikatessen. Anstatt des Eiffelturms und den Überresten des Notre Dame erwarten mich jedoch Jurten, ausrangierte Waggons, die zu Restaurants umfunktioniert wurden und mehr oder minder schäbige Raststätten. Fernfahrer, die anno dazumal über Stunden durch leere Landschaften gefahren sind, haben diesen unwirtlichen Rastplatz tatsächlich Paris genannt, weil er ihnen nach elendslangen Fahrten und knurrenden Mägen erhoffter zivilisierter Lichtblick war. Das Essen in einem der minder schäbigen Restaurants ist tatsächlich schmackhaft, die Toiletten dahinter eher weniger. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Das ist Paris. Und selbstverständlich gibt es hier auch Käse. Keinen französischen. Kirgisischen Hartkäse.

Nach einem weiteren Pass und einer teilweise verschlafenen Fahrt durch ein enges Tal, in dem auch Rafting betrieben wird, kommen wir schließlich nach Toktogul, nach dem auch der dahinterliegende Stausee benannt ist, der pittoresk inmitten kleinerer Berge liegt. Die Wasserkraftwerke am Naryn produzieren nahezu den gesamten Strombedarf des Landes und man exportiert sogar noch Strom in benachbarte Länder. Ob der Strombedarf in Kirgistan generell sehr niedrig oder die Leistung des Wasserkraftwerks einfach gigantisch ist, konnte nicht vollends geklärt werden. Vermutlich ist es eine Kombination aus beiden Faktoren.

Am Eingang zum Vergnügungspark von Toktogul.

In Toktogul gibt es neben einem in die Jahre gekommenen Vergnügungspark mit einem verrosteten Riesenrad und einem Stadium, das zu Ehren der Olympischen Spiele 1980 erbaut wurde, nicht viel Spannendes, aber Tibet. Tibet liegt mitten in Toktogul, gut zu erreichen an einer großzügig ausgebauten Straße, gleich neben dem Taxistand: Ein prachtvolles Restaurant mit bunten Kindermetallschaukeln im Vorgarten, einer Halle mit einem Billardtisch, der zu einem Esstisch umfunktioniert wurde und einer leeren Tanzfläche auf der man zur Panflötenmusik tanzen könnte, wenn man denn nur wollte. Passend zum Namen finden sich auch noch Bilder mit Pyramiden, Pharaonen und Alpakas aus Cusco an den Wänden. Das Essen liegt schwer im Magen, weil sich das bestellte Gericht mit Rindfleisch – ohne Fleisch gab es außer Salat natürlich nichts – als triefend fette Hammelfleischspezialität entpuppt. Aber eines weiß ich schon seit meiner ersten Kirgistan-Reise: Wodka heilt alles. Und schon kippe ich prophylaktisch ein Stamperl des Gesöffs, dass die Russen mit dem Kommunismus gebracht haben und als Allheilmittel für alles gilt, damit mein Magen desinfiziert und die Reise morgen ungehindert weiter gehen kann.

Das eigenwillige Ethno-Restaurant Tibet ist beliebter Veranstaltungsort für Hochzeiten und andere Familienfeste.

Und noch ein paar Impressionen vom gestrigen Tag




Ein zweites Mal bin ich jetzt nach Kirgistan gereist, um weiter zu erkunden, mehr zu entdecken. Ein zweites Mal bin ich damit auch in Bishkek, der Hauptstadt des wilden zentralasiatischen Staats gelandet. Einer Stadt mit offiziellen 800.000 EinwohnnerInnen und rund 1,5 Millionen inoffiziellen EinwohnerInnen, die mich schon im Vorjahr fasziniert hat, weil ich eine derart saubere, einladende und grüne Stadt wirklich nicht erwartet hatte. Dieses Mal aber durfte ich auch viel Neues und vor allem zwei sehr wichtige Regeln dazulernen.

Der Ala-Too-Platz wurde 1984 errichtet. Manas ist der zentrale Held des Platzes.

 

Bishkek und die starken Männer

Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

Das Zentrums Bishkeks ist der Ala-Too-Platz, ein 1984 breit angelegter Platz, der in den folgenden Jahren immer wieder Schauplatz mehr oder weniger dramatischer politischer Auseinandersetzungen der kirgisischen Republik war. Wo früher ein tonnenschwerer Lenin den Platz überblickt hat, steht heute der Nationalheld Manas, der einst die 40 kirgisischen Stämme geeint haben soll und dessen Epos zu den längsten Epen der Welt zählt und damit zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurde. Über Jahrhunderte wurden die Heldentaten Manas, dessen Existenz nicht belegt ist, mündlich übertragen und erst im letzten Jahrhundert schriftlich festgehalten. Links von Manas stehen zwei uniformierte kirgisische Männchen regungs- und ausdruckslos und beschützen die Flagge Kirgistans. Die verglaste Kabine sei klimatisiert und die Männchen würden alle zwei Stunden ausgetauscht wird mir versichert, weil ich mütterlich besorgt in der ungewohnten Mai-Hitze die zwei bereits dehydriert über überhitzt kollapieren sehe. Somit sei das Bewachen einer Fahne durchaus erträglich meine ich und wir ziehen weiter zum nächsten starken Mann, der versteinert Bishkek verschönert.

Lenin steht heute nicht mehr am Ala-Too-Platz. Dahinter. Aber immer noch recht präsent.

Koschomkul, ein Hüne von 2,30 Meter, steht da und trägt ein Pferd auf den Schultern. Er soll zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelebt haben und ja, er war so wie die Kirgisen eben sind: superstark. Deswegen hat er sein Pferd, nachdem dieses erschöpft auf einer langen Reise den Geist aufgegeben hat, eben auf seinen Schultern durch die Berge getragen. Als ich meinte, dass vielleicht das Pferd ja kein Pferd, sondern vielleicht nur ein verkümmerter Esel war, weil ein Pferd könne ja nicht wirklich jemand tragen, zeigte sich Rakhat, mein kirgisischer Begleiter ein klein wenig beleidigt. Nein, nein, das sei so. Kirgisen seien stark. Vielleicht, so fügte er hinzu, liegt es ja daran, dass sie von klein auf schon Kumyz, fermentierte Stutenmilch, tränken, und die mache stark. Kirgisen, so fügte er hinzu, würden ja auch mit nur einer Hand eine 50kg schwere tote Ziege heben können, wie man das eben beim Volkssport Kökbürü macht, bei dem wie beim Polo die Spieler auf Pferden reiten, nur anstatt mit einem Ball wird mit einer toten Ziege gespielt. Nun gut. Ich bin überzeugt. Kirgisen sind stärker als alle anderen.

So war er, Koschomgul, riesig und stark, so stark, dass er sogar Pferde tragen konnte.

Bestätigt wird dies dann beim Treffen mit einem Mitarbeiter eines Restaurants, der mir mit überragendem Nationalstolz davon erstolz, dass Attila, der Hunne, eigentlich auch ein Kirgise war, mütterlicherseits zumindest (und die hat ihn vermutlich auch mit der potenten Stutenmilch gefüttert) und ihmzufolge als einziger das römische Reich einnehmen konnte. Ich lege mich nicht an mit diesem mir als Österreicherin durchaus etwas befremdlichen Nationalstolz und bin gegen des Ende des Tages einfach überzeugt, dass Kirgisen eine Nation von nicht-grünen Hulks sind. Erste kirgisische Regeln gelernt:

Zweifle nie an der übermenschlichen Stärke eines kirgischen Mannes!

Dieser nette Kirgise hat mir erklärt, dass Attila eigentlich ein Kirgise war. Ob das stimmt, hab ich nicht mehr wirklich nachrecherchieren können. Ich glaube es jetzt einfach mal.

Bevor dieser eindrückliche Tag voller testosterongeschwängerter Männerlobeshymnen endet, beschließe ich nochmals kurz einen Abstecher zum berühmten Osh-Basar zu machen, und mich eher auf den inzwischen knurrenden Magen als den – bei mir unterforderten –                    Bizeps zu konzentrieren. Der Osh-Basar ist ein typisch orientalischer Markt, dessen Luft geschwängert von verführenden Düften diverser Gewürze und ein Augenschmaus aus bunten Trockenfrüchten, Linsen, weißen und braun-roten Reissorten, ornamentalisch verzierten Fladenbrote, Nüssen in allen Formen und seltsam anmutenden Trockenkäseformationen ist. Die VerkäuferInnen grinsen mich mir vergoldeten Zähnen freundlich an, lassen mich alles kosten und sind überaus ehrlich gastfreundlich. Am Ende kaufe ich mehr als ich in nur einem Abend verputzen könnte, selbst wenn ich die letzten Tage gehungert hätte, und lerne die zweite kirgisische Regel meiner Reise.

Geh nie hungrig zum Osh-Basar!

Eingang zum Osh-Basar




Schon als kleines Mädchen haben mich Ruinen fasziniert. So sehr, dass ich selbst das Wort Ruine so schön fand, dass ich am liebsten Ruine geheissen hätte. Meine Eltern waren gegen eine Umbenennung und fanden auch das Erkunden von verfallenen Gebäuden zu gefährlich. Als rechtschaffende Erwachsene respektiere ich die in Europa an alten unbewohnten Gebäuden so oft angebrachten Schildern mit den Hinweisen „Betreten verboten“, „Privatgrund“, „Eltern haften für ihre Kinder“ oder „Zutritt für Unbefugte verboten“. Somit konnte ich meine kindlichen Entdeckungsfantasien nie wirklich befriedigen. Bis heute. Denn in der ehemaligen Sowjet-Kur-Stadt Tskaltubo konnte ich mich endlich ausleben.

In Tskaltubo stehen unzählige dem Verfall preisgegebene alte Sowjet-Gebäude, die von der Natur nach und nach zurückerobert werden.

Warum ich als Mädchen Ruine heißen wollte und was das alles mit Georgien zu tun hat

Reisebericht aus Georgien von Daniela Luschin-Wangail

Als wir gestern am Abend nach Tskaltubo kamen war es bereits dunkel und das Besondere der Stadt in der westgeorgischen Region Imeretien blieb uns noch verborgen. Wir durften in einem der rund 20 Sanatorien nächtigen, die vorwiegend zwischen 1933 und 1955 im Stil des sozialistischen Klassizismus mit aufwändigen Kapitellen und opulenten Ornamenten errichtet wurden. Ganz nach dem Geschmack von Josef Stalin, der hier zumindest einmal selbst zur Kur gewesen sein soll. Jedes Sanatorium war einer gewissen Berufsgruppe zugeordnet und jene, die sich besonders am Aufbau der Sowjetunion beteiligt hatten, durften hier in den Heil- und Thermalbädern wieder zu Kräften kommen. Es gab Sanatorien für brave Beamte, angesehene Politiker, fleissige Minenarbeiter, Ärzte und eines sogar für Mitarbeiter des KGB. Von Moskau aus gab es eine direkte Zugverbindung in die Kurstadt Tskaltubo, deren Thermalwasser leicht radioaktiv und gerade deswegen heilsam sein sollen. Heute es gibt es diese nicht mehr. Und auch die meisten Sanatorien sind seit dem Zerfall der Sowjetunion am Bröckeln und einige vollkommen ungenutzt. Das ist dem wir nächtigen durften ist eines der wenigen, die in ein Hotel umfunktioniert wurde.

Noch nicht restaurierter Teil des Hotels, in dem wir genächtigt haben

Beschilderung aus alten Sowjet-Tagen. Sogar auf englisch!

Der schönere restaurierte Teil des Hotels

 

Nach dem Frühstück im großzügig angelegten Restaurant mit noch immer sehr an russischen Essenswünschen angelegtem Menüplan ging es los die Stadt zu entdecken und endlich, endlich meine Mädchenträume vollends auszuleben. Denn im Gegensatz zum brav geordneten Mitteleuropa darf hier alles betreten werden, was nicht privat ist. Und die meisten der ehemaligen Kurgebäude sind noch immer in staatlichem Besitz. Wir besuchen drei alte verfallene Sanatorien – das ehemalige Sanatorium für Minenarbeiter, das für Mitarbeiter des KGB und eines dessen ursprüngliche Zuordnung wir nicht kennen – als auch eine Bäderanstalt mit Thermalquellen.

Während die von uns besuchten Gebäude nur noch aus ihrer Fassade bestehen, dessen Fenster und Türen größtenteils brutal ausgestemmt wurden, deren Parkettböden, Fliesen und natürlich sämtliches Interieur verschwunden sind, fungieren die meisten einstigen Santorien noch heute als Zufluchtsstätten von Flüchtlingen aus Abchasien, die 1993 während des Kriegs zwischen der abtrünnigen Region Abchasien und Georgien flüchten mussen. Insgesamt sahen sich 200.000 ethnische Georgier gezwungen ihre Heimat zu verlassen. 18.000 fanden eine neue Heimat in den anno dazumals luxuriösen Erholungsheimen in Tskaltubo, die es heute ganz und gar nicht mehr sind. Die meisten Fenster sind zerbrochen, große Risse ziehen sich über die Mauern, die Lebensqualität ist offensichtlich niedrigst und es bröckelt gehörig am einstigen Glanz. Rund 6.000 Georgier aus Abchasien leben noch heute in den Sanatorien und anderen Gebäuden der Stadt, die anderen sind in andere Regionen, vorwiegend in die Städte Batumi, Poti und Tbilisi abgewandert.

In den leerstehenden Kurhotels und Badeanstalten lösen sich ornamentreiche und bunte Tapeten von den Wänden, Stuckarbeiten rieseln von den Decken, Böden reissen auf, die letzten verbliebenen Fliesen hängen nur noch müde und hoffnungslos rum und die Natur hat ihre Soldaten – Moos, Efeu und andere Pflanzen – logeschickt sich den Raum wieder zurückzuerobern. Nur Graffitis und leere Bierflaschen sind Zeugen dafür, dass sich doch noch hie und da Menschen hierher verirren.

 

Was mich so an alten dahinsiechenden und langsam in sich zusammenfallenden Gebäuden fasziniert

Ich mag die uns Westeuropäern in unserem Ordnungswahn so verloren gegangene Akzeptanz, dass Dinge entstehen, werden und auch wieder vergehen. Wir wischen alles weg, was dem Verfall preisgegeben ist, weil es uns unangenehm an unsere eigene Vergänglichkeit erinnert. Was alt ist, muss repariert werden und wenn es nicht repariert werden kann, machen wir es dem Erdboben gleich. Der sich modern rufende Mensch wehrt sich gegen den natürlichsten Zyklus der Natur. Alles vergeht und nur wenn etwas vergeht, kann auch wieder Neues entstehen. Es ist der Kreislauf jeden Lebens, ein Festklammern und Betrauern oder Wegwischen und Negieren macht da nicht wirklich Sinn. Und so finde ich sollte auch das Alte, nicht mehr Schöne, das Vergehende nebem dem Jungen, Progressiven, in vollem Glanz Stehende sein und eine Berechtigung haben dürfen.

Dass Altes, nicht mehr so recht funktionieren Wollendes nicht auch schön sein kann, traue ich mich hier zu widerlegen. Man muss nur etwas genauer hinsehen, gewohnte, geradlinige, medial gelenkte Richtlinien auf die Seite schieben und mit einem unvoreigenommenen Blick auf die Dinge schauen, dann lässt sich auch im Verfall eine wunderbare und rührende Schönheit entdecken.

Mit großen Augen und offenem Mund bin ich wieder das Mädchen von damals, das so gern wissen wollte, wie es hinter dem alten Gemäuer nahezu verfallener Gebäude aussieht.

Schon jetzt ist an manchen Stellen kaum noch etwas vom sozialistischen Urlaubsprunk zu erkennen. Ich versuche angestrengt mir vorzustellen, wie hier vor 40, 50, 60 oder mehr Jahren russische Gäste in Erwartung eines heißen Bades die Treppen hinauf gelaufen sind. Schon bald werden der Efeu und das Moos diesen Ort aufgefressen haben.

Der Zustand der Häuser lässt Investoren offensichtlich davor zurückscheuen, die vom Staat zum Verkauf stehenden Immobilien zu erwerben. Nur die wenigsten sind bis jetzt verkauft worden.

Anstatt die Pools zu füllen macht sich das Wasser zusehends an den Wänden bemerkbar.

In Gängen wie diesem wird meine morbide Liebheit zur Schönheit des Verfalls endlich erwidert.

Da und dort kann man sich noch um einiges besser vorstellen, wie luxuriös es hier noch vor wenigen Jahrzehnten gewesen sein mag.

Jugendliche und im Sommer unzählige Schlangen finden hier noch gelegentlich Unterschlupf.

Allen leerstehenden Sanatorien gemeinsam: Sie sind wirklich leer. Kein Nagel, kein Stück Holz, nichts ist hier hinterlassen worden. Alles was nur irgendwie zu gebrauchen war wurde verscherbelt oder anderweitig verwendet.

Der Grundriss und die klassizistischen Säulen lassen vermuten, dass hier wohl das Restaurant war und man fein dinierte.

… und manche Ecken sind so gruselig, dass man jeden Moment erwartet, ein Ungetüm rase aus einer Ecke auf dich zu.

Das einstige Kurhaus verdienstvoller KGB-Mitarbeiter

Das Mädchen, das einst Ruine heißen wollte, durfte in einem Tag mehr Ruinen erkunden als in ihrem ganzen bisherigen Leben zusammen. Das hat sie Georgien zu verdanken, das zwar die meist unglückliche Zeit als Teil der Sowjetunion lieber vergessen würde, es aber nicht schafft die Spuren der Erinnungen daran von heute auf morgen verschwinden zu lassen und darauf hofft, dass sie irgendwann von allein von der Erde verschluckt werden. So hab ich sie aufsaugen dürfen, die einst opulente, sozialistisch glänzende, nunmehr modrig riechende, dahin siechende Atmosphäre diesen speziellen Ortes, der so viele Geschichten zu erzählen weiß.

 

 




Nachdem der gestrige Tag alles andere als nach Plan verlaufen ist (zum Blogbeitrag: Nein, das ist nicht Stepantsminda) und ich, nachdem auch am heutigen Morgen die Passstraße nach Stepantsminda gesperrt blieb, meine Träume den 5.000er Kazbeg zu sehen für diese Reise final begraben habe, ist der heutige spontan geplante Tag so verlaufen, wie er besser nicht sein könnte. Das Wetter klarte nach und nach auf und endlich endlich durften wir auch etwas länger wandern. Und soviel Neues entdecken.

Ananuri ist eine Burg in in der Nähe des gleichnamigen Dorfes in Mzcheta-Mtianeti an der Georgischen Heerstraße. Sie stammt aus dem Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit, ihre ältesten Teile werden ins 13. Jahrhundert datiert.

Ein Traumtagerl wie aus einem Reisemärchen

Reisebericht von Daniela Luschin-Wangail

Ja, ich hatte mich schon abgefunden, dass es nichts mit dem ursprünglichen Plan nach Stepantsminda zu fahren wird. Gut, also das Beste daraus machen. Wir beschließen nach Tskaltubo im Westen Georgien zu fahren und unterwegs so viel wie möglich zu entdecken. Den Anfang macht die selbst im noch regnerischen Trübsal des Morgens pittoreske Burg Ananuri, von der aus man das Aragwi-Tal gut überblicken kann und in dessen nicht TÜV-geprüften und speziell gesicherten Wachtürmen man herumkraxeln darf.

Fresko aus der Kirche der Burg Ananuri mit schaurigen Höllendarstellungen

Blick auf den Kirchturm und das dahinterliegende Aragwi-Tal

Bissl trüb, aber dennoch ganz schön anzuschauen

Und weiter geht es Richtung Tbilisi in die Stadt Mchzeta bzw. darüber hinaus ins Kircherl Jvari aus dem 6. Jahrhundert. Dort tummeln sich massig viele Touristen aus aller Welt, ein buntes Sprachengewirr zerreisst die Ruhe, die wir sonst bisher in Georgien erleben durften. Zirka 95% aller Gäste schießen das genau selbe Fotomotiv. Ich auch. Eh klar. Den Zusammenfluss des Aragwi mit dem Mtkwari, der von hier oben wirklich traumhaft anzuschauen ist. Hochgerechnet dürfte dieses Motiv wohl bereits millionenfach festgehalten worden sein.

Tatataaaa, mein Exemplar!

Der Name Jvari wird mit „Kreuzkloster“ übersetzt, was darauf zurückzuführen ist, dass die in Georgien hochverehrte Heilige Nino (ja, hier ist das ein Frauenname!) hier oben ein Kreuz hinterlassen haben soll, das nunmehr in der Kathedrale des Klosters steht.

  In die Geburtsstadt Stalins

Weiter geht es Richtung Westen bis in die Geburtsstadt Stalins, nach Gori. Zviad, unser Partner für Georgien, und ich scherzen, dass Georgien und Österreich einiges gemeinsam haben. Unter anderem auch, dass beide Länder Diktatoren hervorgebracht haben, die dann ins Nachbarland exportiert wurden, wo sie ihren Siegeszug angetreten haben. Trotzdem sind beide Länder ihre Monster nicht losgeworden. Nichts worauf wir stolz wären. Einfach nur eine interessante Parallele. Das Stalin-Museum in Gori, das beim Haus erichtet wurde, in dem der 1878 als Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili geborene Josef Stalin aufgewachsen ist, heben wir uns für Sonntag auf, wo wir nochmals durch die Stadt müssen, weil wir nämlich viel viel lieber raus in die Natur wollen, wo der Regen versiegt ist und der Himmel sich geklart hat.

Wir fahren in ein kleines Dorf unweit von Gori bis ans Ende der Straße und besuchen ein Weingut.

Von hier aus starten wir eine ausgiebige Wanderung hinauf in die Berge. Endlich!

Der Aufstieg hat sich gelohnt. Ein wunderbarer Rundumblick und ein ruhiges schönes Platzerl zum tief Luftholen.

Hier ließe es sich gut und gerne ein paar Tage aushalten. Mit dem Besitzer des Weinguts wurden ein paar interessante Wanderrouten besprochen, die wir gerne auch in dein Programm einbauen können.

Das Dorf und die Wanderung dort waren definitiv mein absoluter bisheriger Höhepunkt dieser Georgien-Reise, auch wenn es dort eigentlich recht unspektakulär ist. Aber Reisen sind für mich immer auch ein Runterkommen und Sichwiedererden und das geht meiner Meinung nach immer dort am besten, wo am wenigsten Trubel ist, an den Coldspots – im Gegensatz zu den touristischen Hotspots – wo man ein Land und seine Natur authentisch erleben darf. Wandern ist immer wieder eine effiziente Methode den Käse des Alltags einfach mal verschimmeln zu lassen. Nachdem ich mir meine Füße heute wieder mal gescheit vertreten durfte, ist mein Endorphin-Level heute endlich wieder gscheit hoch und ist gleich danach noch höher angestiegen.

Schon vor einigen Tagen hatte ich Zviad gebeten mich dorthin zu führen, wo auch ein durchschnittlicher Georgier wirklich gerne isst. Kein fancy Schicki-Micki-Restaurant bitte! Auf meinen vergangenen Reisen habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es das beste Essen eines Landes in einfachen Straßen-Raststätten gibt, da wo die Lastwagenfahrer und die Durchreisenden Pause machen und Frauen oder Männer aus dem Dorf genau das Essen zubereiten, das sie auch zu Hause auftischen würden.

Ich lande am Ende an einer Raststätte, die Zviad schon seit seiner Kindheit von Autofahrten kennt und von der er bis heute schwärmt. Und tatsächlich. Ein Traum. Ich esse zwar drei Gerichte, von denen ich bis jetzt keine Ahnung habe, was es war, weil Zviad mir die Gemüse nicht ins Englische übersetzen konnte und ich weder visuell noch geschmacklich ausmachen konnte, worum es sich handelte, aber es war hervorragend.

Das Setting des Restaurants ist ungewöhnlich. Man isst dort in kleinen Hütten, in denen jeweils ein Tisch mit Sesseln und einem Metallofen stehen. Der Kellner kommt, nimmt die Bestellung auf, schließt die Tür, bringt ein paar Minuten später das Essen und verabschiedet sich wieder. Zumindest muss man sich in solche Separées keine Gedanken um Tischmanieren machen.

Sofort wieder würde ich hierher pilgern, nur um mir den Bauch richtig vollzuschlagen.

Wenngleich der Tag Kur genug für mich war, endet er in der ehemaligen Sowjet-Kurstadt Tskaltubo, in der sich sogar Stalin vom Diktatoren-Stress erholt haben soll. Wir nächtigen in einem einstigen Sanatorium, das vor ein paar Jahren in ein Hotel umfunktioniert wurde, während die meisten anderen Sanatorien zwischenzeitlich dem Verfall preisgegeben sind. Die stehen morgen am Programm. Und einiges mehr.

 

 




Wenn mich mein Job eines gelehrt hat dann die Tatsache, dass man Reisen noch so gut planen und organisieren kann und trotzdem geht alles in die Hose. Der Mensch täte ja gerne alles regeln und garantiert haben, aber manchmal werden wir auch einfach gelenkt und haben keine andere Wahl als uns höheren Gewalten zu beugen. Auch wenn es das ist, worauf wir uns am meisten gefreut haben. Wie eben ich mich auf Stepantsminda (1.700m) am Fuße des 5.047m hohen Kazbeg, weil es dort wunderbar zum Wandern ist und auch feine Fotomotive liefert. Das Titelbild dieses Beitrags (siehe oben) hätte ich gerne selbst geschossen. Hab ich aber nicht. Weil es partout letzte Nacht so viel schneien musste, dass die Passstraße dorthin wegen akuter Lawinengefahr gesperrt wurde. Verdammt!

Am Weg nach Stepantsminda berichtet das staatliche Fernsehen vom plötzlichen und erneuten Wintereinbruch und der Sperre der Passstraße wegen akuter Lawinengefahr

Georgien: Oft geht blöd!

Schon am Vortag waren wir auf Schneefall vorbereitet und darauf, dass die geplante Wanderung unter Umständen etwas kürzer ausfallen würde. Und selbst wenn es keine Wanderung gäbe, Hauptsache die fesche Kirche Zminda Sameba auf 2.170m sehen und vor der atemberaubenden Bergkulisse fotografieren (siehe nochmals Titelbild). Das war mein erklärtes Ziel.

In der Früh hat es in Kachetien – unserem Ausgangspunkt – geschüttet, die Straßen standen teilweise unter Wasser und die Schönheit des Alazani-Tals war unter derart trüben Bedingungen auch nicht wirklich optimal zu genießen, geschweige denn fotografisch festzuhalten.

Die Kirche Gremi im Alazani-Tal schaut auf diesem Foto trotz des Schnürlregens halbwegs passabel aus.

Schließlich wurden wir telefonisch darüber verständigt, dass die Passstraße nach Kazbegi (der alte Name Stepantsminda) polizeilich gesperrt wurde. Zuviel Schnee war gefallen und fällt noch immer und die Gefahr von Lawinenabgängen sei einfach zu hoch. Ich gestehe, dass ich alles andere als glücklich war, aber zum Heulen war mir doch nicht. Damals, ja, vor mehr als 10 Jahren noch, da hätte ich mich wie Rumpelstilzchen geärgert und wär im Kreis gesprungen, weil ich ja unbedingt, unbedingt dorthin wollte. Aber nach den vielen Jahren Arbeit im Himalaya und in Indien hab ich eines gelernt: die Dinge so zu nehmen wie sie sind. Wir können minutiös und so veraussehend wie nur irgendmöglich planen und überaus bemüht sein, aber wenn der Himmel sagt, er muss die frühlingshafte Welt jetzt unbedingt noch einmal mit einem heftigen Schneefall strafen, ja, dann ist dem so und da hilft all die Wut nichts.

Auf dem Weg in Richtung Stepantsminda wird sichtbar, dass wirklich einiges an Schnee gefallen ist.

Wir beschließen zumindest bis nach Gudauri auf 2.196m, einem für Skisport und Heliskiing beliebten Ort am Fuße des Kudebi, ca. 35km vor Stepantsminda zu fahren und darauf zu hoffen, dass wir morgen weiter kommen, wenngleich die Aussichten gering sind, weil für die nächsten 10 (!) Tage täglich Schneefall prognostiziert wird.

 

Die Berge am Beginn der Passstraße nach Gudauri sind nebelverhangen.

In Gudauri liegt zwar gar nicht mehr so viel Schnee, weil die Temperaturen im Laufe des Tages wieder im Plusbereich sind, dafür aber ist es gatschig und es tröpfelt vor sich hin, zum Wandern keine guten Voraussetzungen und generell erinnert mich die Ortschaft an all die hässlichen künstlich aufgezogenen österreichischen Schiregionen mit viel zu großen und absolut uncharmanten Hotelanlagen. Nur noch etwas hässlicher. Nein, das ist nicht mein Stepantsminda. Folglich sitze ich jetzt im Hotel schreib diesen Beitrag und hoffe auf ein Wunder für den morgigen Tag. Ansonsten werden die Bergriesen des Kaukasus hier an der Grenze zu Südossetien und Russland morgen wieder verlassen und Alternativen erkundet. Wer weiß wofür es gut ist. Womöglich führt mich so das Schicksal an einen noch spannenderen Ort. Davon gehe ich jetzt einfach mal aus, nein, ich erwarte es. Und wenn dem nicht so ist, dann werde ich zu Rumpelstilzchen 😉

Stepantsminda und Gudauri liegen an der berühmten Heeresstraße an der Grenze zu Russland und der umstrittenen Region Süd-Ossetien, das völkerrechtlich zu Georgien gehört, sich jedoch abgespalten hat und dessen Unabhängigkeitsbestrebungen von den Russen mit strategischem Kalkül unterstützt werden. Foglich sind die Georgier auf Russland nicht besonders gut zu sprechen.

Gudauri selbst ist nicht gerade schön. Ein künstlich hochgezogener Ferienort, desssen Gebäude viel zu schnell und ohne Liebe hochgezogen wurden. Die bestimmt atemberaubende Bergkulisse bleibt mir leider wegen des Nebels größtenteils verwehrt.

Das Kircherl unweit des Zentrums von Gudauri.




Verdammt! Der Blick aus dem Fenster nach dem Aufstehen hat dem Himmel entsprechend trübe gestimmt. Es regnet! Und das genau an dem Tag an dem wir dringend, wirklich dringend, gutes Wetter brauchen würden. Denn am Programm steht der Vashlovani Nationalpark in Kachetien, dessen Jeeppisten bei Regen nicht nur schnell verschlammt sondern richtiggehend unter Wasser stehen. Dabei hatte ich gestern noch insbrünstig gen Himmel geschrien und den Wettergott angefleht der eh schon schlechten Wettervorhersage einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Die miese Wetterlaune steigt beim Frühstück zum Glück. Bei dem Anblick absolut verständlich. Nicht wahr? (Das Foto entstand bevor noch weitere Köstlichkeiten serviert wurden.)

Vashlovani Nationalpark und Sowjet-Militärflughafen

Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

 

… und was ist passiert? Beim Losfahren ist der Regen versiegt und bis wir im Nationalpark ankommen, sind so gut wie alle Wege wieder halbwegs trocken und damit gut befahrbar. High Five gen Himmel! Danke, werter Wettergott! Schon am Weg zum Vashlovani Nationalpark ändern sich die Landschaften rasant. Anfangs toskanaähnlich, dann wieder weit und steppengleich, es folgen Hügel und schließlich mehr oder weniger bare Felslandschaften, mal Sandgestein, mal andere Steinformationen, die einer Geologie-Laiin wie mir nichts sagen. Mit von der Partie sind nicht nur unser Geschäftspartner für Georgien, Zviad, sondern auch ein lokaler Guide namens Giorgi, ein immer-fröhlicher junger Mann, der ganz offensichtlich nicht nur alle Wege des überaus verwirrenden Jeep-Pisten-Netzes, sondern auch alle Pflanzen und Tiere des Nationalparks zu kennen scheint. Menschen treffen wir hier kaum, nur einige Ranger. Dafür aber unzählige Landschildkröten, die wir wiederholt von der Straße an den Rand heben müssen, damit wir sie mit unserem schweren SUV nicht zerquetschen.

Neben den langsamen Reptilien gibts aber auch flottere: Echsen und Schlangen. Die Levanteotter und die Sandboa sind die bekanntesten. Größere einheimische Tiere sind Gazellen, Goldschakale, Wölfe, Rohrkatzen und Braunbären. Es gibt sogar Sichtungen von Leoparden, aber sehr sehr wenige. Die Gazellen wurden während der Sowjetzeit so erfolgreich gejagt, dass sie bis vor der Wiedereinführung vor ein paar Jahren hier gänzlich ausgestorben waren.

Ich mag die Eintönigkeit von weiten Ebenen. Doch schon bald ändert sich die Landschaft gravierend.

Man erinnert sich zeitenweise in die Kulisse von Winnetou-Filmen versetzt.

Über Jahrhunderte waren georgische Wachleute an den Bergketten stationiert, um durchziehende Karawanen zu erkennen und Zölle für ihre Waren abzukassieren.

… und schon wieder eine komplett andere Landschaft. Sanft geschwungene Hügel mit wilden Pistazien-, Wacholder- und Granatapfelbäumen.

Die Russen haben im Vashlovani-Nationalpark Yuccapalmen im großen Stil angebaut. Heute wachsen sie noch immer, genutzt werden sie aber nicht mehr.

Und hinten am Horizont liegt schon Aserbaidschan.

Faltiges Minigebirge übersät von kleinen Baumtupfen.

Hier muss man einfach Panorama-Bilder schießen.

Wir haben die Schildkröte beim Trinken über Minuten beobachtet und festgestellt, dass die Tiere nicht nur beim Gehen sondern auch beim Wassernehmen überaus langsam sind. Ich könnte dem Leser jetzt auch erzählen, dass das oben kein Foto sondern ein Video ist. Ein Unterschied wäre nicht zu erkennen.

… und dann ein Kontrast, der größer nicht sein könnte

Am Weg zurück halten wir auf der Ebene von Shiraki. Was ich aus der Ferne als großes Dorf wahrgenommen habe, stellt sich beim Näherkommen als riesiger Militärflughafen raus. Seit der Unabhängigkeit Georgiens ist er nicht mehr in Betrieb, soll aber einst der größte Militärflughafen der Sowjetunion gewesen sein. Eine riesige brach liegende Landebahn wird von zig, wenn nicht Hunderten Hangars gesäumt, die von oben nicht wahrgenommen werden, weil sie mit Erde bedeckt wurden und somit von Gras überwachsen sind.

Ich hab mir das natürlich gleich auf Google Maps anschauen müssen, aber die Russen haben wohl extra eine Wolkendecke vorgeschoben, damit man nicht zuviel davon zu sehen bekommt! Die Landebahn und das Straßennetz mit Verbindungen zu den einzelnen Hangars kann man trotzdem gut erkennen.

Bis auf ein Flugzeug haben die Russen alles mitgenommen als sie abziehen mussten. Die Bewohner der umliegenden Dörfer haben nicht nur das Flugzeug gründlich geplündert, sondern auch die unzähligen Gebäude auf dem Areal, von denen kein einziges mehr Fenster oder Türen, geschweige denn irgendein Interior hat. Sie nutzen sie dafür gelegentlich als Stallungen für ihre Tiere.

Die Hangars (ja, das ist tatsächlich die Mehrzahl von Hangar, ich habe es geprüft) werden von den Dorfbewohnern heute als Lager für ihre Ernte genutzt.

Giorgi erzählt uns noch, dass unter dem Flughafen unterirdische Bürogebäude angelegt und angeblich radioaktive Materialien eingelagert wurden. Der Zutritt ist deswegen verboten und der Zugang verbarrikadiert.

 

Hangar von vorne

Am Ende des Tages weiß ich gar nicht, was ich spannender finde: den wirklich wunderbaren Nationalpark Vashlovani oder die derbe Schönheit der Überreste aus einer vergangenen Ära. In jedem Fall ist der Kontrast zwischen diesen beiden Höhepunkten kaum zu übertreffen und eine Kombination für sich, die ich jederzeit wieder machen würde.

Der Regen hat übrigens erst kurz vor Eintreffen beim Hotel wieder eingesetzt. Das hab ich also ziemlich gut ausgehandelt.




Ein zweiter eindrucksvoller Tag in Georgien ist fast um. Mein Kopf ist nicht nur voll mit neuen Impressionen sondern auch leicht benebelt von der Weinverkostung im Traumstädtchen Sighnaghi, der Bauch dahingegen gefüllt mit weiteren Delikatessen der georgischen Küche. In Momenten wie diesen beneide ich mich unsäglich um meinen Job 😉

Blick über das Städtchen Sighnaghi, das mich sofort an Italien erinnert hat, mit den schneebedeckten Bergen des Kaukasus in Dagestan im Hintergrund

Der Weinkeller Georgiens: Kachetien

Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

Und schon geht es raus aus Tbilisi. Nicht weil die Stadt nicht schön war, nein, weil es noch so viel mehr zu entdecken gibt. Trotzdem Georgien flächenmäßig nicht sehr groß ist – knapp unter 70.000km2 -, ist es landschaftlich sehr vielfältig. Mein heutiges Ziel: Kachetien, östlich von Tbilisi an der Grenze zu Aserbaidschan, Tschetschenien und Dagestan.

 

Kachetien ist insbesondere für seinen Weinbau bekannt und zählt zu den ältesten Weinanbauregionen der Welt. Erste Spuren des Weinbaus datieren zurück bis ins 6. Jahrtausend v. Chr. Neben Kachetien gibt es noch weitere Anbauregionen, Kachetien ist aber die bedeutendste. Das Klima ist für den Anbau von Weintrauben ideal. Hauptrebsorten sind Rkaziteli, eine weiße Sorte, und Saperawi, eine rote Sorte. Die Besonderheit des georgischen Weins ist seine Herstellung. Weltweit gibt es nur drei verschiedene Herstellungsmethoden – wie ich heute lernen durfte – die europäische, die jüdische und eben die georgische. Die UNESCO hat die georgische Methode sogar zum Weltkulturerbe erhoben. Was die Methode so speziell macht ist die Tatsache, dass der Traubensaft zusammen mit der Maische in riesigen Tongefäßen (Kwewri) bis zum Hals in der Erde eingegraben werden, die mit Holz oder Schieferstein abgedichtet und mit Ton und Asche versiegelt werden.

 

Weinverkostung in Sighnaghi. Drei verschiedene Weine durfte ich kosten – 2 verschiedene Weißweine unterschiedlicher Stärke und einen Rotwein, den berühmten Saperavi, als auch die aus Weintrester hergestellte Spirituose Tschatscha. Die leicht gelbliche bis bernsteinfarbene Färbung der Weißweine ist eine weitere Besonderheit der georgischen Weine.

 

Dawit Garedscha: Spuren des alten Christentums in Georgien

Vor dem Versinken in diverse Weingeschmäcker durfte ich in eines der ältesten georgisch-orthodoxen Kloster des Landes eintauchen. Das Koster Dawit Garedscha wurde im 6. Jhdt. n. Chr. gegründet und liegt im Höhenzug von Udabno in der ost-georgischen Steppe direkt an der Grenze zu Aserbaidschan. Der Name des Klosters ist auf den Gründervater Dawit, einer der 13 Syrischen Väter zurückzuführen, die die Georgier zum Christentum missioniert haben. Nachdem Dawit in Tbilisi gepredigt hatte, zog er sich in die Halbwüste Kachetiens zurück. Bis heute ranken sich zahlreiche Legenden um sein Leben. So soll er mehrere Tage gebetet haben, als plötzlich in der Nähe des Klosters aus dem Felsen Trinkwasser floss. Die noch heute bestehende Quelle nennt sich „Tränen Dawits“.

In den folgenden Jahrhunderten hat sich das Koster nach und nach erweitert. Weitere zugehörige Teile sind unter anderen Bertubani (heute in Aserbaidschan), Zamebuli, Dodorka, Natlismzemeli, Udabno und Tschitschchituri. Sie befinden sich unweit von Dawit Garedscha und in einem nördlich gelegenen Höhenzug bei der offenen Siedlung Udabno. Dorthin musst du unbedingt wandern, auch wenn der Weg teilweise etwas rutschig und steil ist. Und unbedingt Wasser und Kopfbedeckung mitnehmen. Es kann verdammt heiß werden. Dauer der Rundwanderung ca. 1 Stunde.

Das Kloster musste immer wieder schwere Zeiten aufgrund von Invasoren durchleiden, die in der Enthauptung und Tötung von rund 6.000 Mönchen durch den persischen Schah Abbas im Jahr 1615 gipfelten. Die Zahl 6.000 kann angezweifelt werden, scheint es doch nahezu unmöglich, dass dort wirklich 6.000 Mönche gelebt hatten. Vielleicht spielt etwas Übertreibung mit. Viele waren es in jedem Fall.

In der Sowjetzeit wurde das Kloster geschlossen, erst 1990 wurde Dawit Garedscha wieder als Kloster geweiht.

Und hier noch ein paar Bilder von Dawit Garedscha. Damit darf ich noch ein wenig mein schönes Boutique-Hotel nahe Sighnaghi genießen.

Hier sieht man schön die Klausen der Mönche

Blick über den Höhenzug von Udabno, der zwischen Georgien und Aserbaidschan liegt und auf den man unbedingt wandern sollte, um den oberen Teil mit den alten Klausen zu sehen. Wanderung (Rundweg) dauert ca. 1-2 Stunden (es kann heiß werden, also unbedingt Kopfbedeckung und Wasser mitnehmen!)

Fresken in den oberen Klausen am Höhenzug. Leider arg in Mitleidenschaft gezogen – durch Invasoren und auch übermütige Jugendliche

Mehr Wandmalereien

Landschaft am Weg zum Kloster

Salzsee am Weg nach Dawit Garedscha

 




 Angekommen in Georgien. Der erste Blick aus dem Flugzeug fällt auf eine riesige Werbetafel für ein Casino: Shangri La. Verheißungsvoller Name mit wohl eher geringen Chancen für SpielerInnen das wirklich große Geld darin zu machen. Trotzdem kommen Hunderttausende Gäste jährlich aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Georgien, um hier ihr Glück am Spieltisch oder -automaten zu versuchen. Gewinner sind aber vor allem die Casinos selbst und der Staat. Mein Shangri La aber suche ich nicht im Casino, sondern gleich am ersten Tag beim Eintauchen in die spannende Welt der Hauptstadt Georgiens: Tbilisi oder Tiflis, wie man es im deutschen Sprachraum nennt.

Das Casino ist nicht mein Shangri La. Die Stadt Tbilisi kommt dem schon viel näher.

Traumstadt Tbilisi

Ein Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

Der im Deutschen gebräuchliche Name Tiflis kommt entweder aus dem Türkischem oder Persischem, ganz klar ist es nicht. Tatsächlich hieß Tbilisi von 1845 bis 1936 sogar offiziell Tiflis. So falsch liegt man damit also nicht. Im Georgischen bedeutet tbili „warm“ und tbilisi soviel wie „warme Quelle“, was uns direkt zur Legende rund um die Gründung der Stadt führt, in der rund ein Drittel der gesamten georgischen Bevölkerung lebt (ca. 3,7 Mio in ganz Georgien, in Tiflis 1,11 Mio).

Die Legende: König, Falke & Fasan

Der Gründungslegende von Tbilisi zufolge soll der König Wachtang Gorgassali (446-502) dort wo heute die Hauptstadt Georgiens liegt mit seinem Falken nach einem Fasan gejagt haben. Sein Falke als auch der anvisierte Fasan verschwanden jedoch in einer Schlucht. Der König hat sich mit seinem Gefolge auf die Suche nach den beiden begeben und sie schließlich an einer heißen Quelle gefunden. Der beeindruckte König ließ die Quelle untersuchen, erkannte in ihnen eine heilende Kraft und beschloss hier seine Hauptstadt zu bauen.

Tatsächlich sprudeln in Tbilisi schwefelhaltige heiße Quellen, deren Kraft man bis heute in architektonisch eindrucksvollen Badehäusern zu schätzen und nutzen weiß.

Pulsierender Schmelztiegel

Das Bild der Stadt ist unglaublich bunt. Einflüsse verschiedenster Kulturen, Religionen, politischer Strömungen, geschichtlicher Ereignisse und moderner Entwicklungen haben ein unfassbar vielfältiges und doch stimmiges Kunstwerk geschaffen. Tbilisi ist soviel, so vielschichtig, dass es mir schwerfällt es mit mir anderen bekannten Städten zu vergleichen. Es ist Paris, Prag, Delhi, Teheran, Moskau, Istanbul und Berlin gleichermaßen und doch einfach nur Tbilisi. Es braucht keine Vergleiche. Es ist was es ist. Eine unsäglich schöne, vibrierende, heterogene, historische und unglaublich moderne Stadt, ein Schmelztiegel verschiedenster Einflüsse, ein Beispiel dafür wie schön Vielfalt sein kann.

Durch dieses Wunder fließt der Mtkwari, den die Russen Kura nennen, von West nach Ost. Nördlich des Flusses befinden sich die am meisten fotografierten Motive der Stadt. Rechts bzw. südlich des Flusses liegen der Heilige Berg Mtazminda (720m), die alles überblickende Mutter Georgiens Kartlis Deda, eine 20m hohe Statue, die in der rechten Hand ein Schwert gegen Feinde und in der linken eine Trinkschale mit Wein für Gäste hält, die eindrucksvolle omnipräsente Festung Narikala, die für Fußfaule auch per Seilbahn erreichbar ist, und die wirklich unvergesslich schöne Altstadt. Verbunden sind beide Flussseiten unter anderem durch die Friedensbrücke, die augenscheinlich auffällt. Die ultramoderne erst 2009/10 errichtete Brücke steht symbolisch für das für Tiflis typische und so harmonische Hand in Hand des Alten und Neuen. Enge mit Kopfsteinpflaster durchzogene Gassen, die von alten georgischen Häusern mit aufwändigen Holzbalkonen gesäumt sind, jahrhundertealte orthodoxe Kirchen nebst Sowjetbauten und dem neuen kultur- und kunstliebenden modernen Georgien.

Ein Must ist ein Eintauchen in die Kaffeehäuser und Restaurants der Stadt, die eine bunte Kollage aus Graffiti, orientalischem Flair und Vintage-Style sind. Ein überaus sättigender und erfüllender, aber gar nicht notwendiger Augenschaus, ist doch die georgische Küche schon Befriedigung genug. Bei Khachapuri, Chinkali, Lobio, Pchali und Co würde ich auch im düsteren Keller glücklich und froh speisen.

Was ich noch gaaaanz toll an Tbilisi finde: es gibt hier unheimlich viele Katzen. Nach den ganzen hundevollen Städten und Dörfern der vergangenen Jahre ist das wahrer Balsam für die katzenliebende Seele.

Nicht so toll, sondern eher traurig, finde ich, dass es hier eine ziemliches Problem mit Altersarmut gibt und alte bettelnde Menschen leider auch Teil des Stadtbildes sind. Gar nicht aufdringlich. Einfach nur herzzerbrechend.


Interessanteste Info des Tages für mich persönlich

 

Die Frau am 50 Lari-Schein (Lari [GEL] ist die georgische Währung) nennt sich interessanterweise König Tamar. Nein, nicht KönigIN Tamar. Die Georgier sprechen bewusst mit männlichem Monarchstitel von ihr, weil sie ihrer Meinung nach einem König in nichts nachsteht. König Tamar wird von den Georgiern bis heute hoch gepriesen. Ich persönlich finde den Grund für ihre „Vermännlichung“ eine schräge Argumentation und kann dem nicht beipflichten und werde definitiv nicht als König von ihr sprechen, denn auch als Königin kann sie sich sehen lassen: Königin Tamar (geb. 1160, gestorben 1213) war Herrscherin über das mittelalterliche Georgien und führte es im Goldenen Zeitalter auf den Höhepunkt seiner Macht. Tamar modernisierte Politik, Wirtschaft und Kultur. Staatliche Proklamationen wurden nur noch nach Absprache mit dem Adelsparlament Darbasi verkündet. Auf lokaler Ebene schuf sie Gerichte, gegen deren Entscheidungen Widerspruch bei einem Obersten Gerichtshof eingelegt werden konnte. Sie schaffte die Todesstrafe und die Verstümmelung von Straftätern ab, ließ Kirchen und Klöster errichten, unterstützte Wissenschaftler, Dichter und Künstler. Alles in allem definitiv eine tolle und bewundernswerte Frau. (das lass ich jetzt mal fett stehen)

Es gäbe noch so viel zu schreiben. Soviele Eindrücke, so viel dazugelernt. Doch nichts kann den Charme einer Stadt besser vermitteln als Bilder von dort. Also: Scroll dich. Tauch ein. Sei kurz da. Und wenn das nicht reicht. Dann komm!

Altes georgisches Haus mit mediterranen Pflanzen

Der eigenwillige Uhrenturm, der vom hiesigen Marionettenspieler erbaut wurde.

Die Berikaoba-Skulptur ist ein beliebtes Fotomotiv

Graffiti, Graffiti, wohin das Auge blickt. Wunderbar!

 

Der Falke des Königs Wachtang mit erlegtem Fasan aus der Gründungslegende vor den Badehäusern der Stadt.

Auch die ganz kleinen Graffitis haben es mir angetan.

Die engen Gassen der Altstadt sind ein absolutes Must See.

Beliebte Unterkunft junger Backpacker: Fabrika. Gar nicht so billig, aber hipp.

Am Flohmarkt

Nicht Intimissimi-Unterwäsche, nein, die georgische Schrift hat es mir angetan.

Badehaus im iranischen Stil nebst georgischem Haus.

Khachapurito – ähnlich der bekannteren Khachapuri – georgische Flade mit Käse und Gemüse gefüllt.

Georgisch-Orthodoxe Kirche mit prachtvollen Blüten

Das alte Tbilisi – vermutlich um 1900

Ein bissl Georgisch sollte man sich schon merken

Ich mag das Neue auf Altem

Same here

La Opera

Bettelnde Gruppen von Roma sind ebenfalls Teil des Alltags

König Wachtang mit Blick auf die Festung Nakila

Georgier lieben ihren Wein.

Café Leila. Sehr leckeres vegetarisches Restaurant.

Sogar Toiletten sind in Tbilisi einfach nur schön (manche 😉 )

Ich kenne den Piros-Man nicht – vielleicht ist er der georgische Supermann – aber ich mag ihn.

Radfahren in Tbilisi? Warum nicht?

Die alten Badehäuser in der Altstadt sind unbedingt einen Besuch wert.

Kann man von solchen Häusern je genug bekommen?

Phkali. Schwer auszusprechen. Dafür sehr gut auf der Zunge.

Nettes Restaurant in der Altstadt. Café Linville.




Wenn man an den Iran denkt, verbindet man damit häufig verschleierte Frauen und ein Frauenbild, das dem der Männer nicht gleichgestellt ist. Als europäische Frau, die in den Iran reisen will, sollte man sich im Vorfeld mit ein paar Dingen auseinandersetzen. Wir sind dir dabei gerne behiflich.

Wie sicher ist der Iran für Frauen?

 

Generell gilt der Iran als ein recht sicheres Reiseland, und viele Frauen reisen ohne Probleme sogar alleine durch den Iran. Die meisten alleinreisenden Frauen berichten davon, dass der Iran für sie eines der sichersten Reiseländer überhaupt empfunden wurde.

Als westliche Frau muss man damit rechnen, dass man in der Öffentlichkeit angestarrt wird. Meist hat dieses Anstarren aber mit Interesse und Neugier zu tun. Wir raten dir dazu, das Starren zu Ignorieren und ihm vor allem nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken.

In den iranischen Großstädten gibt es eigene Touristenpolizeistationen, an die du dich wenden kannst, wenn du Hilfe oder Informationen benötigst.

In größeren Städten ist man den Anblick von allein oder in Gruppen reisenden Frauen schon eher gewohnt und man wird von Einheimischen und Familien freundlich begrüßt. Trotzdem sollte man sich an ein paar Regeln halten.

 

Nicht alle Frauen im Iran verhüllen sich so stark.

Wie du dich kleiden solltest

Gemäß den vorherrschenden islamischen Regeln müssen Frauen alle Körperteile (und Haare) mit Ausnahme von Gesicht und Händen bedecken. Religiöse Frauen im Iran tragen meist einen Tschador, ein schwarzes Gewand, das den Körper von Kopf bis Fuß bedeckt ist. Die meisten Frauen aber ziehen es vor, eine Art Mantel, den Manteau, zu tragen, der lang, kurz, eng, locker und in verschiedenen Farben sein kann (allerdings nicht zu kurz oder zu eng). In jedem Fall darf der Manteau nicht kürzer als 10cm über dem Knie sein. Der dazu über den Kopf kann auch bunt sein. Tatsächlich hat die Kleidung von Frauen im Iran eine große Vielfalt an Form und Farbe. Viele Frauen ziehen es vor schwarz zu tragen, weil es formeller ist, besonders bei der Arbeit.

Ausländische Frauen müssen ihr Haar mit einem Schal oder einem Tuch abdecken und sollten lange und lose Blusen mit langen Ärmeln tragen. Hosen und Röcke müssen den Körper bis zu den Knöcheln bedecken. Moderne iranische Mädchen ziehen es vor Jeans zu tragen. Sowohl Sandalan, Stiefel als auch andere Schuhe sind ok.

Kein Körperkontakt mit Männern

Mann und Frau schütteln bei der Begrüßung nicht die Hände, man begrüßt sich nur wörtlich. Im Bus sitzt die Frau neben einer Frau, dem Ehemann oder eben allein. In den U-Bahnen gibt es eigene Frauenabteile, in die man jedoch als Frau nicht zwingend muss. Jeglicher Körperkontakt zwischen Mann und Frau ist in der Öffentlichkeit verboten und sollte man auch als Ausländerin nicht machen.

 




Zu Besuch bei einer Familie in Bhutan

Von Ulrike Čokl

Originaltext auf englisch von Ulrike Čokl / Übersetzt von Daniela Luschin-Wangail
Ulli hat alles in allem mehrere Jahre in Bhutan gelebt. Sie hat dort als Ethnologin über traditionelle Praktiken der Gastfreundschaft geforscht. Daher ist sie eine Expertin für das Leben in dörflichen Strukturen in ganz Bhutan. Mit und für Gesar Travel arbeitet sie individuelle und spezielle Reiseprogramme aus, in denen ganz besondere Einblicke in die reiche Kultur Bhutans gewährt werden.

Foto: Marina Beck Photography

Das Gewicht des Verdienstes, der sich aus dem Zufriedenstellen eines Gastes ergbit, kann nicht von einem Pferd getragen werden. 
(Sprichwort aus Bhutan)

“Komm rein, komm rein!” So ruft man mich normal in ein Haus am Land in Bhutan. Je nach dem, wo ich gerade bin, bekomme ich als Willkommenstrunk einen ara (lokales alkoholisches Getränk) oder einen Tee mit ein paar Snacks. Meistens wird dann auch gleich eine Mahlzeit zubereitet, oder sie zumindest angeboten. Der Empfang, donglen, und die Art wie man mit Gästen umgeht, goemgi shongzhag, hängen davon ab welcher Typ von Gast man ist. Es gibt offizielle Besuche und Gäste von hohem Rang, als auch spontane Besuche von Nachbarn. In allen Fällen müssen die Gastgeber großzügig und mitfühlend sein. Die Etikette betreffend gibt es aber Unterschiede, je nachdem wie nah man dem Gast ist. Lamas und Beamte hohen Rangs beispielsweise werden oft zum am Weg mit dem Willkommenstrunk ara und Snacks begrüßt. Manchmal wird diese Empfangszeremonie sogar von Trompetenklängen begleitet. Man bringt sie dann direkt in den choesham (Altarraum) und heißt die hohen Gäste auf weichen Matten Platz zu nehmen.

Aber eigentlich möchte ich davon erzählen, wie du als ausländischer Gast empfangen und behandelt wirst, damit du einen Einblick in die bhutanische Gastfreundschaft bekommst.

Ara – der Willkommenstrunk. Foto: Wulff Hoerbe

Essen in einem bhutanischen Zuhause

Wenn du zu einem bhutanischen Haus am Land kommst, wird dein Guide an der Haustür nach der nangi aum (Hausfrau) rufen, oder, falls er die Familie bereits im Vorfeld kontaktiert hat, werden sie dich bereits draußen empfangen. Normalerweise bitten wir die Gastgeber unsere Gäste in der Küche zu bewirten, weil es dort viel spannender ist zu sehen, was in einer bhutanischen Familie passiert. Außerdem ist es üblicherweise der wärmste Raum im Haus, weil dort ja auch meistens am Lehm- oder Metallofen gekocht wird. In traditionellen Häusern gibt es weder Sessel noch Tische. Du sitzt also auf Teppichen oder dünnen Pölstern. Reichere Familien haben häufig eigene Räume mit Sofas und niedrigen Tischen, um ihre Gäste unterzubringen. Wir finden aber, dass es viel netter und interessanter für unsere Gäste ist in der Küche zu sitzen, wo immer etwas los ist, wo das Essen zubereitet wird und anderes passiert. Unsere Guides sind angehalten die Familienmitglieder mit Namen vorzustellen, weil das sonst in Bhutan nicht üblich ist. Sollte dein Gast vergessen dir die Familie vorzustellen, erinnere ihn ruhig daran. Beim Sitzen musst du dir keine Sorgen machen, wenn du nicht mit überkreuzten Beinen sitzen kannst. Frag deinen Guide in dem Fall in welche Richtung du die Beine ausstrecken kannst ohne jemanden zu beleidigen. Das Ausstrecken der Beine in Richtung von Menschen oder religiösen Räumen/Statuen ist nämlich verpönt. Die Bhutaner sind aber auch sehr verständnisvoll und wissen, dass es für Ausländer oft schwierig ist in der ihnen üblichen Position am Boden zu sitzen. Es ist ihnen vor allem wichtig, dass du dich wohl fühlst und Mitgefühl geht immer vor. Wann immer du nicht sicher bist, wie du dich verhalten sollst, frag deinen Guide!

Vor deiner Ankunft in einem bhutanischen Zuhause hat dein Guide bereits ein Gastgeschenk, chom, besorgt. Das ist Teil der Tradition in Bhutan und hängt von der Jahreszeit und der besuchten Region ab und kann Öl, Zucker, Salz, Kekse, Gemüse, Kerzen, Fleisch, Räucherstäbchen oder Öl für Butterlampen sein. Natürlich kannst auch du ein Geschenk aus deinem Heimatland mitbringen. Darüber freuen sich die Gastgeber besonders. Aber Achtung: Gastgeschenke dürfen nicht an der Türschwelle übergeben werden. Das würde als schlechtes Omen gesehen werden. Warte bis du sitzt und ara oder Tee bekommen hast, bevor du dein Geschenk übergibst. Meistens wird die Familie das Geschenk ungeöffnet weglegen und nicht viel Interesse zeigen, weil ein anderes Verhalten als unbescheiden gewertet werden würde. Wer auf ein Geschenk zu aufgeregt reagiert gilt als gierig. Allerdings ändern sich diese Regeln auch langsam. Wenn deine Gastgeber aber nicht auf den ersten Blick über das Geschenk glücklich scheinen, mach dir keine Gedanken. Sobald du weg bist, werden sie sich mit viel Neugierde an deinem Geschenk freuen.

Wenn das Essen serviert wird, wirst du vermutlich überrascht sein. Es wird dir eine Vielzahl an verschiedenen Gerichten und von allen sehr viel serviert. Die Gastgeber aber werden nicht mit dir essen. Das hat aber nichts damit zu tun, dass sich die Gastgeber dir unterwerfen oder sich minderwertig fühlen, wie es vielen ausländischen Gästen erscheint. Vielmehr ist es ein Bestandteil der bhutanischen Etikette und eine Vorstellung von Höflichkeit. Also fühl dich deswegen nicht schlecht oder komisch. Du kannst ja vorschlagen, dass sie am nächsten Tag mit dir gemeinsam essen, solltest du über Nacht bleiben. In Bhutan isst man mit den Händen. Also darfst du ruhig auch das Besteck weglassen und dich in bhutanischem Essverhalten versuchen.

Es ist ein wichtiger Bestandteil der bhutanischen Gastfreundschaft den Gast anzuhalten mehr zu essen. Allerdings haben inzwischen viele Homestays gemerkt, dass die meisten Ausländer nicht so viel wie Einheimische essen können, besonders wenn es um Reis und Chilli geht.  Trotzdem kann es sein, dass sie dir wiederholt anbieten deinen Teller und deine Tasse nachzufüllen. Je mehr du isst, desto glücklicher werden deine Gastgeber sein. Sie werden es aber auch verstehen, wenn du nicht so viel schaffst. Meine persönliche Empfehlung: Beim ersten Mal weniger nehmen und dafür das Nachreichen akzeptieren. Das macht die Gastgeber glücklich.  Bei den Getränken sind 1-2 Nachfüllungen ein Muss. Falls dir das zuviel ist, trink einfach nicht alles aus. Man wird dir schon nach ein wenig sippen die Tasse nachfüllen.

Nach der Beendigung der Mahlzeit haben viele den Drang aufzustehen und beim Abwasch zu helfen. Tu es nicht! Die Familie würde sich seltsam fühlen und es ist unangebracht, dass sich Gäste, nachdem sie gerade erst angekommen sind, bei der Hausarbeit einbringen. Beim Guide und Fahrer ist das etwas anderes. Sie sind der Familie üblicherweise nicht unbekannt. Wenn du ein oder zwei Nächte bei der Familie verbracht hast wird alles etwas lockerer gesehen. Nur beim ersten Essen einfach mal locker lassen!

Während man in Europa nach dem Essen meist entspannt und weiter trinkt und miteinander plaudert, ist das keine Tradition in Bhutan. In Bhutan trinkt und plaudert vor dem Essen und nach dem Essen verabschiedet man sich üblicherweise recht schnell. Aber auch das ändert sich langsam. 

Das traditionelle Abschiedsgeschenk, soera, ist meist ein Trinkgeld für die Gastfreundschaft an die Gastfamilie. Wenn du zu Besuch bist wird dein Guide das übernehmen, aber natürlich darfst du beim Verabschieden der Hausfrau auch eine Geldnote per Händedruck übergeben. Sie wird es aus Höflichkeit ablehnen und du musst darauf bestehen, dass sie es nimmt, denn so ist das „Spiel“. Im Gegenzug werden sie dir vielleicht ein kleines Abschiedsgeschenk in Form von Käse, Butter oder Früchten überreichen. 




Ullis Liste, der 10 Dinge, die man in Bhutan gesehen und gemacht haben sollte

Von Ulrike Čokl

Originaltext auf englisch von Ulrike Čokl / Übersetzt von Daniela Luschin-Wangail
Ulli hat alles in allem mehrere Jahre in Bhutan gelebt. Sie hat dort als Ethnologin über traditionelle Praktiken der Gastfreundschaft geforscht. Daher ist sie eine Expertin für das Leben in dörflichen Strukturen in ganz Bhutan. Mit und für Gesar Travel arbeitet sie individuelle und spezielle Reiseprogramme aus, in denen ganz besondere Einblicke in die reiche Kultur Bhutans gewährt werden.

Es ist nicht einfach für mich nur 10 Plätze und Attraktionen in Bhutan zu nennen, die es unbedingt wert sind besucht zu werden, nachdem ich so viel Zeit in den letzten 18 Jahren dort verbracht habe. Trotzdem werde ich versuchen meine lange Liste der Dinge, Plätze und Aktivitäten, die ich liebe, für Menschen, die das Himalaya-Königreich noch nicht kennen zu kürzen. 

 

1 Taktsang Gonpa

Das Tigernestkloster

Es führt kein Weg an ihm vorbei. Das Tigernestkloster ist zweifellos eine der bekanntesten Attraktionen des Königreichs und für die meisten BesucherInnen einfach nicht möglich es auszulassen. Ich war so glücklich Taktsang mehrfach besucht haben zu können, bevor es zum Touristenhotspot Nummer eins wurde. Nichtsdestotrotz ist der erste Anblick beim Aufstieg auf das Taktsang Koster bis heute für mich jedes Mal ein besonderes Erlebnis. Ich empfehle allen möglichts früh am Morgen auf das Kloster zu gehen. Vielleicht bereits um 6 Uhr morgens oder gar früher. Auf diese Weise kannst du den Platz so erleben wie er angedacht war: ein abgelegener Rückzugsort zur friedvollen und ruhigen Kontemplation und Meditation.


 

2 Dzongs – Festungen mit Geschichte

Punakha Dzong

Ich liebe die Dzongs Bhutans, da sie wahre architektonische Kunstwerke sind und sich wunderbar in ihre Umgebung einbetten. Sie wurden in der Vergangenheit ohne den Einsatz von Metallnägeln, nur mit Holz, Stein und Lehm gebaut. In jedem der 20 Bezirke steht ein Dzong, einige sehr alt, einige etwas neuer. Wenn ich Paro anfliege und dabei den ersten Blick auf Rinpung Dzong werfe, werde ich jedes Mal sentimental. Wangdue Phodrang Dzong war mein liebste Dzong, ist allerdings vor einigen Jahren niedergebrannt. Es war ein sehr authentisches Beispiel für diese Festungen und wird derzeit renoviert. Jedoch auch das Punakha Dzong ist sehr eindrucksvoll und lädt gleichzeitig zu Spaziergängen in der Umgebung ein, bspw. indem man die längste Hängebrücke quert und Homestays inmitten der Felder und am Fluß besucht. Jakar Dzong in Bumthang, als auch Lhuentse Dzong und Trashigang Dzong im East sind ebenfalls beeindruckend und einen Besuch wert.


 

3 Wanderung auf einen Bergpass

Foto: Marina Beck Photography

Wenn du auch keine Zeit für einen richtigen Trek hast, gibt es trotzdem einige Möglichkeiten hinauf auf einen Pass zu wandern, um die Bergriesen des Himalaya zu bewundern.  Die meisten Bhutaner gluaben, dass die Gipfel Wohnorte von Schutzgottheiten, den kyelha sind. Wanderungen auf Pässe können ein paar Stunden bis zu einem ganzen Tag dauern. Meistens sind die Pässe mit chorten (buddhistischen Schreinen) versehen und mit Gebetsfahnen dekoriert. Daneben finden sich Steinhaufe, sogenannte latshe, wo man den Göttern Opfergaben in Form einer Blume, eines Blattes oder Zweigs hinterlassen kann. Wenn Bhutaner auf einen Pass kommen, rufen sie laut “lha gyelo” (“die siegreichen Götter” oder “mögen das Gute über das Böse siegen”),  und schenken den lokalen Gottheiten ein paar Tropfen aus ihrer Tasse ara (alkoholisches Getränk) bevor sie selbst davon trinken. Auf dem Weg zu einem Pass begegnest du vielleicht Kuhhirten, meist den Älteren eines Dorfhaushalts, die den Auftrag bekommen nach dem Vieh zu sehen. Mit etwas Glück wirst du von ihnen auf eine Tasse Tee oder zu Snacks in ihren temporären Hütten eingeladen. 


 

4 Zeit bei Einheimischen verbringen

Ein bhutanisches Sprichwort besagt: “Der Gast einer Nacht ist wie ein Gott.” Ich bin davon überzeugt, dass jemand, der nicht ein wenig Zeit in einem einfachen bhutanischen Bauernhaus verbracht hat, Bhutan nicht wirklich erlebt hat. Die Gastfreundschaft einer bhutanischen Familie zu erleben ist ein einmaliges Erlebnis. Darüberhinaus ist das Essen in Homestays so viel besser als in Hotels oder Gästehäusern. Du kannst die nangi aum (Frau des Hauses) dabei beobachten, wie sie ihren alltäglichen Routinen nachgeht und selbst ein wenig mit Hand anlegen. Oder du kannst im Altarraum, dem choesham, meditieren und dir das Haus und die Umgebung näher ansehen. Ich rate dir in einem echten Farmstay zu nächtigen und nicht einem, der primär für Touristen ausgezogen wurde. Es gibt viele authentische Häuser, die hie und da Gäste aus dem fernen Ausland aufnehmen und so der Tradition bhutanischer Gastfreundschaft treu bleiben.


 

5 Ein Dorffest

Maskentänze sind großartig, besonders in den Dzongs, wo sie jährlich den Sieg des Guten über das Böse zelebrieren. In Tänzen wird die Geschichte des Buddhismus nachgespielt, wie berühmte Lamas und Heilige in längst vergangenen Zeiten Dämonen und böse Wesen unterworfen haben. Persönlich mag ich kleine Dorffeste lieber, wo man eine Vorstellung davon bekommt, wie solche Veranstaltungen die Gemeinschaft miteinbezieht und die menschlichen Beziehungen im Alltag beeinflussen. Oft ist es schwer den Besuch eines solchen Fests im Vorhinein zu planen, da die Dorfbewohner die Termine oft erst sehr kurzfristig fixieren.

Ein Insidertip: Reise nach Ost-Bhutan in den Wintermonaten (Dezember, Jänner und Feburar) und die Chancen da und dort ein Dorffest mitzuerleben sind wirklich hoch. Du könntest dort sogar einer der resten Touristen sein, die mit dabei gewesen sind.


 

6 Trekking in Bhutan

Foto: Marina Beck Photography

Es bedarf nicht großer Worte: Trekking in Bhutan ist einfach großartig. Die Trekkingrouten sind einzigartig und nicht überlaufen. Auf alten Pfaden wandert man durch Rhododendron- und Koniferenwälder, vorbei an Wacholderbüschen und Bambuswäldern, man passiert chortens, mani Mauern und kleine gonpas (Klöster/Tempel). Auf einigen Trekkingrouten triffst du auf Yak-Hirten, deren Tiere auf Kräuterweiden grasen. Triff auf Dorfbewohner entfernter Täler, wie die Layaps beim Lingshi-Laya-Gasa oder Jomolhari Trek, und trink eine Tasse ara oder Tee mit ihnen. Sowohl Flora als auch Fauna sind atemberaubend und du wirst bestimmt Blauschafe und Wild sehen. Es sei erwähnt, dass dein Gepäck in Bhutan von Mulis und nicht von Trägern getragen wird. Und man schläft üblicherweise im Zelt.


 

7 Kunsthandwerk-Workshop

Foto: Marina Beck Photography

Wenn du Zeit hast und an den richtigen Plätzen bist, nimm unbedingt an einem Workshop zum Erlernen eines Kunsthandwerks teil, wie bspw. Bambusflechten, Weben in Zentral- oder Ostbhutan, oder Thangka-Malen im Westen. Es ist ein wunderbarer Weg mehr über die lokalen Traditionen der Bhutaner zu erfahren. Gleichzeitig bekommst du hautnah mit, wie aufwändig die Herstellung eines Kunsthandwerks sein kann. Die Ernte und das Sammeln von wildem oder kultiviertem Rohmaterialien und die spätere Verarbeitung sind oft zeitaufwändige und anstrengende Tätigkeiten.

Darüberhinaus unterstützt du durch die Teilnahme an lokalen Workshops die Künstler direkt. Damit hast du gleich doppelten Nutzen: Du lernst etwas über die Kultur des Landes und unterstützt den Fortbestand eines wertvollen Kulturguts.


 

8 Zhemgang

Foto: Marina Beck Photography

Ich liebe Zhemgang. Es ist abgelegen, kaum besucht und liegt im subtropischen Teil des Süden Bhutans und bietet die Möglichkeit den Royal Manal Nationapark zu besuchen. Hier gibt es eine Fülle an Vogelarten, von denen selbst ich mit meiner Handykamera recht gute Fotos schießen kann – bspw. vom Nashornvogel. Die Einheimischen sind liebenswürdig, etwas zurückhaltend, aber sehr gastfreundlich und lustig sobald das Eis gebrochen ist. Die meisten Häuser sind noch sehr traditionell, aus Bambus und auf Stelzen. Wenn du abenteuerlich und nicht sehr wählerisch was die Unterkünfte angeht, dann ist Zhemgang auch für dich ein perfekter Platz zum Entdecken. Besuche Bauern, mach eine Vogelsafari oder geh auf Raftingtour. Genieß die lokale Küche und besuch die Bambusweb-Gemeinschaft in Bjoka.


 

9 Ost-Bhutan

Foto: Marina Beck Photography

Der Osten ist großartig für jene, die weniger touristische Plätze entdecken wollen und tiefer in die lokale Kultur eintauchen wollen. Die Täler sind teilweise tief eingeschnitten und Reisfelder in Terrassen angelegt. Das Klima ist verhältnismäßig mild, da es niedriger liegt. Bananen und Früchte wachsen das ganze Jahr über. Im Winter sind es vor allem die Orangen, die das Land mit orangenen Punkten übersäen. Es gibt viel zu entdecken, besonders in Trashiyangtse, Trashigang und Lhuentse. Du kannst die Lingkhar Lodge als dein Basislager nutzen und die umliegenden Dörfer erkunden. Oder nächtige auch mal bei Bauern und genieße ihre Gastfreundschaft. Im Frühling und Herbst solltest du die Brokpa in Merak und Sakteng besuchen, und im Winter die Schwarzhalskranische im Bumdeling Wildlife Sanctuary beobachten. Es gibt noch immer sehr viele Plätze in Bhutan, die kaum bekannt sind. Wenn du gerne ein Pionier bist, dann genießt du es vielleicht auch, wenn wir dich als „Versuchskaninchen“ in Regionen schicken, wo bislang kaum noch andere Touristen waren. 


 

10 Essen – Picknicken und Kochkurse

Ich mag Chilli und Käse (=ema datshi), aber die bhutanische Küche hat so viel mehr zu bieten. Also lassen wir das Nationalgericht ema datshi mal außer Acht; wenn du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist, kannst du die Früchte des Landes, frisch von den Feldern, aus den Wäldern genießen: Pilze und Kräuter, hausgemachtes Brot aus Buchweizen, Weizenrollen gefüllt mit Knoblauchblättern, Käse und Chilli; Gemüse aus dem Garten und so traditionelle Gerichte wie „Reispizza“, roter Reis und gebratener Farn …  Doch die bhutanische Küche ist nicht rein vegetarisch. Bhutaner lieben sikam (getrocknetes Schweinefleisch), getrocknetes Yak-Fleisch und Rind; Rindsknochensuppe und Brathuhn. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die momos (gefülle Teigtaschen) mit diversen Füllungen. Bumthang gilt als kulinarischer Hotspot, aber auch Plätze wie Zhemgang und Ostbhutan etwas abseits der gängigen Touren hat viel für den hungrigen Magen zu bieten.


 

Einige abschließende Worte für Bhutan-Reisende

Meine Liste der Highlights in Bhutan kann niemals vollständig sein. Einige Aspekte möchte ich zusätzlich erwähnen: Gesar Travel kann spezielle Touren organisieren, bei denen du während deiner Reise einen bestimmten Fokus wählen kannst. Dies kann alles von abgelegenen Dorfbesuchen und Bauernhöfen über Textilien, Pilgerfahrten, Vogelbeobachtung oder traditionelle Medizin, Sowa Rigpa, sein. Lass uns wissen, was dich am meisten interessiert. Vorträge und Führungen mit Experten können arrangiert werden. Zwar können für zusätzliche Aktivitäten zusätzliche Gebühren anfallen, aber so unterstützt du auch lokale Spezialisten und Gemeinden direkt und unbürokratisch.

 

Abseits der ausgetretenen Pfade

In Bhutan gibt es noch so viel zu entdecken. Daher ist es immer gut, auf der Reise offen und flexibel zu bleiben. Es kann mühsam sein, über unbefestigte Straßen zu fahren, um oftmals sehr abgelegene Dörfer zu erreichen. Am Ende stößt du dabei jedoch auf interessante Aktivitäten wie Baumwollanbau und Baumwollweberei in Chimoong, Pemagatshel. Manchmal sind aufgrund von unvorhersehbaren Umständen Ad-hoc-Änderungen erforderlich, aber du kannst dies ruhig als Teil einer authentischen bhutanischen Erfahrung betrachten!

 

Mein Insidertipp

Zu guter Letzt möchte ich dir einen Geheimtipp mit auf den Weg geben: Die Monpa-Gemeinden in Trongsa entlang des Nabji-Korphu-Treks verfügen über ein unglaublich reiches lokales Wissen über Heilpflanzen und Lebensmittel aus dem Wald! Von Blättern bis Wurzeln ist die Auswahl groß. Während die Gäste normalerweise auf ausgewiesenen Campingplätzen übernachten, bringen wir dich in die Häuser der Monpa-Gemeinden! Sie gelten als die Ureinwohner Bhutans mit ihrer eigenen Sprache und ihren eigenen Bräuchen. Zusammen mit einem Monpa-Guide erhälst du so Einblicke in das reiche ethnobotanische Wissen dieser interessanten Menschen und unterstützst sie dabei, ihr lokales Wissen und ihre Kultur zu erhalten.




Von Ulrike Čokl

Originaltext auf englisch von Ulrike Čokl / Übersetzt von Daniela Luschin-Wangail
Ulli hat alles in allem mehrere Jahre in Bhutan gelebt. Sie hat dort als Ethnologin über traditionelle Praktiken der Gastfreundschaft geforscht. Daher ist sie eine Expertin für das Leben in dörflichen Strukturen in ganz Bhutan. Mit und für Gesar Travel arbeitet sie individuelle und spezielle Reiseprogramme aus, in denen ganz besondere Einblicke in die reiche Kultur Bhutans gewährt werden.

Gibt es beschränkte Touristenzahlen für Reisen nach Bhutan?

Die Anzahl der Touristen nach Bhutan ist nicht durch die Regierung limitiert. Stattdessen wird der Tourismus über ein Tagestarif-System geregelt. Die gute Nachricht: du kannst Bhutan jederzeit als Individual- oder Gruppenreisender besuchen.

Wenn du eine Reise bei einer Agentur deiner Wahl buchst, die mit einem lizensierten bhutanischen Reiseveranstalter zusammenarbeitet, vermitteln sie dir diesen Tarif in deinem Namen. Der Minimum-Tagessatz für Reisen nach Bhutan beläuft sich auf 250 USD in der Hochsaison und auf 200 USD in der Nebensaison. Es werden die Nächte und nicht die Tage gerechnet [1]. Diese Gebühren beinhaltet alle Basiskosten, dh Nächtigungen in Standardhotels (oder Gästehäusern, Homestays, Lodges), Eintritte, Permits, Transporte, einen Fahrer, einen englischsprachigen Guide und drei Mahlzeiten pro Tag. Spezielle Aktivitäten wie Rafting, diverse Kurse (wie Weben, Kochen, Thangka-Malen etc.), Hot Stone-Bäder, Saunabesuche, Meditationsklassen und spezielle Reiseführer (für Themenreisen wie unsere Textilreise) verursachen zusätzliche Kosten. Darüberhinaus sind im Tagessatz Alkohol, Trinkgelder oder Spenden nicht inkludiert.

Achtung: Wenn dir Agenturen einen Preis unter dem reglementierten Tagessatz anbieten, unterbieten sie den vorgeschriebenen Mindesttarif, was nicht nur unethisch ist, sondern auch heißt, dass die involvierten Parteien (Unterkunftsbetreiber, Guides, Fahrer etc.) nicht adäquat bezahlt werden. Das heißt für dich, dass du für dein Geld auch nicht das bekommst, was du dir eigentlich erwarten kannst, bspw. minderwertige Unterkünfte, schlecht ausgebildete Guides, lieblose Standardtouren bei denen Gäste mit dem Bus von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gekarrt werden. Der Schlüssel zu einer schönen Reise ist eine vertrauenswürdige und ethisch arbeitende Agentur. Wir sind stolz darauf, dass wir nicht nur unsere Reisen an die Bedürfnisse unserer Gäste anpassen, sondern auch die beteiligten bhutanischen Mitwirkenden respektvoll behandeln und angemessen bezahlen.

Photo: Marina Beck Photography

Warum ein Tarifsystem?

Experten des bhutanischen Tourismus sagen, dass das vorherrschende Tarifsystem Massentourismus verhindert und die negativen Auswirkungen des Tourismus auf die lokale Kultur und Umwelt dadurch abgeschwächt werden.

Der Tourismus in Bhutan beginnt im Jahr 1974 mit der Krönung des vierten Königs Jigme Singye Wangchuk. Damals wurden die ersten Gästehäuser für ausländische Ehrengäste errichtet, die zu diesem besonderen Anlass eingeladen wurden. Um die neu errichtete Infrastruktur weiterhin nutzen zu können, erlaubte man es ersten Touristen nach Bhutan zu kommen. Gleichzeitig konnten dadurch Einnahmen gemacht, die einzigartige Kultur und Traditionen des Landes der Außenwelt präsentiert und die sozio-ökonomische Entwicklung stimuliert werden. Von Anfang an war der Ansatz des „Mittleren Wegs“ die ideologische und strategische Basis zur Entwicklung Bhutans. Der Tourism Council of Bhutan (TCB – Tourismusrat von Bhutan) erklärt, dass die Tourismusbranche in Bhutan auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit basiert, was bedeutet, dass der Tourismus umweltfreundlich, sozial und kulturell akzeptabel und wirtschaftlich tragfähig sein muss. Rucksacktouristen mit niedrigem Budget schienen diese Kriterien nicht zu erfüllen und wurden als Gefahr für diese Grundsätze angesehen. Die bhutanische Regierung macht sich auch Sorgen, welchen Einfluss unkontrollierte Reisende auf die lokale Kultur und Tradition haben könnten. Der zentrale Slogan des bhutanischen Tourismusansatzes lautet „hoher Wert, geringer Einfluss“.

Man kann viele positive Ansätze hinter der Strategie erkennen und im Großen und Ganzen sind die Auswirkungen durchaus als positiv anzusehen, dennoch gibt es Aspekte die man durchaus kritisieren kann. Beispielsweise sind Touristen aus Indien, Bangladesh und den Malediven vom Mindesttarifsystem ausgeschlossen. Weil Reisen nach Bhutan für Gäste aus diesen Ländern bezahlbarer sind, machen sie inzwischen den größten Anteil ausländischer Gäste aus. Während das Tarifsystem von Bhutanern größtenteils befürwortet wird, stellt sich ihnen nun die Frage ob diese (Low-Budget-)Touristen nun weniger „schadhaft“ als andere ausländische Gäste für die lokale Kultur und Umwelt sind. Die bhutanische Regierung befindet sich derzeit diesen Widerspruch betreffend in einem Prozess der Lösungsfindung.

Fragen und Kontroversen

Warum das Tarifsystem funktioniert

Trotz der Vorbehalte hat das Tarifsystem viele Vorteile. Die Regierung zieht dem Tagessatz eine Nachhaltigkeitsgebühr (SDF – Sustainable Developement Fee) in der Höhe von $ 65 ab, die in das Sozialsystem des Landes geht. Die medizinische Grundversorgung beispielsweise ist für Bhutaner und Langzeitbewohner kostenfrei. Diese Grundversorgung gilt auch für Personen wie mich, die sind über lange Zeiten in Bhutan aufhalten. Auch kleine bhutanische Reiseveranstalter, die auf Qualität, wirkliches Kennenlernen des Landes und Ethik Rücksicht nehmen, profitieren von diesem System. Derart kleine Unternehmen würden in einer sonst harten wettbewerbsliberalisierten Umgebung kaum überleben. Letztendlich entscheiden die Bhutaner selbst, in welche Richtung der Tourismus im Königreich gehen soll. Es liegt an ihnen ihr reiches kulturelles und traditionelles Repertoire und ihre Landsleute ernst zu nehmen, und so ethisch und nachhaltig wie möglich zu arbeiten, um auf diese Weise auch Einkommen für die Landbevölkerung zu generieren ohne diese auszubeuten. Einer dieser Ansätze ist es beispielsweise auch Gäste ab und zu in Farm-/Homestays unterzubringen, was der beste Weg ist, die Gastfreundschaft Bhutans kennenzulernen.

Bhutan ist ein wunderbares Reiseland und unterscheidet sich vielfach von anderen Destinationen – auch dank des Tarifsystems. Wenn du nicht gerade eine 08/15-Standard-Reise gebucht hast, wirst du auch nicht an jeder Ecke auf andere Touristen treffen und folglich wertvolle Zeit mit Einheimischen in deren Dörfern und Städten verbringen. Es gibt einige lokale Agenturen, die genau so arbeiten und wir von Gesar Travel arbeiten gerne mit ihnen zusammen.


[1] Für Touristen, die in einer Gruppe von zwei oder weniger Personen reisen, wird zusätzlich zu den Mindesttagespauschalen ein Aufpreis aufgeschlagen.




Warum der Osten Bhutans ein wahrer Geheimtipp ist


Originaltext auf englisch von Ulrike Čokl / Übersetzt von Daniela Luschin-Wangail
Ulli hat alles in allem mehrere Jahre in Bhutan gelebt. Sie hat dort als Ethnologin über traditionelle Praktiken der Gastfreundschaft geforscht. Daher ist sie eine Expertin für das Leben in dörflichen Strukturen in ganz Bhutan. Mit und für Gesar Travel arbeitet sie individuelle und spezielle Reiseprogramme aus, in denen ganz besondere Einblicke in die reiche Kultur Bhutans gewährt werden.

 

Warum Ost-Bhutan?

Warst du schon einmal in Bhutan und möchtest das Königreich nun von seiner weniger bekannten Seite kennenlernen? Oder ist es dein erster geplanter Besuch und du möchtest mehr als nur die üblichen Sehenswürdigkeiten auf der To-Do-Liste abhaken? Wenn du eine der Fragen mit Ja beantworten kannst, ist Ost-Bhutan genau das Richtige für dich. Mit den richtigen Plätzen im Reiseplan ist es ein wahrer Insider-Tipp. Der Osten Bhutans hat einiges zu bieten: atemberaubende Tageswanderungen in einmaliger Natur, traditionelle Homestays, Einblicke ins tägliche Dorfleben und herzliche Begegnungen mit Einheimischen. Für die AbenteuererInnen kann eine Reise in den Osten auch noch richtigen Pioniercharakter haben. Wenn beispielsweise lokale Feste in abgelegenen Dörfern am Programm stehen, kann es gut sein, dass man der erste Ausländer ist, der daran teilnimmt. Und noch einen durchaus triftigen Grund den Osten zu besuchen gibt es: 2018 hat die bhutanische Regierung die Tagessätze für den Osten reduziert, um die Dorfgemeinschaften in Ostbhutan zu fördern, die von den klassischen Bhutanreisenden wenig profitieren. Das doch recht teure Bhutan wird im Osten dadurch um einiges erschwinglicher. Ganz besonders in der Nebensaison, im relativ milden Winter, wo es zwar abends und morgens recht kühl ist, doch tagsüber sehr angenehm warm und sonnig sein kann.

 

 

Welche Bezirke zählen zu Ostbhutan?

Zu Ostbhutan zählen die Bezirke Samdrup Jongkhar, Pemagatshel, Trashigang, Trashiyangtse, Mongar und Lhuentse. Über den Landweg reist man über Samdrup Jongkhar ein und aus. Von dort fährt man durch subtropisches Klima – mit Bambus-, Bananen- und Laubbäumen – in die höheren Regionen von Trashigang, man lässt die indische Ebene und das bhutanische Vorgebirge mit unglaublichen Blicken hinter sich. Unterwegs lohnen sich Stopps bei Dzongs, Klöstern und Tempeln, vor allem Gom Khora, Chorten Kora, Drametse und Mukazor. Der wahre Charme des Ostens eröffnet sich jedoch insbesondere in der Schönheit der Landschaft, den abgelegenen Dörfern, der herzlichen Gastfreundschaft, den kleinen, wenig besuchten Dorffesten und den einzigartigen Begegnungen mit Ostbhutanern.

 

Mit Reisen lokale Gemeinschaften unterstützen

Es gibt eine interessante traditonelle Handwerksschule in Yangtse, die einen Stopp in jedem Fall wert ist. Daneben empfiehlt es sich auch einen oder mehrere Tage bei einem Handwerker zu verbringen und an einem Workshop teilzunehmen. In Ost-Bhutan gibt es eine Reihe traditioneller bhutanischer Handwerke (zorig chusum), bspw. Papierherstellung (dezo) und das Holzdrehen (shagzo) in Trashiyangtse; Weberei (thagzo), Töpferei (jinzo) und Holzschniterzei (parzo) in Pemagatsel, Trashigang und Lhuentse; und Zimmerei (shingzo) in der gesamten Region.

Eines der absoluten Highlights, wenn man in Homestays nächtigt: hausgemachte Mahlzeiten, natürlich organisch. Wenn du abenteuerlustig genug bist, kann ein tshogchang arrangiert werden – ein wahrlich authentisches Willkommensritual bei dem die Dorfbewohner Gäste mit Alkohol und Snacks, Liedern und Tänzen begrüßen und vom Besucher im Gegenzug ein Gegengeschenk in Form von Geld (soerat) erwarten. Wenn du den Osten Bhutans besuchst, unterstützt du Dorfbewohner direkt und wirkst der Abwanderung entgegen, das ein gegenwärtiges Problem darstellt. Durch nachhaltigen und ethischen Tourismus werden gute Gründe geschaffen auch in ländlichen Gebieten zu bleiben.

 

Foto: Marina Beck Photography

 Was wo tun?

Lass mich dich mit ein paar Einblicken in Ost-Bhutan inspirieren: In Pemagatshel verarbeiten die Frauen des Dorfes Chimoon Baumwolle zu wunderschönen Textilien. Weiter oben im Norden, in Kangpara, eine abgelegene Region in Trashigang, findest du verschlafene Dörfer inmitten von Reisfeldern. Hier werden bangchung (gewebte Schüsseln) und Körbe von höchster Qualität hergestellt und du kannst – wenn du magst – sogar an einem Bambus-Web-Workshop teilnehmen. Im Anschluss kannst du dann bei einer Tasse ara (einheimischer Schnaps) und lecker Hausmannskost den Tag bei deiner Gastfamilie ausklingen lassen. In Trashigang musst du unbedingt durch märchenhafte Wälder zu abgelegenen Einsiedeleien wandern. Ganz speziell ist auch das Eintauchen in das Leben der Brokpa, halbnomadische Yak-Hirten von Merak und Sakteng. Bei ihnen erfährst du mehr übers Melken, die Herstellung von Butter, die Wollfabrikation, das Spinnen und Weben. Die schöne Lingkhar Lodge ist das perfekte „Basislager“ für die, die ihre Zeit lieber abenteuerlicher verbringen. Von hier aus sind Ausflüge in die Stadt Trashigang mit dem Trashigang Dzong (Festung), ins Dorf Rhadi, in die ‘Reisschüssel des Ostens’ mit seinen Roh-Seide-Webern (bura), ins Kloster Rangjung und nach Rangshikhar, einem zauberhaften Dorf mit großartigem Heritage-Homestay und einer kleinen gonpa (Kloster) auf der Spitze eines Berges möglich. Das Bumdeling Wildlife Sanctuary in Trashiyangtse bietet reichlich Möglichkeiten für NaturliebhaberInnen Tageswanderungen und Kurztreks zu unternehmen. Im Winter kannst du hier auch den Schwarzhalskranichen begegnen, die auf den Feldern nur darauf warten von dir fotografiert zu werden.

Mein ganz persönlicher Favorit ist das Lhuentse Tal. Vielleicht hast du schon von Khoma gehört, dem Dorf der berühmten kishutara-Weber. Pilger können zu versteckten Einsiedeleien wandern und neben den Meditationshütten der Mönche selbst ein wenig zur Ruhe zu finden oder mit dem Hauptlama etwas Konversation betreiben. Die Guru Rinpoche Statue bei Takila ist eindrucksvoll und Tangmachu bietet malerische Wanderungen in der Umgebung. Einen Tagestrip entfernt, im Dorf Ney, kannst du auf Frauen treffen, die Nesseln in mühevoller Kleinstarbeit zu Fäden verarbeiten und anschließend herrliche Nesselwebereien herstellen. Die kleine Töpferei in Gangzur ist eine der letzten, wo noch traditionelle Erdtöpfe hergestellt werden. Das berühmte Nationalgericht, ema datshi (Chili und Käse), schmeckt in so einem Topf zubereitet angeblich am besten. In Lhuentse kannst du auch an Weberei- und Schnitzerei-Workshops teilnehmen. Und wenn du gerne in Homestays nächtigst, ist Lhuentse ein wunderbarer Platz für mehrere Tage.

 

Mach dich bereit

Hab ich dich inspirieren können? Dabei habe ich nur an der Oberfläche gekratzt! Wenn du mehr Geheimtipps von Ost-Bhutan wissen willst, setz dich mit uns in Verbindung. Und schau dir auch unsere ganz besondere Ost-Bhutan-Reise an.