||Religion||

||Buddhismus & Islam||

In Ladakh spielen zwei Religionen eine wesentliche Rolle im Leben der Menschen. Während im Osten Ladakhs hauptsächlich der Buddhismus tibetischer Ausprägung eine Rolle spielt, ist der Islam im Westen (vorwiegend shiitischer Ausrichtung) stärker verbreitet. Besonders in den letzten Jahren kam es immer wieder verstärkt zu mehr oder minder starken Konflikten zwischen den Anhängern der beiden Weltreligionen. Insbesondere die Buddhisten werfen den Muslimen vor mit radikalen Mitteln buddhistische Menschen zu missionieren. Die Ladakh Buddhist Association wirft der muslimischen Gemeinde unter anderem vor, Menschen mit kriminellen Mitteln (Erpressung, Täuschung usw.) dazu zu bewegen ihre buddhistische Religionszugehörigkeit aufzugeben und der islamischen Gemeinde beizutreten.

||Der Buddhismus und seine Anfänge in Ladakh||

Noch bevor sich der Buddhismus in Ladakh durchsetzen konnte waren die Menschen Anhänger einer animistischen Religion (Bön), in der insbesondere Schamanen eine große Rolle spielten. Schamanistische Elemente und Riten sind bis heute wichtige Bestandteile im Buddhismus Ladakhs (so generell im tibetischen Buddhismus).

Ca. 300 vor Christus, zur Zeit des großen "Religionskaisers" Ashoka, der damals über Indien regierte und ein begeisterter Anhänger des Buddhismus und seiner Philosophie war, reisten buddhistische Gelehrte von Kashmir nach Ladakh, um die Lehre Buddhas zu verbreiten. Doch auch schon die ersten Bewohner Ladakhs, namentlich die Mon und Darden, waren Anhänger des Buddhismus.

Die stärkste Verbreitung fand der Buddhismus in Ladakh jedoch mit der Reise des großen Tantrikers Padmasambhava (der "Lotosgeborene") im 8. Jahrhundert durch Ladakh. Man sagt ihm nach, dass er mit seinen magischen Kräften die bösen Bön-Geister besiegt hat und damit die Menschen zum Buddhismus bekehrt hat. Der Legende nach meditierte Padmasambhava in verschiedensten Höhlen, wo heute wichtige Klöster zu finden sind (zB Thakthok, Sani, Shergol, Lamayuru).

Neben Padmasambhava ist der Gelehrte Rinchen Zangpo (958-1055) als wichtiger Bereiter des Buddhismus in Ladakh zu nennen. Er war ein bedeutender Übersetzer und war maßgeblich an der Gründung von 108 (eine Zahl wichtiger religiöser Bedeutung) Klöstern in Ladakh, Spiti und Guge beteiligt.

Nachdem das bisherige buddhistische Zentrum Kashmir infolge islamischer Eroberungen und Konvertierungen verloren war, entwickelte sich Tibet zum neuen spirituellen Zentrum - auch für Ladakh. Wichtige Mönche aus Ladakh erhielten fortan ihre Ausbildung in Tibet.

||Der tibetische Buddhismus im Alltag der Menschen||

Wie in Tibet haben sich auch in Ladakh mit der Verbreitung des Buddhismus Elemente der vorbuddhistischen Bön-Religion bewahrt. So ist der Alltag der Menschen in Ladakh noch immer stark mit einem animistischen Volksglauben verbunden. Nachdem dieser aber so eng mit dem Buddhismus verbunden ist, ist es oft sehr schwer eine Trennung zwischen diesen beiden Religionen zu ziehen.

Für die Ladakhis spielt der Glauben um Geister rund um Haus und Felder noch immer eine bedeutende Rolle. Die Vertreibung von bösen Geistern und das Anlocken von Guten ist trotz der Verbreitung des Buddhismus noch immer wesentlich.

Orakel und Schamanen sind noch heute wichtige Personen, wenn es darum geht Krankheiten zu heilen oder bedeutende Schritte im Leben zu planen. Orakel sind im tibetischen Buddhismus völlig integriert und viele Mönche sind - neben Nicht-Ordinierten - oft auch Orakel.

||Literaturtipp||

Für weiterführende Literatur zum Buddhismus in Ladakh empfehle ich:

Anneliese und Peter Keilhauer: Ladakh und Zanskar. Lamaistische Klosterkultur im Land zwischen Indien und Tibet. DuMont Kunst-Reiseführer.

oder jegliche Literatur zum tibetischen Buddhismus generell.

Zu Schmanismus und Orakel in Ladakh gibt es zwei Autoren, die zu empfehlen sind:

Amélie Schenk und Ina Rösing